Jaguar reitet auf der SUV-Welle

Mit dem F-Pace hat die britische Nobelmarke einen der formschönsten Offroader etabliert. Der praktische kleine Bruder E-Pace soll nun der Konkurrenz in der Kompaktklasse einheizen.

Beim E-Pace setzt Jaguar auf verführerische Formen: Gegenüber dem F-Pace wurden die Linien straffer und sportlicher gezogen. Foto: David Shepherd

Beim E-Pace setzt Jaguar auf verführerische Formen: Gegenüber dem F-Pace wurden die Linien straffer und sportlicher gezogen. Foto: David Shepherd

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der F-Pace ist noch keine zwei Jahre alt und schon längst das meistverkaufte Jaguar-Modell. Auch in der Schweiz. Von Januar bis Ende Oktober wurden bei uns 640 Exemplare des sportlichen SUV zugelassen. Zum Vergleich: Die restlichen Baureihen (F-Type, XE, XF und XJ) stehen mit insgesamt 467 Verkäufen in den Büchern. Kein Wunder also, dass die Briten auf den Geschmack gekommen sind und ab Anfang 2018 mit einem kleinen Bruder im ganz grossen Stil auf der SUV-Welle reiten wollen. Auf den F-Pace folgt deshalb zu Preisen ab 39'500 Franken der E-Pace (Basisversion ohne Allradantrieb), der Konkurrenten wie Audi Q3, BMW X, Mercedes-Benz GLA oder dem neuen Volvo XC40 das Leben schwermachen soll.

Dabei setzen die Briten vor allem auf die verführerischen Formen aus der Feder von Designdirektor Ian Callum, der die Linien des F-Pace bei der Schrumpfkur noch straffer und sportlicher gezogen und noch etwas weiter in Richtung F- Type getrimmt hat. Die Front wirkt aggressiver, das Dach ist flacher, die Flanken sind stärker konturiert, und das Heck ist der Hingucker schlechthin. So lässt der E-Pace die Konkurrenz fast schon langweilig aussehen. «Die Proportionen, der Auftritt und die Linien visualisieren das Fahrspasspotenzial», erklärt Callum. «Aber heutige Kompaktwagen müssen auch intelligente Antworten und Lösungen auf allerlei Alltagsprobleme geben. Deshalb überrascht der E-Pace auch mit innerer Grösse.»

Sparteufel wütete im Cockpit

Darum will der E-Pace auch ein praktisches Auto sein. Für sein knappes Format von 4,4 Meter Länge bietet er nicht nur einen mit 557 bis 1237 Litern überraschend grossen Kofferraum, sondern bei 2,68 Meter Radstand kann man selbst im Fond noch ganz ordentlich sitzen. Und wenn man erst einmal unter der tief heruntergezogenen Dachlinie durch die schmale Tür getaucht ist, geht sogar die Kopffreiheit in Ordnung.

Dazu gibt es eine Ausstattung, die der jungen Zielgruppe des Nachwuchs-Jaguars Rechnung trägt. Nicht umsonst hat der Wagen einen WLAN-Hotspot für bis zu acht Endgeräte, einen grossen Touchscreen mit eigenem App-Store, ein Head-up-Display und in den teureren Varianten auch digitale Instrumente. Von Selbstverständlichkeiten wie der automatischen Abstandsregelung und der Kameraüberwachung ganz zu schweigen. Schade nur, dass man dem E-Pace im Cockpit anmerkt, dass die Kostenrechner unter Druck gestanden sind. Denn während Landrover mit dem Rangerover Velar gerade neue Standards in Sachen Infotainment gesetzt hat, fährt der E-Pace in dieser Disziplin hinterher.

Die Sitzposition machts aus

Eigentlich kein Wunder. Denn so frisch der E-Pace auftritt und so neu er für die Marke ist, ist er streng genommen kein wirklich neues Auto. Denn im Grunde legt Jaguar damit nur den Evoque auf, der bei Rangerover so langsam in die Jahre gekommen ist. Doch haben die Briten dem Jaguar trotzdem einen ganz eigenen, sehr viel sportlicheren Charakter gegeben.

Das liegt weniger an den Motoren, die allesamt vier Zylinder und zwei Liter Hubraum haben. Selbst wenn die drei Diesel von 150 über 180 bis 240 PS reichen und es bei den Benzinern sogar nur 250 oder 300 PS gibt. Und es liegt auch nicht so sehr an den Fahrleis- tungen, obwohl ein Sprintwert von 6,4 Sekunden und ein Spitzentempo von 243 km/h für das Topmodell ja nicht so schlecht sind.

Was den E-Pace zum sportlichen Schrittmacher unter den kleinen SUV macht, ist vor allem die Sitzposition. Denn wie ein Ball im ledernen Handschuh eines Baseballspielers in den stark konturierten Sitzen gefangen und vom weit herum gezogenen Cockpit umrahmt, fühlt man sich der Strasse und dem Auto im E-Pace viel näher als im Evoque und der Konkurrenz aus Deutschland – und hat entsprechend mehr Spass bei der Sache. Zwar ist weder das Fahrwerk sonderlich sportlich abgestimmt noch ist die Lenkung übermässig scharf und spitz. Und trotzdem tollt und tobt man mit dem flotten Kätzchen über die Landstrasse, als habe man vom Quell der ewigen Jugend getrunken. Und als kleinster und handlichster Jaguar der Neuzeit fühlt sich mit dem E-Pace auch der Stadtverkehr frei und unbeschwert an.

Hoffnungsträger für 2018

Zwar haben die Briten den E-Pace bei der Entwicklung immer wieder als verspieltes Katzenjunges («curb») betrachtet und sich und ihre Arbeit deshalb nicht ganz so ernst genommen. Nicht umsonst trollen sich deshalb zwei Kätzchen im Rahmen der Frontscheibe, und nicht ohne Grund haben die Etiketten an den Sitzen Tupfen wie das Fell eines Jaguars. Doch darf man sich von dieser Leichtigkeit nicht täuschen lassen: Ohne jeden Zweifel wird der E-Pace schon bald der meistverkaufte Jaguar sein, und die Konkurrenz könnte es künftig deutlich schwerer haben. Und das kommt Jaguar auch in der Schweiz entgegen. Denn nachdem die Marke mit viel Schwung ins neue Jahr gestartet ist, liegt man seit Juli im Vergleich zum Vorjahr im Minus. PerEnde Oktober sogar um 18 Prozent. Das sollte sich 2018 ändern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.11.2017, 17:18 Uhr

Artikel zum Thema

Kleiner Motor, ganz gross

Ende November feiert die dritte Generation des Mercedes-Benz CLS Weltpremiere in Los Angeles. Highlight ist der neue 48-Volt-Benzinmotor, der beim Sparen hilft und für den letzten Kick sorgt. Mehr...

Mission Impossible – erfüllt

Dass BMW den faszinierenden Plug-in-Hybrid-Sportwagen i8 ausgerechnet in der Film- und Glitzermetropole Los Angeles präsentiert, ist nicht Zufall. Sondern Kalkül. Mehr...

Ein Königreich für 571 Pferde

Rolls-Royce präsentiert die achte Generation seines Flaggschiffs Phantom. Der technische Fortschritt ist bescheiden, doch die Karosse bleibt ein Synonym für königliches Fahrgefühl. Mehr...

Praktiker mit inneren Werten

Modell: Kompakt-SUV mit Front- oder Allradantrieb.

Masse: Länge 4395 mm, Breite 1984 mm. Höhe: 1649 mm, Radstand 2680 mm.

Kofferraum: 557 bis 1237 Liter.

Motor: Vierzylinder-Turbobenziner mit 2-Liter-Hubraum und 300 PS (221 kW).

Verbrauch: 8,0 Liter Werksangabe.

CO2-Ausstoss: 181 Gramm/Kilometer.

Markteinführung: Anfang 2018, bestellbar ab sofort.

Preis: ab 59'200 Franken (Modell S), 70 300 Franken (R-Dynamic HSE). Basismodell D150 FWD Manual ab 39 500 Franken.

Infos: www.jaguar.ch


Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Heisser Ritt: Im spanischen San Bartolomé reiten Pferdebesitzer ihre Tiere durch loderndes Feuer. Diese 500 Jahre alte Tradition soll die Pferde reinigen und im neuen Jahr beschützen. (18. Januar 2018)
(Bild: Juan Medina) Mehr...