Der Letzte wird der Erste sein

Zum 100. Geburtstag verordnet sich Mitsubishi eine neue Europa-Strategie. Der neue Eclipse Cross ist das erste Modell einer ganzen Palette neuer Crossover des japanischen Autobauers.

Sein Design soll für künftige Modelle stilbildend sein: Der Eclipse Cross von Mitsubishi. Foto: PD

Sein Design soll für künftige Modelle stilbildend sein: Der Eclipse Cross von Mitsubishi. Foto: PD

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Sie können auf dem Monitor herumfingern und schmierige Abdrücke hinterlassen. Sie können mit ihm reden oder ihm zuwinken. Mit einem Dreh-Drücksteller sich durch die Menüs klicken oder auch mit einer Art Joystick per Cursor kommandieren. Mitsubishi fügt jetzt den unzähligen Methoden der Bedienung eines Infotainmentsystems im Eclipse Cross eine weitere hinzu: eine Art Touchpad, wie man es längst von Laptops kennt. Kaum zu glauben, dass nicht vorher schon jemand darauf gekommen ist.

Das wirklich Überraschende an dem neuen Modell ist aber – seine Existenz. Der erste Mitsubishi und damit Japans erstes in Grossserie produzierte Auto rollte vor exakt 100 Jahren auf die Strasse. Noch eine Art «Interpretation» des Fiat Typ 3, doch die neue Marke lernte schnell, lancierte 1931 schon einen Dieselmotor mit Direkteinspritzung, und für Daniel Georges Nacass, den obersten Kommunikator der Marke in Europa, gilt das Modell PX33 von 1934 als allererstes SUV. Mit Colt, Galant, Sapporo oder der Allrad-Sportlimousine Lancer Evo wurde Mitsubishi auch in Europa erfolgreich. Doch in den letzten Jahren schien die Marke Europa beinahe abgeschrieben zu haben: der Colt eingestellt; das Mittelklasse-Modell Lancer rollte längst schon technisch hinterher und tritt in diesem Jahr ebenfalls ab. Allein mit dem SUV Outlander machte Mitsubishi noch von sich reden – dank dessen konzeptionell in der Autowelt singulären Plug-in-Hybridantriebs.

Kein eingebautes Navi mehr

Doch längst können Autohersteller profitabel agieren, ohne die europäischen Märkte prioritär zu behandeln. In Ost- und Südostasien ist Mitsubishi eine Macht dank günstiger Kleinwagen und solider Pick-ups. Die Absatzrückgänge nach dem wirtschaftlichen Abstieg der einst sogenannten Tigerstaaten Südostasiens hat das Unternehmen ebenso überstanden wie Liebesheirat und Rosenkrieg mit dem Daimler-Konzern oder die Finanzkrise ab 2008. Und so sind nun auch die finanziellen Mittel parat, um sich zum 100. Geburtstag wieder stärker in Europa zu engagieren.

Drei neue SUVs – und eben keine neuen Limousinen oder Kombis – sind für die kommenden Jahre geplant, und den Anfang macht nun der Eclipse Cross. Weil Distinktion im Boom-Segment der kompakten Crossover nottut: ein SUV-Coupé mit so flach auslaufendem Dach, dass man um die Kopffreiheit im Fond fürchtet. Völlig grundlos; in der zweiten Reihe sitzt man ebenso kommod wie auf den vorderen Sitzen. Auch ein paar Details wie die um die Schweller umgreifenden Türen für saubere Hosenbeine im Winter, der pfiffig geführte mittlere Gurt auf der Rückbank oder eben das Touchpad machen einen Unterschied; ebenso wie die Tatsache, dass kein eingebautes Navi mehr angeboten werden soll. Stattdessen werden die Navi-Apps auf dem gekoppelten Smartphone des Eclipse-Eigners genutzt. Was Kosten spart und der Kartenaktualität dient. Andererseits aber wohl nicht von jedem Kunden goutiert werden wird.

Besonders stolz ist der Projektleiter Hiroshi Yamauchi allerdings auf das ­Design, das für künftige Modelle stil­bildend werden soll. Angesichts der Front ein Schritt in die richtige Richtung. Aber musste die Querstrebe in der Heckscheibe, die beim Blick in den Innenspiegel im Weg steht, unbedingt sein? «Sie bringt mehr Volumen für den Kofferraum, weil sie die Heckklappe ­auswölbt», sagt Yamauchi. Zwischen 341 und 448 Liter fasst er nun mit aufgestellten Rücklehnen; je nachdem, wo man die um üppige 20 Zentimeter verschiebbare Rückbank positioniert.

Das maximale Ladevolumen muss ­Yamauchi aber noch schuldig bleiben. Bis zur Produktionsfreigabe des Eclipse Cross sind es noch ein paar Wochen, Marktstart wird gar erst im Dezember sein, und deshalb fehlen noch einige Daten. Auch zum Antrieb: Definitiv ist ein komplett neu entwickelter 1,5-Liter-Turbobenziner mit 163 PS, wahlweise mit Front- oder Allradantrieb und in letzterem Fall mit einem stufenlosen CVT-Getriebe ausgerüstet. Ob ihrer Fahrcharakteristik – hohe Motordrehzahl, aber Beschleunigung mit Verzögerung – sind sie in Europa nicht so beliebt wie in Japan. Aber dieses Exemplar überzeugt mit vergleichsweise direkter Kraftübertragung und sieben simulierten Schaltstufen. Je nach Version liegt der Werksverbrauch bei 6,6 bis 7,0 Liter pro 100 Kilometer.

«Letzter echter Mitsubishi»

Noch in der Pipeline steckt dagegen eine Weiterentwicklung des schon im Outlander angebotenen 2,2-Liter-Turbodiesels. Leistungs- und Verbrauchswerte stehen noch nicht fest; allein ein neues Acht­stufen-Automatikgetriebe kann Yamauchi bestätigen. Speziell für den europäischen Markt; Dieselmotoren sind in Asien und den USA schliesslich derzeit unverkäuflich.

Nicht einmal der Skandal des letzten Jahres um manipulierte Verbrauchsangaben auf dem japanischen Heimmarkt liess Mitsubishi wanken. Wohl aber in neue Hände gelangen: Seit Ende 2016 ist Mitsubishi Teil der Allianz von Renault und Nissan und dürfte in den kommenden Jahren von deren Plattform- und Komponentenpool profitieren. Damit könnte das neue Modell zum «letzten echten Mitsubishi» werden, wie Nacass sagt. Umgekehrt werden die neuen Partner sich wohl Mitsubishis Plug-in-Hybridtechnik einmal genauer anschauen. Und vielleicht ja auch das Touchpad.

* Andreas Faust fuhr den neuen ­Mitsubishi Eclipse Cross auf Einladung von Mitsubishi Schweiz in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.07.2017, 15:55 Uhr

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