Luxus für die Seele

Der neue Audi A7 Sportback überzeugt nicht nur mit seiner sanften Formensprache, den Fahrleistungen und dem digitalen Cockpit, sondern auch mit seiner Wohlfühlatmosphäre.

Wölbungen wie  Wellen und Linien wie eine Strömung: Das Design des A7 Sportback scheint vom Wasser inspiriert. Foto: PD

Wölbungen wie Wellen und Linien wie eine Strömung: Das Design des A7 Sportback scheint vom Wasser inspiriert. Foto: PD

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Ach, diese fliessenden Formen. Wölbungen wie sanfte Wellen. Und Linien, die den Blick wie eine Strömung vom tief platzierten Single-Frame-Grill hin zum jachtartig eingezogenen Heck leiten. Mehr noch als bei der ersten Generation des Audi A7 Sportback wurde die in Stahl-Alu-Mischbauweise gefertigte Karosserie der zweiten anscheinend von Wasser geformt. Wasser? Ja, irgendwie erinnert die neue Designsprache an Wasser. Wohl, weil sich am Ort der Presseveranstaltung derzeit alles um die Sehnsucht danach dreht – und manch anderes darin untergeht. Etwa Audis Führungsanspruch in Sachen Licht­design. Schön, dass die optionalen, auf Wunsch mit Lasertechnik arbeitenden LED-Scheinwerfer je zwölf separate Leuchtsegmente aufweisen, die Heckleuchten über ein Lichtband verbunden sind und es beim Aufschliessen des Fahrzeugs eine Begrüssungsanimation gibt. Doch in der gleissenden Sonne Südafrikas während einer Jahrhundertdürre fällt es irgendwie leichter, sich am Wasserähnlichen zu erfreuen denn an einer Lichtshow.

Nein, die Ingolstädter können nichts dafür, dass Kapstadt ausgerechnet dann, wenn sie dort die Neuauflage ihres bislang über 200'000-mal verkauften viertürigen Coupés präsentieren, in einer Wasserkrise steckt. Schuld ist das Wetterphänomen El Niño. Der Verdacht, der Klimawandel habe dazu beigetragen, lässt sich allerdings nicht zerstreuen – geschweige denn abwaschen, wo eine Dusche doch nicht mehr als wenige Sekunden dauern darf! Und so sind es plötzlich nicht so sehr die 340 Benziner-PS und 286 Diesel-Pferde der zunächst verfüg­baren, selbstverständlich Quattro-angetriebenen V6-Versionen, die das Interesse wecken. Nicht die Fahrwerksoptionen mit wahlweise schlichter Stahlfederung, zusätzlicher elektronischer Dämpferregelung, sportlichem Set-up oder Luftfederung samt Niveauregelung. Und nicht die Allradlenkung, bei der die Hinterläufe zur Optimierung der Agilität und der Stabilität je nach Geschwindigkeit gegen- oder mitlenken.

Vielmehr interessiert das Mildhybridsystem, mit dem Audi die gesamte Baureihe einschliesslich der kommenden 4-Zylinder- und Sportversionen elektri­fiziert. Bestehend aus einem 48-Volt-Hauptbordnetz, Riemen-Startergenerator und Lithium-Ionen-Akkus, ermöglicht es eine Rekuperations-(Energierückgewinnungs-)Leistung von bis zu 12 kW, lässt den Wagen in weiten ­Geschwindigkeitsbereichen antriebslos segeln und erlaubt den Start-Stopp-­Betrieb schon beim Unterschreiten von 22 km/h. Mag sein, dass die eingesparten 0,7 Liter auf 100 Kilometer ein Tropfen auf den heissen Stein sind. Doch wenn es etwas gibt, das sich bei einer 30-Sekunden-Dusche lernen lässt, dann dies: ­Jeder Tropfen zählt!

Unangestrengt flüssige Fahrt

Entsprechend gering ist die Motivation zu überprüfen, ob der 3.0 TFSI den spritintensiven 0-auf-100-Sprint tatsächlich in 5,3 Sekunden schafft, oder dem 3.0 TDI die maximalen 620 Nm Drehmoment abzufordern. Umso eindrücklicher kann die ab 85'550 Franken erhältliche Sportlimousine dafür ihre Gelassenheit unter Beweis stellen. Zeigen, dass sie – gerade als kultivierter Benziner mit souveränem Doppelkupplungsgetriebe, gerade mit der optionalen Luftfederung – vollkommen sanft dahin­gleiten kann. Anders als in vielen Luxusgefährten fühlt man sich während der unangestrengt flüssigen Fahrt nicht etwa von der Welt entrückt, die sich hier trotz Dürre in legendärer Schönheit ­präsentiert. Die rückmeldungsfreudige Progressivlenkung, das ausgewogene Fahrwerk und die mitlenkenden Hinterräder lassen einen eher einen Teil dieser Welt sein.

Dezente Sportlichkeit

Doch das Beste ist von aussen nicht ersichtlich. Es befindet sich innen, in der grosszügigen, wenngleich in der zweiten Sitzreihe nach wie vor begrenzte Kopffreiheit bietenden Fahrgastzelle. Na schön, das Wichtigste aus der Optionenliste fehlt. Denn vor lauter Leder, Alcantara, offenporigen Hölzern, Digitalcockpit, Head-up-Display, sage und schreibe 39 Assistenzsystemen, Connectivity-Features wie den neuen Car-to-X-Diensten, über die sich die Audis untereinander warnen, falls hinter einer Kurve unerwartet Platzregen auftritt, sowie dem neuen vom Flaggschiff A8 übernommenen Bediensystem mit dem zwei über­einanderliegende haptische Feedbacks bietenden Touchscreen hat Audi vergessen, die Testwagen mit einer Beduftungsanlage auszurüsten. Und das, wenn man schon nicht richtig duschen kann?

Doch was den A7 Sportback wirklich auszeichnet ist die Wohlfühlatmo­sphäre. Der schlichte, saubere Luxus, in dem man badet, ohne sich dekadent vorzukommen. Die dezente Sportlichkeit, die weder übermütig noch aggressiv stimmt. Und vor allem der Hightech, der es in diesem durch und durch digitalisierten Fahrzeug schafft zu dominieren, ohne aufdringlich zu sein oder wie befürchtet zu bevormunden. Was bleibt, ist das Gefühl, dass die Zukunft vielleicht doch nicht so schlecht ist. Oder sagen wir mit einem Auge aus dem Fenster schielend und mal wieder an Wasser denkend: die Hoffnung.

Nina Vetterli fuhr den neuen Audi A7 Sportback auf Einladung der Amag AG. in Südafrika.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2018, 17:36 Uhr

Audi A7 Sportback

Sänfte mit Charakter

Modell: 4-türiges Coupé mit 4 bis 5 Plätzen.

Masse: Länge 4969 mm, Breite 1908 mm, Höhe 1422 mm, Radstand 2926 mm.

Kofferraum: 535–1390 l.

Motor: 3,0-Liter-V6-Benziner mit 340 PS (250 kW); 3,0-Liter-V6-Diesel mit 286 PS (210 kW).

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 5,3–5,7 sec. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.

Verbrauch: TFSI 6,8–7,2 l/100 km, TDI 5,5–5,8 l/100 km (offizielle Werksangabe).

CO2-Ausstoss: 142–163 g pro km.

Markteinführung: Ab März 2018.

Preis: 55 TFSI S tronic ab 87 550 Fr. 50 TDI tiptronic ab 85 550 Fr.

Infos: www.audi.ch


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