Die geduldete Verteufelung Israels

Der Antisemitismus kommt in den USA und Europa zunehmend in Mode. Die Medien schauen lieber weg.

Ilhan Oman vertritt in einem Tweet die ungeheuerliche Ansicht, Israel sei ein Apartheidstaat, hypnotisiere die Welt und Allah solle doch bitte die Menschen aufwecken.

Ilhan Oman vertritt in einem Tweet die ungeheuerliche Ansicht, Israel sei ein Apartheidstaat, hypnotisiere die Welt und Allah solle doch bitte die Menschen aufwecken. Bild: Keystone

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Es ist schon merkwürdig, was derzeit auf der Welt geschieht, wenn es um Israel und Antisemitismus geht. Es musste schon Dienstag werden, ehe man Berichte darüber fand, dass aus dem Gazastreifen in den letzten Tagen Hunderte Raketen nach Israel abgefeuert wurden.

Bereits sind, natürlich, auch wieder die vielen Nahostkonfliktversteher am Werk, die die Schuld auf ihren liebsten Sündenbock abschieben: Israel, «die Kriegstreiberin». Viel lieber jubelte die Presse letzte Woche nach den Zwischenwahlen in den USA, den «Midterms», ganz euphorisch: Endlich, endlich sind auch zwei muslimische Frauen ins Repräsentantenhaus eingezogen.

Dass die eine, Ilhan Omar, in einem Tweet die ungeheuerliche Ansicht vertrat, Israel sei ein Apartheidstaat, hypnotisiere die Welt und Allah solle doch bitte die Menschen aufwecken, damit sie diese «teuflischen Dinge» sehen: geschenkt. Und falls es doch erwähnt wird, dann widerwillig. Ist ja auch nicht so wichtig, Hauptsache, eine Minderheit hat Erfolg.

Dass die andere, Rashida Tlaib, sich gerne mit Palästinenser-Flagge zeigt und ausdrückliche Befürworterin der antisemitischen BDS-Bewegung ist, die Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel zum einzigen Ziel hat: geschenkt. Und falls es doch erwähnt wird, dann widerwillig. Ist ja auch nicht so wichtig, Hauptsache, eine Minderheit hat Erfolg. Ein schwuler Republikaner oder eine bisexuelle Demokratin geben einfach mehr Stoff her für ein hübsches Porträt. Omar und Tlaib wollten sich nach Bekanntwerden ihrer Aussagen natürlich herauswinden, gegen Juden wollen sie nichts haben; es wirkte aber wie eine verzweifelte Ehrenrettung ob ihres plötzlichen Ruhms denn um eine glaubhafte Läuterung. Bange muss ihnen ihr Rassismus nicht sein: Die Journalisten machen wenig Anschein, diesen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Verteufelung von Israel ist schwer in Mode

Ebenso wenig Lust haben die meisten Medien in den USA, die Organisatorinnen des hochgejubelten «Women’s March» mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Zwei der Vorsitzenden, Linda Sarsour und Tamika D. Mallory, verzetteln sich in übelsten Verschwörungstheorien, die immer den tragisch simplen Gedankenschluss offenbaren: Die Ursache allen Übels ist – Überraschung, Überraschung – Israel. Auch über diese zumindest grenzwertigen Einstellungen soll offensichtlich der Mantel des Schweigens gehüllt werden.

Als Alyssa Milano, eine durchaus renommierte Schauspielerin und eine der ersten #MeToo-Vorkämpferinnen, in der letzten Woche ankündigte, aufgrund der vielen antisemitischen Strömungen die «Women’s-March»-Bewegung nicht weiter unterstützen zu wollen, ging das komplett unter. In den Schlagzeilen wurde Milano erst wieder erwähnt, als klar wurde, dass auch sie wegen der verheerenden Waldbrände in Kalifornien evakuiert werden musste.

Diese Haltung gegenüber dem immerhin einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten grassiert aber nicht nur in Amerikas Institutionen. Die Verteufelung Israels ist auch in Europa schwer in Mode. Darunter macht man es gar nicht. In Basel werden Angriffe auf die jüdische Metzgerei kaum zur Kenntnis genommen, während sich gleichzeitig die Unterstützung für mehr Polizeischutz für die Synagoge schwer in Grenzen hält. In Deutschland und Frankreich werden Juden auf der Strasse immer häufiger tätlich angegriffen, in England ist ein Antisemit wie Jeremy Corbin einer der führenden politischen Meinungsmacher.

Aber wen kümmerts? Ist ja nicht so wichtig. Und schuld daran ist sowieso Israel. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.11.2018, 11:14 Uhr

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