Diese Bilder wollte Facebook nicht zeigen

Die «New York Times» veröffentlichte einen brutalen Report über die Hungerkrise im Jemen. Facebook entfernte die Posts – und musste sich entschuldigen.

Nur noch Haut und Knochen: Ein Mädchen im Jemen wird gewogen.

Nur noch Haut und Knochen: Ein Mädchen im Jemen wird gewogen. Bild: Keystone

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Der Krieg im Jemen drohe eine Hungersnot auszulösen, «grösser als alles, was die Experten bislang erlebt haben», warnte die UNO letzte Woche. Bereits jetzt sind Hunderttausende unterernährt, bald könnten 14 Millionen betroffen sein, die Hälfte der Einwohner.

Wie das aussieht, zeigte die «New York Times» in einem am Freitag publizierten Report. Bilder von unterernährten Kindern, manche erst drei Jahre alt, zeigen dünne Haut auf kleinen Knochen. «Die Bilder sind brutal», sagten die Autoren des Berichts dazu, «aber sie sind brutal ehrlich.» Der Artikel stiess auf grosses Echo, er wurde in sozialen Netzwerken mehrere Zehntausend Mal geteilt.

Offenbar war das für Facebook zu viel nackte Kinderhaut. Das soziale Netzwerk löschte während mehrerer Stunden Beiträge von Nutzern, die den Bericht geteilt hatten – wegen «Verstosses gegen die Gemeinschaftsstandards». Darin ist festgehalten, dass auf der Plattform keine Bilder von nackten Menschen oder sexuellen Handlungen gezeigt werden dürfen. Die Betroffenen reagierten erbost: «Ja genau, nichts zeigt mehr sexuell aufgeladene Nacktheit als verhungernde Mädchen», lautete ein sarkastischer Kommentar.

«Bilder von globaler Bedeutung»

Dass das Verbot von Bildern mit Nacktheit nicht überall gleich anwendbar ist, merkten auch die Facebook-Verantwortlichen. In einer Stellungnahme gegenüber der «New York Times» hiess es, Nacktbilder von Kindern seien zwar verboten, bei den Fotos aus dem Jemen handle es sich aber um «Bilder von globaler Bedeutung». Die gelöschten Beiträge würden daher wieder publiziert.

Die Fotos der «New York Times» werfen ein Schlaglicht auf einen verheerenden Krieg zwischen der Bevölkerungsgruppe der Huthi und regierungstreuen Truppen. Die Rebellen kontrollieren grosse Teile des armen Landes im Süden der Arabischen Halbinsel. Eine von Saudiarabien angeführte Koalition unterstützt die Regierungsanhänger mit Luftangriffen. Dabei kommen immer wieder Zivilisten ums Leben. In dem Krieg sind nach UNO-Schätzungen seit 2014 mehr als 28’000 Menschen umgekommen, davon rund 10’000 Zivilisten.

Und sie zeigen, wie schwierig für Facebook der Umgang mit Bildern ist, die als Zeitdokumente gelten oder soziale und politische Themen aufgreifen. Vor zwei Jahren sorgte der Konzern für Aufruhr, als er den Beitrag einer norwegischen Zeitung löschte, weil dieser das Bild eines nackten Mädchens aus dem Vietnamkrieg enthielt. Und bereits 2009 brach ein Sturm der Entrüstung los, weil das soziale Netzwerk Fotos von Müttern entfernte, die ihr Kind stillen. Seither heisst es in den Gemeinschaftsstandards: Verboten seien Bilder von «unbedeckten weiblichen Brustwarzen, ausser im Kontext des Stillens». (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 30.10.2018, 16:48 Uhr

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