Eine Etappe auf dem Weg zum Volksstromer

Mit dem kompakten Neuling SUV T-Roc überbrückt VW geschickt die Phase bis zum Start ins Elektrozeitalter.

Frisch und frech: Der T-Roc ist kürzer, aber auch höher als der aktuelle Golf, das macht ihn optisch zum trendigen SUV. Fotos: VW

Frisch und frech: Der T-Roc ist kürzer, aber auch höher als der aktuelle Golf, das macht ihn optisch zum trendigen SUV. Fotos: VW

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Klar, den Golf VIII wird es (noch) geben. Er ist auf 2019 angesagt. Ebenso klar ist heute schon: Es wird der letzte Golf sein. Der Nachfolger des legendären VW Käfer, des Ur-Volkswagens schlechthin, wird nach fast einem halben Jahrhundert Regentschaft in seinem Reich, der Golf-Klasse, dem elektronischen Zeitgeist Tribut zollen und abdanken müssen.

«Generation E» in der Pipeline

Konzernchef Matthias Müller hat dies vor einem Jahr am Salon d’Automobile in Paris deutlich gemacht, als er als Konsequenz auf den Abgasskandal ankündigte: «Wir erschaffen Volkswagen neu.» Mehr noch: Der frühere Porsche-Manager und gewiefte Nachfolger des entmachteten Martin Winterkorn liess mit der Konzeptstudie I.D. auch gleich den «Golf der Generation E» auffahren. Und damit «Das Auto» (früherer Slogan von VW), das künftig ebenso massentauglich sein soll, wie es einst der Käfer war und wie es der Golf trotz stetig sinkenden ­Absatzzahlen noch immer ist.

Doch bis dieser Volksstromer kommt, ist in eben diesem Segment Handlungs­bedarf angesagt. Und was hat den Wolfsburgern dort bislang gefehlt? Richtig: ein kompakter SUV oder Crossover. Nirgendwo anders lassen sich derzeit höhere Verkaufszahlen generieren, selbst Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann rechnet neuerdings vor, dass sich das jährliche Volumen in diesem Trendsegment von heute über sechs Millionen in den nächsten zehn Jahren annähernd verdoppeln wird. Eine interessante Aussage angesichts der Tatsache, dass VW mit einem kompakten SUV unterhalb des Touareg (seit 2002) und des Tiguan (seit 2007) so lange zugewartet hat. Jetzt dafür aber umso mehr bietet.

Ab 24'900 Franken im Angebot

Denn zumindest optisch rockt der T-Roc den Golf komplett. Da kommt auf gleicher Basis ein Auto daher, das so frisch und frech wirkt, wie man es sich von VW nicht mehr gewohnt war. Die veränderten Proportionen – der T-Roc ist kürzer als der Golf VII, aber einiges höher – machen ihn auf Anhieb zum trendigen SUV. Oder Crossover, was man bei VW lieber hört. Denn auch wenn die beiden Topmotorisierungen serienmässig mit Allradantrieb ausgeliefert werden (190-PS-Benziner ab 38'350 Franken), zielt der ­T-Roc auf ein junges, urbanes Publikum mit wenig rustikalem Anspruch ab. Zudem: Mit Vorderradantrieb gibt es ihn wesentlich günstiger – ab 24'900 Franken mit dem 1,0-Liter-TSI-Motor (115 PS).

Von vorn besticht der T-Roc mit seiner bulligen Front und tief gesetztem Tagfahrlicht, von hinten mit seinem knackigen Heck. Und im Rundumvergleich beispielsweise mit dem Q2 lässt der SUV-Golf sogar den Premium-Audi fast schon altbacken aussehen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Wolfsburger erstmals und im wörtlichsten Sinn Farbe bekennen: Der T-Roc lässt sich aus zehn Karosseriefarben, drei Kontrastfarben beim Dach und einem halben Dutzend Color-Kombinationen im Innenraum so individualisieren, dass selbst Konkurrenten, die diesem Trend schon länger frönen, nicht mehr ganz mithalten können.

Ausgewogen vernünftig

Und so erfrischend, wie er ausschaut, fährt der T-Roc sich auch. Die Motorenpalette, die zum Marktstart im Dezember drei Benziner und einen Diesel umfasst, beginnt bei 115 PS und reicht vorerst bis 190 PS. Mittels Fahrprofilregelung lässt sich der Charakter des T-Roc ganz einfach auf sportlich trimmen. Und wenn man mit dem Topbenziner mit Allrad­antrieb und serienmässigem Doppelkupplungsgetriebe in 7,2 Sekunden auf 100 beschleunigt (die Spitze beträgt gemäss Werk 216 km/h), dann fühlt man sich fast ein bisschen wie in einem Golf GTI. Dabei kommt dem schnittigen SUV natürlich auch sein kurzer Radstand ­zugute.

Aber der T-Roc wäre kein «richtiger» Golf, wenn er nicht auch ausgewogen vernünftig wäre. Man sitzt vorn auch in erhöhter Position prima und hinten noch immer gut, auch wenn es da etwas enger wird.

Fehlendes Head-up-Display

Der Kofferraum fasst solide 445 Liter, maximal sind es 1290 Liter. Sehr schade ist allerdings, dass sich die Rückbank nur im klassischen Verhältnis 40:60 umlegen lässt und dass trotz allem Hightech wie dem digitalen Cockpit ein Head-up-Display fehlt. Und das hätte doch bestens in diesen Trend-Golf gepasst.

Peter Hegetschweiler fuhr den T-Roc auf Einladung des Schweizer Importeurs Amag in Portugal. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.11.2017, 17:31 Uhr

VW T-Roc

SUV im Golf-Format

Model: Kompakt-SUV.
Masse: Länge 4234 mm, Breite 1819 mm,Höhe 1572 mm, Radstand 2590 mm.
Kofferraum: 445 bis 1290 Liter.
Motoren: Zum Marktstart drei Benziner mit 115, 150 und 190 PS sowie ein Diesel mit 150 PS.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 7,2 bis 10,1 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 187 bis 216 km/h.
Verbrauch: 5,1 bis 6,8 Liter auf 100 Kilometer.
CO2-Ausstoss: 116 bis 155 Gramm pro Kilometer.
Preis: ab 24'900 Franken.
Markteinführung: Dezember.

Infos: www.vw.ch

Das Cockpit liefert Informationen übersichtlich und klar.

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