Das Leben rovern

Der Range Rover Velar ist ein kongeniales Vehikel für Menschen, die drei Leben leben. Ein elegantes, ein sportliches und ein unwegsames.

Durchtrainierter Alleskönner. Range Rover Velar: Zeigt, was er hat und kann, was er tut.

Durchtrainierter Alleskönner. Range Rover Velar: Zeigt, was er hat und kann, was er tut.

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Gut 150 Automodelle sind dieses Jahr neu auf die Strasse gekommen. Es ist einiges an Unspektakulärem, ein paar kleine grosse Würfe, eine Handvoll ausserordentliche Modelle und mindestens ein grossartiges: der Velar aus der Manufaktur Jaguar Land Rover. Er ist so neu, dass man mehr von ihm liest, als dass man ihn sieht. Und wenn sich das umgekehrt hat, dürften jedes Jahr, so schätzen Brancheninsider, 52'000 Velare auf die Strassen dieser Welt geschickt werden. Aber in der kaum gestarteten Geschichte dieses Fahrzeuges, ist jetzt schon so viel Speed, dass das Auto einen Start-Ziel-Sieg einfahren könnte.

Zwei Worte fallen regelmässig, wenn vom Velar geschrieben wird: «Lückenfüller» und «vegan». Lückenfüller, weil der Velar die Lücke zwischen den Range Rovern Evoque und dem Sport schliessen soll. Vegan, weil er auch ohne Ledersitze zu haben ist, mit einem Bezug aus Wolle und Polyester, der lederähnlich daher kommt und auf jene Kuhhäute passt, die sich besser oder auf der Überholspur fühlen, wenn sie auf nicht auf Windsor-Leder sitzen.

Natürlich ist er das auch, ein Lückenfüller und vegan. Aber das Wort, das ihn am Besten umschreibt, ist: Gesamtkunstwerk. Gute Kunst ist teuer. Den Velar gibt es ab 63'500 Franken, sozusagen als Basisvariante. Die High-End-stufe sowohl beim Diesel als auch beim Benziner, die «First Edition», beschleunigt bis zu 118'100 Franken. Die Powerrange liegt zwischen 180 und 380 PS, die Beschleunigung von 0 auf 100 liegt im High-End-Bereich bei 5.7, bei der Basis bei 8.9 Sekunden. Die diversen Aggregate kommen auf zwischen 209 und 251 Kilometer pro Stunde.

Nonchalanter Gentleman

Aber viel mehr als Zahlen ist der Velar ein Gefühl, und zwar jenes, etwas unter dem Hintern zu haben, das Sinn macht, und die Sinne anspricht, das sportlich ist und souverän, das im Schönen zuhause ist und im Schlamm ebenfalls. Vom Typus her ist er ein Gentleman, der alle Fährnisse mit Nonchalance meistert. Ein kleiner James Bond des Alltages, ausstaffiert mit dem Neuesten aus dem Tüftellabor von Q.

Das Infotainment-System ist trotz seiner Komplexität nie eine Reise in die Sackgassen der Ratlosigkeit. Der Velar kommuniziert, gibt auf Wunsch Befindlichkeitsmeldungen seines Innenlebens auf einen Touchscreen, er bremst für einen, parkt für einen und schaut für einen. Ist so ziemlich alles aktiviert an Hilfen und Subsystemen, erweckt er gelegentlich den Eindruck einer Helikopter-Mutter, vor allem, wenn das Head-up-Display aktiviert ist und einem zusätzlich zeigt, was man anderswo auch schon sehen kann.

Der Velar ist ein kongeniales Vehikel für Menschen, die drei Leben leben. Ein elegantes, ein sportliches und ein unwegsames, wenn man so will. Diese Dreifaltigkeit entspricht den Fähigkeiten und dem Look des Velar. Der Look setzt sich zusammen aus Sportwagen, SUV und dem klassischen Range-Rover-Outfit. Er kommt so durchtrainiert daher wie ein Sportler vor einem Wettkampf.

Es mag Leute geben, die sagen, er sei nichts eindeutig, aber der Velar ist eindeutig der mobile Ausdruck des Zeitgenössischen und wie eine Metapher auf die angebrochene Epoche der multiplen Existenzen. Es ist noch nicht lange her, da kamen Autos auf den Markt, die alles sein wollten, aber dann nichts richtig konnten und ein Versprechen blieben. Der Velar hält, was er verspricht, auch, weil er nie die Bodenhaftung verliert, egal ob auf den Strassen dieser Welt, den Wegen, des Wegsamen oder des Unwegsamen. Eine Bezeichnung, die seiner Vielfältigkeit entsprechen würde, wäre «Lange Rover», weil er die Vorzüge vom Land und vom Range Rover in sich vereint und trotzdem das Potenzial einer eigenen Persönlichkeit nicht überfahren wird.

Gerry McGovern, der Chef-Designer von Land Rover, sagt: «Wer das Auto sieht, muss es sofort wollen.» Das kriegt es hin, das Auto. Es ist ziemlich perfekt dafür, dass es alles kann, und es fährt sich mit Souplesse, und es ist ein wunderbarer mobiler Topos. Es sei denn, man sitzt im Fond, also auf dem Rücksitzt; die Beinfreiheit. Man wünschte sich zehn Zentimeter mehr. Die typische Land-Rover-Krankheit ist das. Immer gibt es einen Laderaum, in dem eine Schafsherde Platz hat, und einen Fond, in dem Menschen über 1.80 Meter nach spätestens 20 Minuten daran erinnert werden, wo die Kniescheibe sitzt.

Roadmovie

Ich fuhr den Velar D300 First Edition 48 Stunden lang. Im Flachland, im Gebirge, auf Asphalt und auf Schotter. Vom Samstagnachmittag bis Montagnachmittag. Von Emil Frey in Münchenstein, wo mir Thomas Fitterer das Auto übergab mit dem Satz: «Herr Bahnerth, vergessen Sie jetzt mal Ihren Land Rover Discovery 3. Das hier ist eine ganz andere Geschichte», über Basel, dann den Jura runter ins Seeland am Sonntag und wieder zurück. Immer zügig, immer ohne Hast, stets im geistigen Picture des Roadmovies.

Am Montag sollte ich wieder am Pult sitzen und Worte steuern, aber ich stahl mir diesen Tag und fuhr auf den Passwang, um dieses Gefühl noch einmal zu haben. Jenes der sportlichen Leichtigkeit vielleicht, der Möglichkeit des Spielens, des Spasses auf vier Rädern, der Unantastbarkeit auch.

Zu spüren, wie er beim Kickdown beschleunigt und die 300 PS im Sportmodus in Fahrt bringt und das Achtgang-Getriebe zum Klingen bringt. Wie er die Kurve hält und nicht bockt, wenn man am Scheitelpunkt noch ein wenig mehr verlangt. Sich zu amüsieren auch, was der Wagen so alles von sich aus tut. Es gibt da den Notfall-Bremsassistenten mit Fussgängererkennung, einen Abstandsregelautomat, Spurverlasserwarner, dann gibt es den Keyless entry, Fenster mit Einklemmschutz und ein Soundsystem, das einem auf Wunsch das Hirn wegballert. Und man sieht durch das Heckfenster.

Bei Luxusautos ist es wie bei Luxushotels; es sind die Kleinigkeiten, die den grossen Unterschied machen. Und sind die Kleinigkeiten dann so, dass sie etwas Grosses veredeln, bekommt man eine unbezahlbare Emotion als Gegenwert dessen, was man bezahlt hat. Jedenfalls ging es mir so. Das Fahren dieses Wagens war gelegentlich eine sinnliche Angelegenheit, war der Aufenthalt in einem Kokon, in dem man in einer besseren Welt die wirkliche darum herum durchfuhr.

Velar ist ein spanischer Ausdruck, heisst so viel wie verschleiern. Es ist eine Reminiszenz an jene Tage im Jahre 1969, als es den ersten Range Rover als Prototypen und vor allem als Geheimnis gab, das verschleiert werden musste. Als es entschleiert wurde, stand da der erste Range Rover, der Classic. Es war die Geburtsstunde des SUV. Ich nenne das das «Velar-Paradox». Weil dieses Auto nie verschleiert, sondern die Sicht freigibt, und wenn man hinter dem Steuer sitzt, die eine oder andere eigene Sichtweise eine ganz andere wird. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.09.2017, 15:57 Uhr

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