Nachsitzen für den Pri(m)us

Toyota hat vor 20 Jahren mit dem Hybridauto Prius den Weg für alternative Antriebe geebnet. Höchste Zeit für ein neues Modell.

Der neue Prius kann einiges mehr, aber Fahrspass geht dann doch anders. Foto: PD

Der neue Prius kann einiges mehr, aber Fahrspass geht dann doch anders. Foto: PD

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Erinnern Sie sich? Bevor Elon Musk im Sommer 2012 mit den ersten Exemplaren des Tesla Model S lautlos auf die Strassen rollte, war der Toyota Prius ein Statussymbol. Vor allem in den USA, vor allem in Hollywood: Dort verkauften Filmstars wie Leonardo DiCap­rio ihre grossen SUV, Luxuslimousinen und Sportwagen oder parkten sie zumindest gut versteckt in der Garage. Die grosse Bühne, die Auffahrt vor dem Haus, überliessen die Stars während Jahren einem veritablen Saubermann, dessen Charakter so gar nicht der Filmmetropole entspricht: innere Werte statt Schönheit, Understatement statt Bling-Bling. Oder eben – Toyota Prius.

Doch der optische Biedermann war nicht nur ein «grünes» Statement, sondern Vorreiter und Wegbereiter. Denn ohne den Prius hätte es der Hybridantrieb weder bei Toyota noch bei sonst einem Hersteller so weit gebracht. Doch obwohl die Japaner knapp 20 Jahre nach der vor allem von europäischen Herstellern belächelten Prius-Premiere heute fast drei Dutzend Teilzeitstromer im Angebot haben und weltweit auf fast zehn Millionen Hybridverkäufe kommen, sind sie zuletzt unter Druck geraten.

Gute Argumente

Weil Toyota weiterhin auf Masse und Bekanntes setzt und die Konkurrenz dies- und jenseits des Atlantiks mit Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos eher auf Klasse, steht die Nummer 2 der Welt unter Zugzwang. Denn gegen den Fahrspass eines Golf GTE (Plug-in-Hybrid mit 204 PS Systemleistung), die elektrische Reichweite des Opel Ampera-E (520 Kilometer laut NEFZ) oder den optischen Funfaktor des C-HR aus dem eigenen Hause verblassten langsam, aber sicher auch die Qualitäten des laut Toyota «besten Hybrids der Welt».

Kein Wunder also, dass in der Schweiz in den ersten drei Monaten nur noch 138 Prius verkauft worden sind, während der futuristisch designte C-HR über 600-mal ausgeliefert wurde. Doch dieses Resultat könnte sich bald wieder verändern, denn seit ein paar Wochen rollt zum Preis von mindestens 46 900 Franken die zweite Generation des Prius Plug-in-Hybrid auch bei uns auf die Strasse. Und das mit guten Argumenten: Mit dem von Toyota berechneten Benzinverbrauch von 1 Liter und mit 7,2 kWh Stromverbrauch pro 100 Kilometer sowie einem CO2 von nur noch 22 Gramm pro Kilometer erzielt der Plug-in zumindest auf dem Papier Bestwerte in Sachen Effizienz.

Streckenweise wie im Tesla

Dafür sorgt in erster Linie die neue 8,8 Kilowattstunden (kWh) fassende Lithium-Ionen-Batterie, deren Kapazität gegenüber dem Vorgängermodell – einem Nickel-Metall-Hybrid-Block mit 1,31 kWh – immens erhöht wurde. So soll die Batterie im besten Fall 50 Kilometer rein elektrisch ermöglichen und laut Toyota in rund zwei Stunden per Wallbox wieder aufgeladen sein. Rein elektrisch, rein theoretisch: Bei den Probefahrten im Alltagsmodus – also ohne zusätzliche Sparübungen meinerseits – erwiesen sich die Vorgaben wie auch bei der Konkurrenz als Theorie.

Der Durchschnittsverbrauch pendelte sich bei den rund 220 zurückgelegten Kilometern rund um Barcelona zwischen 3,9 und 4,7 Liter auf 100 Kilometer ein. Das ist zwar nicht viel, aber in Anbetracht der Systemleistung von 122 PS und des technischen Aufwands auch nicht besonders wenig. Zumal auch die neuste Variante des Prius kein Fahrspassgarant ist. Weil man jetzt an der Ampel einen Kick-down-Spurt hinlegen kann, ohne dass sich der Benziner meldet, fährt sich der Plug-in im neu programmierten Elektromodus zwar um Welten besser als der Vorgänger.

DiCaprio und Co. haben den Prius eingetauscht

Aber Fahrspass geht anders. Doch weil man nun auch auf der Landstrasse oder der Autobahn mit maximal 135 km/h nur mit der Kraft der Magnetspulen fahren kann, kommt man sich zumindest für ein paar Kilometer vor wie in einem Tesla.

Womit wir zurück bei den Hollywood­stars wie DiCaprio, Ben Affleck oder ­Cameron Diaz wären – denn die haben ihren Prius mittlerweile gegen einen prestigeträchtigeren Tesla getauscht. Dabei sind auch beim neuen Prius Plug-in-Ansätze zu finden, die ihn wieder cool machen: zum Beispiel das Solardach, das Elektrizität erzeugt, die in eine separate Solarbatterie gespeist wird. So kann die elektrische Reichweite des Autos pro Tag maximal um 5 Kilometer erhöht werden. Tönt nicht nach viel, aber je nach Einsatzgebiet – zum Beispiel unter der Sonne Kaliforniens – ergibt dies eine jährliche Fahrleistung von etwa 1000 Kilometern ohne jegliche CO2-Emissionen.

Fazit: Ob das neue Design mit den auffälligen LED-Lichtern und der Delle in Scheibe und Spoiler am Heck schön ist, bleibt Geschmackssache. Sicher ist: Besser liess sich ein Prius noch nie ­fahren.

Dieter Liechti fuhr den neuen Prius Plug-in-Hybrid im Februar 2017 auf Einladung von Toyota Schweiz in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2017, 22:08 Uhr

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Toyota Prius Plug-in-Hybrid

Spritsparmodell (für die Steckdose)

Modell Schräghecklimousine mit 5 Türen.
Masse Länge 4645 mm, Breite 1760 mm, Höhe 1470 mm, Radstand 2700 mm.
Kofferraum 360 bis 1204 Liter.
Motoren Benziner 122 PS (90 kW), Elektromotor 92 PS (68 kW), Systemleistung 122 PS (90 kW).
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 11,1 Sekunden.
Höchstgeschwindigkeit 162 km/h.
Verbrauch 1,0 Liter und 7,2 kWh auf 100 Kilometer (Benzinäquivalent 1,8 Liter auf 100 Kilometer).
CO2 -Ausstoss 22 Gramm pro Kilometer.
Markteinführung lieferbar.
Preis ab 46 900 Franken.
Infos www.toyota.ch


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