David Guetta auf vier Rädern

Das Timing für den Launch passt bestens: Fast zeitgleich mit den Openings der grossen Danceclubs auf Ibiza bringt Seat den gleichnamigen Neuling an den Start.

Segway-Fahrer übertrifft er an Eleganz: Der neue Seat Ibiza mit preisgekröntem Design. Foto: Seat

Segway-Fahrer übertrifft er an Eleganz: Der neue Seat Ibiza mit preisgekröntem Design. Foto: Seat

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Am Donnerstag war es so weit: Das ­legendäre (und mittlerweile verkaufte) Pacha auf der Baleareninsel Ibiza startete mit seiner erfolgreichsten Partyreihe «F*** Me I’m Famous» mit Superstar-DJ David Guetta in die Sommer­saison. Richtig, Guetta ist jener Mann, der mit seinen Sets bei der Eröffnungs- und Schlussfeier der Fussball-EM im vergangenen Sommer für mehr Gelächter als Begeisterung gesorgt hat. Ist ihm ganz bestimmt egal, denn der Franzose wird auch diesen Sommer allein mit ­seinem Namen alle Hallen und Clubs ­füllen. Ohnehin hat David Guetta selten einen Hehl daraus gemacht, dass sein Name primär für Kommerz steht. Also kommerziellen Erfolg. (Brotlose) Kunst überlässt er anderen.

Das passt auch zum neuen Seat Ibiza, der in seiner fünften Generation so richtig durchstarten und der – sich bereits im Hoch befindenden – Marke weiter Auftrieb geben soll. In der Schweiz sind die Spanier hervorragend unterwegs: Plus 42 Prozent nach vier Monaten und ein Platz in den Top Ten – das hat es für Seat bisher noch nicht gegeben. Doch damit will sich die trendige VW-Tochter noch nicht zufriedengeben: Obwohl der Neuling erst in diesen Tagen auf die Strasse rollt, sollen im laufenden Jahr rund 1250 Ibiza an Herrn und Frau Schweizer ausgeliefert werden. Gemeinsam mit dem neuen Leon, dem so erfolgreich gestarteten Kompakt-SUV Ateca und dem neuen Ibiza will man nicht nur den Vorsprung gegenüber Marken wie Peugeot und Toyota halten, sondern auch Marken wie Ford oder Renault das Fürchten lehren.

Schöner Schein genügt nicht

Mit dem neusten Ibiza haben die Spanier für einmal von Anfang an alle Vorteile auf ihrer Seite: Während Seat früher seine Palette auf Basis von bestehenden VW-Modellen in erster Linie mit ein bisschen mehr «Auto emoción» ausstatten durfte, stehen sie nun technisch in der Poleposition – denn der Ibiza ist das erste Fahrzeug, das auf der neusten Architektur aus Wolfsburg (MQB A0) aufbaut. Noch bevor VW mit dem Polo und Audi mit dem A1 die Palette erweitert haben, bedienten sich die Spanier im vollen Techniklager in Wolfsburg und schneiderten der flexiblen und leichten Plattform wie gewohnt ein sportliches und trendiges Outfit.

Natürlich setzen die Spanier beim Design auf Emotionen, Spannung und Charakter. Doch das tun, oder versuchen, andere Marken auch. Aber irgendwie hat es die Designabteilung in Martorell geschafft, den neuen Ibiza zum Blickfang zu machen, ohne der Effekthascherei anderer Hersteller zu verfallen. Das ­Design ist stimmig, alles ist im Fluss, als ob der 4,06 Meter lange Neuling in einem der vielen Yoga- und Wellness­retreats im Norden der Partyinsel entworfen worden wäre. Kein Wunder also, ist der Ibiza mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet worden.

Schöner Schein genügt nicht

Doch weil die Spanier aus leidiger Erfahrung wissen, dass ein schöner Schein für den anhaltenden Erfolg nicht genügt, ist der Ibiza nicht nur ein trendiger Verführer, sondern auch ein solides und seriöses Alltagsauto. Das Auto wurde knapp neun Zentimeter breiter gemacht, und der Radstand um beinahe zehn Zentimeter gestreckt, sodass man auf langen Strecken spürbar souveräner und entspannter fährt, innen auf allen Sitzen mehr Platz hat und der Kofferraum um stolze 20 Prozent auf 355 Liter gewachsen ist.

So blickt man im unaufgeregten Cockpit auf einen 8-Zoll-Touchscreen und nutzt Assistenzsysteme wie die Umfelderkennung oder den Tempomat mit Abstandsregelung. Aus der Front funkeln gleissend helle LED-Scheinwerfer, nach hinten schaut eine gestochen scharfe Rückfahrkamera. Und weil sich Seat längst der Connectivity verschrieben hat, gibt es mit Mirror-Link, Android Auto und Apple Carplay nicht nur drei Smartphone-Plattformen, sondern auch eine kabellose Ladeschale und einen GMS-Verstärker, damit man während der Fahrt nicht durchs Netz fällt.

Apropos Fahrt: Für Vortrieb sorgen Motoren, die man alle schon kennt. Los geht es mit Dreizylinder-Benzinern, die aus ihrem 1-Liter-Hubraum 75, 95 oder 115 PS schöpfen. Seat-Importeur Amag rechnet damit, dass fast 50 Prozent das 115-PS-Aggregat (ab 19'650 Franken) wählen werden. Das reicht für den Alltag, aber noch nicht für richtig viel «Auto emoción». Die wird gegen Ende Jahr mit dem 1,5-Liter-Turbo mit 150 PS nachgeliefert. Dieses Aggregat hat bei den Probefahrten um Barcelona besonders überzeugt und beim Fahrspass Erinnerungen an den frühen Golf GTI aufkommen lassen.

Spass ohne Aufregung

Allen Unkenrufen zum Trotz sind später auch noch zwei Diesel geplant: Doch die beiden 1,6-Liter-Triebwerke mit 95 oder 110 PS werden von der Amag nur in homöopathischen Dosen importiert – der Anteil Selbstzünder dürfte nur gerade bei rund 4 Prozent liegen. Und weil es mit der Elektrifizierung noch ein bisschen dauert, will die Zentrale verstärkt auf Erdgas setzen und macht den Ibiza auch da zum Vorreiter: So wird er als erster Kleinwagen ab Werk mit einem CNG-System angeboten, das den Drei­zylinder-Benziner auf 90 PS bringt.

Fazit: Stimmt, der neue Seat Ibiza ist der beste Ibiza aller Zeiten – zumindest bis heute. Er gefällt, ohne anzuecken; er macht Spass, ohne aufzuregen. Ein bisschen wie David Guetta. Oder wie sagte der Schweizer Bond-Bösewicht («Quantum of Solace») und Seat-Ambassador Anatole Taubman bei der Präsentation des neuen Ibiza im Frühling in Genf: «Kleine Autos wie der Ibiza sind sexy. Zwar nicht immer auf der Leinwand, aber ganz sicher auf den Strassen in ­Zürich.» Wo er recht hat, hat er recht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.06.2017, 18:44 Uhr

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