Hier werden Sie wegen Facebook-Posts verhaftet

Ein Bericht zeigt, in welchen Ländern die Internetfreiheit eingeschränkt wird. Messaging-Dienste wie Whatsapp geraten immer mehr in den Fokus von Repression.

Je dunkler, desto mehr Einschränkungen und Zensur: Weltatlas der Internetfreiheit 2015. (Grafik: Freedom House)

Je dunkler, desto mehr Einschränkungen und Zensur: Weltatlas der Internetfreiheit 2015. (Grafik: Freedom House)

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Internetfreiheit ist weltweit auf dem Rückzug: Dies zeigt der neuste Bericht der Nichtregierungsorganisation Freedom House, die seit mehr als 40 Jahren Länder anhand ihrer politischen und zivilen Rechte bewertet. Für den «Freedom on the Net Report 2016» hat sie 65 Länder untersucht und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen:

  • Zum sechsten Mal in Folge ist die Internetfreiheit weltweit gesunken.
  • 67 Prozent beziehungsweise zwei Drittel aller weltweiten Internetnutzer leben in Ländern, in denen Kritik an der Regierung, dem Militär oder der regierenden Familie zensuriert wird.
  • 27 Prozent aller Internetnutzer leben in Ländern, in denen Nutzer für das Teilen von Inhalten verhaftet wurden.
  • Messaging-Apps wie Whatsapp geraten immer mehr in den Fokus von Repression.

Von allen Nutzern leben laut Freedom House nur 24 Prozent in Ländern mit freiem Internet, 29 Prozent in solchen mit einem teilweise freien Netz und 35 Prozent in einem mit nicht freiem Internet. Die fehlenden 12 Prozent werden vom Bericht nicht erfasst.

Zu den Top 5 der Länder mit dem freiesten Internet gehören Estland, Island, Kanada, die USA und Deutschland. Das Schlusslicht der Untersuchung bilden Usbekistan, Äthiopien, der Iran, Syrien und China. Die chinesische Regierung habe durch 2015 eingeführte, zusätzliche Beschränkungen die freie Meinungsäusserung weiter eingeschränkt und sei deshalb der «schlimmste Missbraucher» von Internetfreiheit, so Freedom House.

Die drastischsten Abwertungen des Jahres bekamen aber Brasilien und die Türkei. Das lateinamerikanische Land wurde wegen der zeitweisen Sperrung von Whatsapp auf «teilweise frei» heruntergestuft. Die Türkei erhielt wegen der mehrfachen Social-Media-Sperrungen und der Strafverfolgung von Nutzern erstmals den Status «nicht frei».

Der diesjährige Bericht stellt besonders die Einschränkungen gegenüber Messaging-Diensten und Telefon-Apps heraus. Diese würden einerseits wegen ihrer Verschlüsselung angegriffen und zum anderen, um (staatseigene) Telefonkonzerne vor der Konkurrenz zu schützen. Insgesamt 24 der 65 untersuchten Länder ergriffen Massnahmen gegen eine oder mehrere Plattformen wie Facebook. In 38 Ländern, also mehr als der Hälfte, wurden Nutzer von solchen Social-Media-Apps verhaftet. In Thailand etwa wurde ein Facebook-Nutzer wegen Majestätsbeleidigung festgenommen. In Saudiarabien wurden User wegen der «Verbreitung von Atheismus» in Haft gesetzt.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.11.2016, 20:05 Uhr

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