Cadillac startet SUV-Aufholjagdmit dem XT4

Mit dem kompakten Premium-SUV will die GM-Tochter endlich im Boomsegment reüssieren. Dafür sprechen das gute Platzangebot und das zurückhaltende Design.

Von aussen wirkt der XT4 kleiner als die grossen Modelle der deutschen Konkurrenz, bietet aber innen deutlich mehr Platz. Fotos: PD

Von aussen wirkt der XT4 kleiner als die grossen Modelle der deutschen Konkurrenz, bietet aber innen deutlich mehr Platz. Fotos: PD

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Niemand baut so viele unterschiedliche SUV wie die Amerikaner, und General Motors (GM) hat mit seinen vielen Marken dabei wahrscheinlich die Nase vorn. Doch ausgerechnet Cadillac haben sie in der GM-Zentrale in Detroit offenbar vergessen. Aber das soll sich jetzt ändern. Die amerikanische Antwort auf Mercedes startet jetzt nämlich spät, aber doch noch gewaltig ihre eigene SUV-Offensive und setzt die grössten Hoffnungen dabei in das bislang kleinste Modell. Denn als Erstes bringen die Amerikaner den XT4 im Boomsegment der kompakten Premium-SUV in Stellung. Daheim und in China, wo Cadillac mittlerweile die meisten Autos verkauft, beginnt die Aufholjagd schon in diesen Tagen. In Europa, wo der XT4 die Marke endlich sichtbar machen soll, lässt die Markteinführung aber noch bis nächstes Jahr auf sich warten.

Auf den ersten Blick hat der XT4 dabei ganz gute Chancen. Denn mit 4,6 Meter Länge setzen sich die Amerikaner genau in die Lücke zwischen Mercedes GLA und GLC, Audi Q3 und Q5 oder BMW X1 und X3, sind von aussen etwas kleiner als die grossen Deutschen, bieten innen aber deutlich mehr Platz als die kleinen Modelle der Konkurrenz. Es gibt deshalb kaum einen SUV in diesem Segment, der in der zweiten Reihe mehr Beinfreiheit bietet. Und wo die anderen im Ringen um eine schlanke Silhouette im Fond oft nur noch verglaste Schiessscharten bieten, geniessen Hinterbänkler im XT4 eine ordentliche Aussicht.

Bedienwüste im Cockpit

Auch das Design passt: Es ist nicht mehr ganz so protzig und provozierend wie beim XXL-Modell Escalade, hebt sich aber mit markanten LED-Leuchten vorn und hinten, einem stolzen Gesicht und einer schnittigen Flanke erfreulich vom einerlei aus Europa ab – das ist der Vorteil, wenn man nur kleine Stückzahlen verkauft.

Beim näheren Hinsehen kühlt die Begeisterung allerdings merklich ab – vor allem beim Fahrer. Denn er blickt in ein Cockpit, das bereits heute von gestern ist und bis zur Markteinführung in Europa gar vollends veraltet sein wird. Denn die analogen Instrumente wirken wie aus der Zeit gefallen, der Touchscreen für Navi & Co. ist kaum grösser als bei einem Smartphone, und während die anderen Marken gerade die von BMW iDrive inspirierten Dreh-Drücksteller wieder ausmustern, führt Cadillac jetzt stolz noch so eine Bedienwüste ein. Dabei hätte der XT4 sonst alles, was es zum Achtungserfolg brauchte: Es gibt die meisten wichtigen Assistenten, in der Scheibe flimmert ein Head-up-Display, die Sitze sind klimatisiert, und für jeden Handgriff von den Sesseln bis zur Heckklappe sind Servomotoren vorhanden.

Potenzial zum Bestseller

Wie ernst es Cadillac mit dem neuen Format ist, zeigt der Blick unter die Motorhaube. Denn dort, wo es sonst meistens acht oder wenigstens sechs Zylinder gab, verliert sich nun ein Vierzylinder von gerade mal zwei Liter Hubraum, der obendrein auch noch mit Zylinderabschaltung ausgerüstet ist. Das soll bis zu 15 Prozent Sprit sparen und den Verbrauch unter acht Liter drücken, stellen die Amerikaner in Aussicht. Auf dem Papier hat der Motor zwar knapp 240 PS und entwickelt 350 Nm, doch auf dem Weg durch die neunstufige Automatik und den zuschaltbaren Allradantrieb bleibt davon offenbar einiges auf der Strecke. Wirklich kräftig wirkt das Turbotriebwerk jedenfalls nicht, und auch sein Klang ist nicht der beste. Gut, dass die Amerikaner für den Export nach Europa ohnehin noch einmal Hand an den Motor legen müssen und dann nicht nur die Schadstoffe, sondern auch den Sound angehen können. Schon ein Vierzylinder mag für viele Cadillac-Fans eine Zumutung sein, doch es kommt noch «schlimmer». Während der Rest der Welt seit Monaten in den Abgesang auf den Diesel einstimmt, planen ausgerechnet die Amerikaner für Europa auch einen Selbstzünder, der aus ebenfalls zwei Litern knapp 200 PS schöpfen soll.

Zwar wird der XT4 Modellen wie dem Q5, dem X3 und dem GLC nicht ernsthaft gefährlich, doch hat der kleine Geländewagen trotzdem das Zeug dazu, zum meistverkauften Cadillac in Europa zu werden und die Absatzzahlen mehr als zu verdoppeln. Bei den bisherigen Zahlen sollte das ein Leichtes sein. Und für alle, die gedanklich noch in der alten Autowelt gefangen sind, hat Cadillac einen Trost: In den nächsten drei Jahren kommt alle sechs Monate ein neues Modell. Da sollte dann auch mal wieder etwas Grösseres dabei sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.10.2018, 18:00 Uhr

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