Edel im Gelände

Zum 25. Geburtstag des Grand Cherokee trimmt Jeep sein Flaggschiff-SUV in Details neu. Die vierte Generation wird noch geländetauglicher – und hochwertiger.

Immer der Nase nach: Jeeps Grösster taugt auch abseits des Asphalts. Foto: PD

Immer der Nase nach: Jeeps Grösster taugt auch abseits des Asphalts. Foto: PD

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Mit diesem Wagen würde man sich ohne Bedenken ins Gelände trauen: Der Jeep Grand Cherokee hat einen kräftigen 5,2-Liter-V8-Motor unter der Haube, ­verfügt über Allradantrieb und eine ­Differenzialsperre und kostet mit Jahrgang 1997 aus der ersten Modellgeneration auf der Online-Occasionsplattform nur 2000 Franken. Und das mit über 150'000 Kilometern auf dem Zähler. Bei diesem Preis würde jeder Ausflug ins noch so grobe Gelände Spass machen. Denn bei dem Betrag zuckt niemand mit der Wimper, wenn ein Karosserieteil mal gegen ein Geländehindernis schrammt oder ein Felsen am Bodenblech kratzt. Das Flaggschiff von Jeep bewegt jeden klaglos über Stock und Stein. Dafür sind die 4x4-Fahrzeuge der Amerikaner seit 1946 und dem ersten Willys Wagon schliesslich bekannt.

25 Jahre Grand Cherokee

Nur: Wir fahren heute nicht mit der virtuell verfügbaren Gebrauchtwagenversion, sondern mit dem fabrikneuen Grand Cherokee der vierten Generation, welche 2017 übrigens ihren 25. Geburtstag feiert. Und die hat es scheinbar darauf angelegt, sich zum Jubiläum besonders herauszuputzen. Den Eindruck vermittelt jedenfalls Andrea Ceccarelli, Jeep-Marketingleiter Europa, während er vor unserer Abfahrt die Vorzüge der drei überarbeiteten Modellvarianten erläutert: «Ob als Trailhawk-, Summit- oder SRT-Version, der neue Grand Cherokee hat mehr zu bieten als je zuvor, von der elektronischen Berganfahrhilfe und der Bergabfahrkontrolle über Extras wie verbreiterte Offroad-Kotflügel und verstärkten Unterbodenschutz beim Trailhawk.» Vom exklusiven Leder im Cockpit, dem 825 Watt starken Soundsystem im Ausstattungslevel Summit – der Gipfel, sozusagen – bis hin zum elektronisch und bedarfsgesteuerten Allradantrieb Quadra-Trac und den 20-Zoll-Aluminiumfelgen beim SRT – die neuste Generation des Grand Cherokee lasse keine Wünsche offen.

Das 2,4-Tonnen-Gefährt bietet Jeep zu Preisen zwischen mindestens 54 400 und maximal 103 150 Franken an – noch ohne funktionale Optionen und edle Extraausstattungen. Das schiesst uns durch den Kopf, als wir uns daranmachen, auf dem mehrere Kilometer langen Offroad-parcours des Fiat-Chrysler-Konzerns in der italienischen Po-Ebene die neue Trailhawk-Version Probe zu fahren. Als gehe man im Smoking mit den Kindern «sändele». SUV sind begehrt. Logisch, dass auch Jeep die Gunst der Stunde nutzen will und für die Überarbeitung seines Flaggschiffs entsprechende Preise aufruft. Nur stellt sich wie übrigens bei allen SUV der gehobenen Preisklasse die Frage: Wagt sich damit tatsächlich irgendjemand ins Gelände? Wir würden uns keine Sorgen machen, sässen wir jetzt am Steuer der 2000-Franken-Occasion. Doch wir thronen im Cockpit des mindestens 67'500 Franken kostenden Grand Cherokee Trailhawk, der jetzt seine Geländetauglichkeit unter Beweis stellen soll. Ganz ehrlich: Wäre es der eigene Wagen, wir würden beim Anblick der bevorstehenden Hindernisse gleich wieder umkehren.

Doch der Grand Cherokee scheint den bevorstehenden Aufgaben im Gelände, trotz seines edlen Äusseren, stoisch entgegenzutreten. Den Slalom über eine Piste mit fussballgrossen ­Steinen schluckt seine Luftfederung jedenfalls klaglos. Auch den knietiefen Wassergraben durchpflügt er dank erhöhten Lufteinlässen und dem permanenten Allradantrieb mit Zentraldifferenzial, ohne ins Stottern oder Stocken zu geraten.

Klettern, kriechen, kratzen

Die über zehn Meter hohen Kletter- und Downhill-Pistenabschnitte meistert er mit seiner Berganfahr- und Bergabfahrhilfe und einer per Lenkradwippe einfachst zu bedienenden automatischen Temporegelung.

Selbst die Fahrt entlang steilster Böschungswinkel bringt ihn dank Fünfstufen-Traktionskontrolle nicht ins Wanken. Als er beim Erklettern der dicht hintereinander aufgereihten «Panzersperren»-Betonwürfel zeigt, dass auch der noch so luxuriös ausgestattete Jeep trotz maximaler Verwindung der Achsen selbst auf nur zwei Rädern am Boden vorwärtskommt, sind wir von seiner Geländetauglichkeit überzeugt – na gut, es geht tatsächlich, wenn man will. Auch wenn das eine oder andere Kratzgeräusch am verstärkten Unterboden uns wieder schmerzlich in Erinnerung ruft, mit welchem Kapital auf Rädern wir hier unterwegs sind.

Auf der abschliessenden Überlandfahrt zeigt sich der Grand Cherokee dann nochmals von seiner kultivierten Seite. Der Puls sinkt, aber es ist fraglich, ob das auch in einem angeschrammten 2000-Franken-Gebrauchtwagen der Fall wäre. Touchscreen-Display, Surround-sound aus 10 Boxen und Infotainment-system für die Fondpassagiere: Zum 25. Geburtstag lässt es das Jeep-Flaggschiff an nichts fehlen. Was man damit anstellt, bleibt einem glücklicherweise selbst überlassen.

Thomas Borowski fuhr den neuen Grand Cherokee am 19. Dezember auf Einladung von Fiat Schweiz in Italien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.01.2017, 16:20 Uhr

Jeep Grand Cherokee

Masse: Länge 4828 mm, Breite 1943 mm, Höhe 1802 mm, Radstand 2915 mm

Kofferraum: 782 bis 1554 Liter

Motoren: zwei Diesel mit 190 oder 250 PS (140/184 kW) und drei Benziner mit 286 bis 468 PS (210–344 kW)

Fahrleistung: 0 bis 100 km/h in 5,0 bis 10,2 Sekunden, Höchstgeschwindigkeiten von 190 bis 257 km/h

Verbrauch: 7,0 bis 13,5 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangaben)

CO2-Ausstoss: 184 bis 315 Gramm pro Kilometer

Preise: ab 54'400 Franken

Markteinführung: ab sofort

Infos: www.jeep.ch

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