Trump greift nach schrillen Tweets sanft an

Baschar al-Assad verfügt trotz Raketenangriffen weiterhin über Chemiewaffen.

Gegen die Ziele wurden 105 Marschflugkörper abgefeuert. Die US-Streitkräfte trugen mit 88 Raketen die Hauptlast des Angriffs.

Gegen die Ziele wurden 105 Marschflugkörper abgefeuert. Die US-Streitkräfte trugen mit 88 Raketen die Hauptlast des Angriffs. Bild: Keystone

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In der Nacht auf Samstag haben die USA den erwarteten Militärschlag gegen Syrien ausgeführt, zusammen mit Grossbritannien und Frankreich. Die Marschflugkörper zielten auf die Infrastruktur der Chemiewaffenproduktion des Assad-Regimes. Die Alliierten reagierten damit auf die mutmassliche Verwendung von Chemiewaffen durch den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Nach den Attacken, die bloss ein paar Stunden dauerten, sprach US-Präsident Donald Trump von «mission accomplished». Im Pentagon behauptete man, Assads Chemiewaffenprogramm sei «um Jahre» zurückgeworfen worden. Mit den Luftangriffen sei «das Herz» von Assads Chemiewaffen vernichtet worden, sagte der Direktor des US-Generalstabs, Kenneth F. McKenzie. Auf Nachfragen von Journalisten räumte er allerdings ein, dass ein Teil der Chemiewaffeninfrastruktur nicht angegriffen worden sei. Aber Assad werde künftig wohl intensiv nachdenken, bevor er Chemiewaffen einsetze. Die Aktion der Alliierten sei eine Warnung an alle, die Massenvernichtungswaffen einsetzen wollen. Weitere Angriffe auf Syrien würden folgen, sollte Syrien erneut chemische Waffen einsetzen.

Gelassenheit in Damaskus

Assad und seine Verbündeten in Moskau bestreiten zwar, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Unbestritten ist aber, dass Assad über ein Chemiewaffenarsenal und -programm verfügt. Damit setzt er sich über die Verpflichtung hinweg, die er vor fünf Jahren eingegangen war, als er die Chemiewaffenkonvention unterzeichnete.

Analysten weisen darauf hin, dass Assad durch die Luftangriffe nicht geschwächt wurde. Weil sich die Raketen lediglich gegen Chemiewaffen Assads richteten, entstehe der Eindruck, Assad dürfe mit Zustimmung des Westens seine Landsleute weiterhin umbringen, zitiert das Wall Street Journal den Kommandanten einer Rebellengruppe im Norden Syrien, die von den USA unterstützt wird. Der «hohe Preis», von dem Trump vergangene Woche drohend getwittert hatte, wurde Assad nicht abverlangt. Das syrische Regime verfügt weiterhin über konventionelle Waffen. Im siebenjährigen Bürgerkrieg sind bisher 400 000 Menschen umgekommen. Durch chemische Waffen sind weniger als 2000 Syrer getötet worden.

Als Beleg für die Gelassenheit in Damaskus lässt Assad einen Videoclip zirkulieren, auf dem zu sehen ist, wie er am Morgen nach dem Angriff mit einer Aktentasche in seinen Palast zur Arbeit schreitet – das zumindest legt der Text zum Clip nahe. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar, dass es sich dabei um Fake News handeln muss. Aufgrund des Schattenwurfs eines Baumes kann das Filmchen nicht in den Morgenstunden aufgenommen worden sein.

Die Alliierten hatten drei Ziele ins Visier genommen: ein Forschungszentrum für die Entwicklung chemischer und biologischer Waffen, ein Lager für Chemiewaffen sowie einen militärischen Kommandoposten. Syriens Staatsmedien bestätigten den Erfolg der Alliierten nur teilweise. Labors und ein Lehrgebäude seien zwar zerstört, ein Forschungszentrum nördlich von Damaskus sei aber nur getroffen worden. Insgesamt sprechen die Medien von drei Verletzten.

105 Marschflugkörper

Die frühzeitige Warnung über den bevorstehenden Angriff hatte es syrischen Militärs und deren Beratern ermöglicht, die mutmasslichen Ziele rechtzeitig zu räumen. Dazu gehört der Militärflughafen Dumair östlich von Damaskus, von dem am Samstag vor einer Woche die Flugzeuge mit der giftigen Ladung gestartet sein sollen (laut der syrischen Regierung sind die Raketen durch die syrische Luftabwehr abgefangen worden). Ebenfalls menschenleer waren das Forschungszentrum in Barsah, wo Chemiewaffen entwickelt wurden, und die Lagerstätte in Zentralsyrien mit dem chemischen Kampfstoff Sarin. Gegen die Ziele wurden 105 Marschflugkörper abgefeuert. Die US-Streitkräfte trugen mit 88 Raketen die Hauptlast des Angriffs.

Die Luftschläge gegen Installationen des syrischen Regimes waren eine Vergeltung für den vermuteten Giftgasangriff vor einer Woche, vor allem aber sollte mit der Attacke eine rote Linie gezogen werden, um künftige Giftgasangriffe zu vermeiden.

Die USA, Frankreich und Grossbritannien sind seit Jahren am Konflikt beteiligt, indem sie Rebellen ausrüsten, gegen IS-Terroristen vorgehen und Rebellen Berater zur Verfügung stellen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.04.2018, 09:45 Uhr

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