Bestseller unter Strom

Mit E-Power läuft der Nissan Note länger als der Leaf und verkauft sich in Japan besser als der Toyota Prius. Ob die Technik nach Europa kommt, ist noch offen.

Der Nissan Note E-Power fährt rein elektrisch, der Benziner an Bord treibt nur einen Generator an. Foto: Nissan

Der Nissan Note E-Power fährt rein elektrisch, der Benziner an Bord treibt nur einen Generator an. Foto: Nissan

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Er läuft und läuft und läuft – nachdem sich der Leaf tapfer als erfolgreichstes Elektroauto der Welt etabliert hat, sah es lange Zeit so aus, als würde Nissan ­(anders als die Konkurrenz) den Zwischenschritt mit dem Hybridantrieb überspringen. Doch weil auch das meistverkaufte Elektroauto der Welt den Flottenverbrauch nicht schnell genug drückt und der Diesel als sparsame Alternative zunehmend in Misskredit geraten ist, schwenken die Japaner um und lassen sich doch auf den Tandemantrieb ein.

Allerdings gehen sie auch dabei ihren eigenen Weg. Denn wo Branchenprimus Toyota beim Prius und all die Europäer auf einen parallelen Hybriden setzen, hat Nissan unter dem Namen E-Power einen seriellen Hybriden entwickelt, wie es ihn zuletzt bei der ersten Generation des Opel Ampera gegeben hat: Statt ­Verbrenner und Stromer wie etwa beim Prius zusammenzuspannen, ist hier die einzige Verbindung ein Stromkabel und ein Lithium-Ionen-Akku – denn mit ­E-Power fährt man rein elektrisch, den Benziner treibt nur ein Generator an.

2,7 Liter Normverbrauch

Das erste Auto mit dieser Technik ist die japanische Variante des Micro-Vans Note, der mit seiner E-Power perfekt in den Verkehr in Tokio oder Yokohama passt. In Fahrt bringt ihn die 109 PS starke E-Maschine aus dem ersten Leaf, mit dem man in der zähen Dauer-Rushhour locker und lässig mitschwimmt. Bei niedrigem Tempo und voller Batterie herrscht dabei die gleiche Ruhe wie im Leaf. Erst wenn der Pufferblock unter der ersten Sitzreihe leer ist oder man in einem der drei Fahrprogramme mehr Leistung abruft, meldet sich mit dem typischen Knattern der Dreizylinder ein 1,2-Liter mit 79 PS zu Wort und betreibt das eingebaute Notstromaggregat. Weil der Benziner mit konstanten Drehzahlniveaus besonders effizient läuft und der im Vergleich zu anderen Hybriden relativ starke E-Motor viel Energie rekuperiert, sinkt der Norm­verbrauch auf 2,7 Liter. Das ist in dieser Klasse mit einem reinen Verbrenner (noch) nicht zu schaffen, erst recht nicht, wenn man sich wie Nissan mittelfristig vom Diesel lossagen will.

Zwar geniesst man im Note E-Power nur ganz selten die Stille der Stromer, und natürlich säuseln aus dem Auspuff auch weiterhin Abgase. Doch selbst gegenüber dem erfolgreichen Leaf hat der Note ein paar handfeste Vorteile: Die Reichweite liegt bei 1300 statt 378 Kilometern, und statt stundenlang an der Ladesäule zu parkieren, rollt man zwischendurch mal für ein paar Minuten an einer Zapfsäule vorbei. Und wo der Leaf in Japan bei umgerechnet 27'700 Franken startet, gibt es den Note E-Power ab 16'000 Franken aufwärts. Damit ist er in ­Japan gerade mal 3500 Franken teurer als das konventionelle Modell.

Kleine Freuden im Stau

Aber der Note überzeugt in Tokio nicht nur mit seinem Antrieb, sondern mehr als in Zürich oder Bern geniesst man in den engen, schmalen Häuserschluchten der japanischen Hauptstadt den winzigen Wendekreis des 4,1 Meter langen Wagens. Im Dauerstau freut man sich am Fernsehempfang auf dem Bildschirm der Online-Navigation, dessen Bilder auch weiterlaufen, wenn man fährt. Und irgendwie ist es typisch japanisch, dass man beim Rückspiegel mit einem Knopfdruck auf eine Kamera ­umschalten kann und damit eine noch bessere Übersicht geniesst.

Die Schattenseiten des Nissan Note, die ihn in Europa zu einem Nischen­modell machen, bekommt man in Japan dagegen kaum mit. So etwas wie Fahrspass kennen die Japaner ohnehin nicht. Und in einem Land, in dem man selbst auf der Autobahn nicht schneller als Tempo 100 fahren darf, interessiert sich auch keiner für die bescheidene Höchstgeschwindigkeit.

Höchstgeschwindigkeit interessiert nicht in einem Land, auf dessen Autobahnen nur Tempo 100 erlaubt ist.

Weil der Note in der Schweiz im Schatten der erfolgreichen SUV-Modelle von Nissan steht – in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres wurden hierzulande gerade mal vier Note zugelassen, aber 655 Qashqai –, überlegt man sich in der Europazentrale sehr gut, ob und in welchen Modellen man die ­E-Power-Technologie einführen wird.

Das interessiert die Japaner wenig, denn der «Leaf light» wird in Japan ­bereits verkauft und zaubert den Managern dort ein breites Grinsen ins Gesicht: Denn zum ersten Mal ist es Nissan damit gelungen, den ewigen Bestseller Toyota Prius von der Spitze der Zulassungstabelle zu verdrängen und sich selbst die Nummer 1 zu sichern.

Und ein bisschen Schwung täte den Japanern gut: Denn nach vier Monaten hat Nissan in der Schweiz nur 1861 Fahrzeuge verkauft – das sind 29 Prozent weniger als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Damit sank der kumulierte Marktanteil per Ende April von 2,7 auf 1,9 Prozent. Da könnte ein zusätzlicher Stromstoss Wunder wirken.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.05.2018, 17:33 Uhr

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