Kleiner Möchtegern

Suzuki bezeichnet den neuen Ignis als Micro-SUV und Alleskönner. In der Fahrpraxis besteht er – mit wenigen Abstrichen.

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Mit ihren rund vier Millionen Einwohnern, gefühlt doppelt so vielen Autos und mit einer kaum existierenden Verkehrsordnung ist die Agglomeration von Rom für jeden auswärtigen Automobilisten ein Albtraum. Wenn man dann noch erst wenige Minuten in einem Auto wie dem Suzuki Ignis sitzt und versucht, das fabrikneue Fahrzeug möglichst schadlos durch das Blechgewühl zu dirigieren, ist man auch als erfahrener Journalist froh darüber, dass heutzutage selbst ein Kleinwagen wie dieser nur 3,7 Meter kurze Micro-SUV mit praktischen Eigenschaften ausgestattet ist.

Allen voran die erhöhte Sitzposition im trotzdem nur knapp 1,60 Meter hohen Ignis. Sie gibt einem die willkommene Übersicht über das Geschehen vor einem, denn was man bei Fahrten in Italien längst weiss: Am Steuer zählt nur, was im Verkehr vor einem geschieht. Für die Geschehnisse hinterm eigenen Wagen ist man glücklicherweise nicht verantwortlich. Dem ungeschriebenen Gesetz vertrauen ist gut. Noch besser ist es aber, wenn man auf elektronische Helfer wie das Auffahrwarnsystem oder auf den Spurhalteassistenten des kleinen Japaners zählen kann. Letzterer rettet uns nämlich bei einem abrupten Ausweichmanöver und Beinahe-Spurwechsel mit vibrierendem Lenkrad und Blinksignal im Cockpit davor, den von hinten anbrausenden Enzo Ferrari auf der Nebenspur zu rammen. Auch wenn das Micro-SUV mit seinen sechs Airbags und den im Vergleich zum Vorgängermodell verbesserten Karosserieeigenschaften dem Crash sicher tapfer standgehalten hätte, schade wärs um das Ignis-Blech trotzdem gewesen.

Straff gefederter Vierplätzer

Schade deshalb, weil es Tetsuya Ozasa als Direktor des europäischen Suzuki- Designcenters bei Turin verstanden hat, dem Ignis ein prägnantes und gefälliges Äusseres zu verpassen. Er nennt sein neustes Werk «Simple Iconic – Simple Standard» und lehnt es dabei in verschiedenen Designdetails an Ikonen der Marke Suzuki und deren Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Robustheit an. Der kleine Ignis tritt also in grosse Fussstapfen. Mit breiten Radläufen, kantigen Linien sowie einer auf 180 Millimeter angehobenen Bodenfreiheit kommt er den Ansprüchen – trotz seiner kompakten Masse – mindestens optisch nach. Im mit sauber verarbeiteten Hartplastik ausgestatteten Wageninnern finden vier Erwachsene bequem Platz. Und wer auf der berühmten Römer Einkaufsmeile Via del Corso in den Shoppingrausch verfällt, kann dank der um rund 16 Zentimeter verschiebbaren Rücksitzbank und den umlegbaren Rückenlehnen auf ein für diese Fahrzeugklasse beachtliches Gepäckraumvolumen von bis zu 514 Litern zählen.

Dagegen würden wir Ignis-Passagieren mit empfindlichem Rücken keine Garantie abgeben, dass sie dem Micro-SUV nach einer Tagesfahrt über italienische Landstrassen unversehrt entsteigen. Die neue Radaufhängung ist sehr straff abgestimmt, und zusammen mit dem kurzen Radstand und kleinen Rädern leitet sie die – rund um Rom sehr zahlreichen – Schlaglöcher ziemlich grob an alle Passagiere weiter. Durchgeschüttelt wird man im Ignis auch im Gelände, aber dort gewollt. Denn dank demoptional erhältlichen Allradantrieb (2000 Franken Aufpreis) kann man sich durchaus auch auf unbefestigtes Terrain wagen. Das Allradsystem mit Visco-Kupplung schaltet automatisch von Vorder- auf Allradantrieb um, sollten die Vorderräder nicht mehr greifen. Zusätzlich bietet das System eine Berganfahrhilfe, einen Bergabfahrassistenten sowie die Funktion Grip Control, die das Anfahren auf Schnee erleichtern soll.

Wendig und sparsam

Winterlichen Strassenverhältnissen begegnen wir in der hügeligen Landschaft ausserhalb von Rom glücklicherweise nicht. Und weil hier auch der Verkehr endlich etwas ruhiger fliesst, bleibt entspannt Zeit, sich den anderen Ignis-Eigenschaften zuzuwenden. Der 1,2-Liter- Benziner hat mit seinen 90 PS bereits während der ganzen Fahrt unaufgeregt gearbeitet und uns tadellos vorangebracht. Die Schaltarbeit am manuellen Fünfganggetriebe macht mit kurzen und präzisen Schaltwegen Laune, und wer fleissig schaltet, bleibt beim Verbrauch in den angegebenen Normwerten von unter 5 Litern. Ein direktes Gefühl zur Strasse vermittelt die Lenkung, und trotz erhöhter Bauweise wankt der Ignis selbst in scharfen Kurven kaum. Froh nehmen wir auch den kleinen Wendekreis von 9,4 Metern und die gute Übersichtlichkeit zur Kenntnis. Weil das einfach zu bedienende Navigationssystem im optionalen 7-Zoll-Touchdisplay seine Ansagen zeitlich gar knapp verlauten lässt, kommen wir immer wieder auf die willkommene Wendigkeit des Micro- SUV zurück.

So bringen wir den Ignis, wider unseren schlimmsten Befürchtungen bezüglich des Römer Verkehrsinfernos, unversehrt ans Ziel und können am Ende des Tages bestätigen: Es kommt nicht immer auf die Grösse an, auch ein kleiner Möchtegern-SUV wie der Suzuki Ignis hat seine Qualitäten.

Thomas Borowski fuhr den neuen Ignis am 1. Dezember auf Einladung von Suzuki Schweiz in Italien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.12.2016, 12:09 Uhr

Suzuki Ignis

Der Micro-SUV

Kategorie 5-türiger Micro-SUV
Masse Länge 3700 mm, Breite 1690 mm, Höhe 1595 mm, Radstand 2435 mm
Kofferraum 260 bis 514 Liter
Motoren 1,2-Liter-Benziner mit 90 PS (66 kW)
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 12,2 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Verbrauch 4,6 Liter auf 100 Kilometer
CO2-Ausstoss 104 Gramm/Kilometer
Preis ab 14'990 Franken
Markteinführung sofort
Infos: www.suzukiautomobile.ch

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