SUV and the City

Die New York Auto Show in Manhattan feiert zwischen Boulevard und Buckelpiste. Für «gewöhnliche» Autos bleibt wenig Platz.

Wirkt eindrücklich, ist dabei aber doch klein und fein: Der XT4 von Cadillac. Foto: Mark Lennihan (Keystone)

Wirkt eindrücklich, ist dabei aber doch klein und fein: Der XT4 von Cadillac. Foto: Mark Lennihan (Keystone)

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Die Fans der Charaktere Carrie Brad­shaw, Samantha Jones, Charlotte York und Miranda Hobbes mögen sich noch immer nach der TV-Erfolgsserie «Sex and the City» sehnen. Doch wer in diesen Tagen ins Jacob-Javitts-Center zur New York Auto Show kommt, für den lautet das Motto «SUV and the City». Denn mehr als auf jeder anderen Messe in den vergangenen Monaten dreht sich am Hudson River alles um Gelände­wagen und Crossover.

Dabei spannt sich der Bogen vom kleinen, aber feinen Cadillac XT4 und dem aufgefrischten Hyundai Tucson bis hin zum feudalen Lincoln Aviator, der das Zeug zum Konkurrenten von Mercedes GLS und von Range Rover hat. Ausserdem neu auf der Buckelpiste sind die nächste Ausgabe des Subaru Forester und der Jaguar F-Pace, der bei der Special Vehicle Operations zum SVR mit 550 PS starkem V8 wird und dann auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 280 Kilometern pro Stunde kommt.

Ganz ­andere Werte verkörpert da die endlich etwas charakterstärkere Neuauflage des bürgerlichen Toyota RAV4, der mit mehr Ecken und Kanten ab Anfang 2019 in die Schweiz kommen wird. «Das neue Design des RAV4 drückt die Robustheit und die Qualität aus, die dem weltweit meistverkauften SUV zusteht», heisst es bei den Japanern. Und dieses Selbstverständnis wurde nicht auf dem Pult eines PR-Strategen formuliert, sondern fundiert auf der Tatsache, dass ­Toyota mit dem RAV4 den Trend zu den Kompakt-SUV 1994 lanciert hat. Jahrzehnte vor der Konkurrenz.

RAV4: Grösserer Innenraum

So löst sich die fünfte Generation des RAV4 äusserlich vom rundlichen Stil der aktuellen Ausgabe und tritt wieder kantiger und mit deutlich mehr Charakter auf. Zwar ändern sich die Abmessungen kaum – mit seinen rund 4,6 Metern zählt der RAV4 weiterhin zu den eher grösseren Vertretern seiner Klasse –, doch dank mehr Radstand, kürzeren Überhängen und einem kleinen Plus an Breite ist der Innenraum grosszügiger bemessen, ebenso der Kofferraum.

Unter dem Blech kommt die neue Toyota-Plattform zum Einsatz, auf der auch der aktuelle Prius und der kommende Auris basieren – also verspricht der zukünftige RAV4 eine verbesserte Fahrdynamik, ohne beim Wettrüsten der Konkurrenz mitzumachen. Zu der neuen Plattform gehören neue Antriebe, darunter ein neu entwickeltes Hybridsystem mit einem 2,5-Liter-Benziner. Dazu kommt ein konventioneller Benziner mit 2,0 Litern Hubraum, den es als Handschalter oder mit Automatik­getriebe geben wird. Beide Varianten sollen mit Allradtechnik zu haben sein. Ein Diesel ist nicht im Programm.

Volkswagen gibt Gas

Und die Europäer? Die zeigen sich 14 Tage nach dem Ende des Genfer Auto-Salons eher verhalten. Nur Volkswagen gibt richtig Gas und präsentiert mit dem Cross Sport und dem Tanoak gleich zwei neue Varianten ihres amerikanischen Erfolgsmodells Atlas. Der eine ist ein schnittiger Fünfsitzer mit ­etwas schrägerem Heck; der andere der erste Pick-up, der es mit seinen gut 5,40 Metern und seinem 3,6 Liter grossen V6-Motor vielleicht tatsächlich auf den US-Markt schaffen könnte. Dumm nur, dass bislang lediglich der Cross Sport das «Okay» aus Wolfsburg bekommen hat und dass es für beide Autos aus dem US-Werk in Chattanooga wohl keinen Weg über den Atlantik gibt.

Wenn es kein Utility-Vehicle sein soll, dann darf es in New York gern zumindest ein bisschen sportlicher sein. Zum Beispiel mit einem Cadillac CT6-V mit bis zu 550 PS, dem Update für die bestenfalls 510 PS starken AMG-Version der Mercedes C-Klasse, dem Porsche 911 GT3 RS mit Weissach-Paket oder dem Audi RS5, der in Manhattan seinen Einstand als Sportback gibt. Da die SUV, dort die Sportmodelle – für gewöhnliche Autos bleibt dazwischen nicht viel Platz auf der New York Auto Show. Trotzdem sind ein paar für den US-Markt hochkarätige Neuheiten wie der Nissan Altima oder der Toyota Corolla darunter.

Der Attraktivste

Anders als bei den anderen Messen dies- und jenseits des Atlantiks steht die Autobranche in New York mit beiden Beinen fest im Hier und Heute. Studien sucht man deshalb vergebens; der elektrische Gran Turismo Essentia des vornehmen Hyundai-Ablegers Genesis als leidenschaftliche Antwort auf Tesla ist – von den VW-Entwürfen abgesehen – eine Ausnahme.

Und auch Trends wie das autonome Fahren werden in Manhattan kaum thematisiert. Nur Jaguar interessiert sich für den Autopiloten und zeigt den elektrischen Crossover i-Pace, der mit dem Google-Ableger Waymo aufgebaut wurde. Das erste von bis zu 20'000 Autos bis zum Jahr 2022 dürfte auch den eingangs genannten Charakteren Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda gefallen. Denn während der Autopilot für sie das Steuer führt, können die Ladys in einem der attraktivsten SUV dieser Saison weiterhin vom Sex in der City träumen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.04.2018, 21:13 Uhr

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