Seats Sportkürzel mutiert zur eigenen Marke

Mit der Marke Cupra will Seat eine Marktlücke schliessen: betont sportliche Fahrzeuge zwischen Mainstream und Premium.

Seat hat den Ateca sportlich aufgepeppt und versieht ihn künftig wie seine anderen sportlichen Modellvarianten mit dem Cupra-Logo. Foto: PD

Seat hat den Ateca sportlich aufgepeppt und versieht ihn künftig wie seine anderen sportlichen Modellvarianten mit dem Cupra-Logo. Foto: PD

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In der Schweiz wird Seat gerne als die sportliche VW-Tochter wahrgenommen. Nicht so in Spanien. Dort ist Seat nicht eine sportliche, sondern einfach eine spanische Marke. Klar, denn die iberischen Strassen sind voll von Seat aller Art, und die wenigsten davon verdienen das Prädikat sportlich. Dass die Marke aus Martorell bei Barcelona auch athletisch unterwegs ist, beweist sie seit Jahren erfolgreich im Tourenwagensport. Auf der Strasse bläst Seat jetzt mit dem neuen Brand Cupra zur Attacke.

Cupra ist die Kurzform von Cup Racing, hervorgegangen aus dem ab 2002 ausgetragenen Markenpokal Seat Leon Supercopa. Besonders sportliche Strassenmodelle von Seat wurden seither mit der Zusatzbezeichnung Cupra gekrönt – und nun wird das Anhängsel zur eigenen Marke. Dies haben schon andere Hersteller getan, Hyundai etwa mit der Edelmarke Genesis oder Citroën mit der schicken Tochter DS. Doch während diese beiden Marken inzwischen komplett eigenständige Modelle entwickeln, bleibt Cupra vorerst bei sportlichen Derivaten bestehender Seat-Modelle; nur werden diese fortan mit dem winkligen Cupra-Logo versehen und entsprechend eigenständig vermarktet.

Vollmundige Versprechen

Überhaupt ist Marketing das Schlüsselwort, wenn es um diese neue Marke geht. Die Spanier verschiessen die Übertreibungen aus vollen Rohren: «Cupra ist der ultimative Ausdruck von Einzigartigkeit, Eleganz und Leistung», propagiert der Hersteller vollmundig und will gar eine neue Ära im Automarkt einläuten.

Die Wirklichkeit ist freilich weniger pompös. Eigene Händler wird es vorerst nicht geben, dafür sogenannte Cupra Corner bei ausgesuchten Seat-Händlern. 277 sollen europaweit entstehen, bereits 80 Prozent davon sollen bis Ende Jahr in Betrieb sein; ein Grossteil davon im Hauptmarkt Deutschland. In Martorell erhält Cupra einen eigenen, schicken Geschäftssitz mit eigenen, natürlich hoch motivierten Angestellten.

Einer davon ist Marketingleiter Khaled Soussi; auch er versprüht Cupra-Begeisterung. «Wir werden die neue Marke zwischen Massen- und Premiummarkt positionieren», erklärt der Ex-Seat-Manager. «Cupra wird Autofans auf der ganzen Welt mit Fahrzeugen begeistern, die aus wahrer Passion entstehen und jenseits nostalgischer Verklärung in der Gegenwart verwurzelt sind.» Jenseits marketingtechnischer Verklärung bedeutet dies: Seat wird seine sportlichen Modellderivate künftig unter dem eigenständigen Brand Cupra verkaufen. Mehr nicht.

Den Anfang macht nicht etwa der aus dem Motorsport bekannte Leon, sondern ausgerechnet der Ateca. Ein kompakter SUV mit Allradantrieb und Offroadmodus als Bote für die besondere Sportlichkeit – ist das nicht ein Widerspruch? Nicht für Khaled Soussi: «Der Ateca ist das perfekte Auto für die Einführung der Marke.»

Dass der Entscheid weniger mit Hochleistung und Sportlichkeit, sondern mehr mit der Tatsache zu tun hat, dass sich SUV zurzeit unglaublich gut verkaufen, lässt der Marketingchef unausgesprochen, bestätigt dann aber, dass das Timing der Seat-Modellpalette schon entscheidend gewesen sei. Auf den nächsten Leon, der aktuell noch als Seat Leon Cupra verkauft wird, hätte man mindestens bis nächstes Jahr warten müssen. Wayne Griffiths, Seat-Vorstand für Vertrieb und Marketing, bekräftigt: «Auch wenn sich SUV immer noch wachsender Beliebtheit erfreuen, gibt es derzeit auf dem Markt kein Modell, das mit dem Cupra Ateca vergleichbar ist. Darum sind wir von seinem Erfolg überzeugt.»

Erste eigene Modelle ab 2020

Der Ateca also ist es, der für Cupra zur Attacke bläst. Der 4,38  Meter lange SUV hebt sich optisch durch sportliche Akzente von der Seat-Version ab, wie etwa den vier Auspuffendrohren am Heck oder den kupferfarbenen Details im Innenraum. Er wird von einem 2-Liter-Turbobenziner mit 300 PS und 400 Nm Drehmoment befeuert, die Kraft wird über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe auf alle vier Räder übertragen. 5,2 Sekunden auf Tempo 100 und ein Topspeed von 247 km/h – das sind tatsächlich sportliche Werte.

Damit sich das auch so anfühlt, wurde das Fahrwerk entsprechend straffer abgestimmt, die Karosserie um einen Zentimeter näher zur Strasse gebracht und damit der Schwerpunkt gesenkt. Dank der adaptiven Fahrwerksregelung können unterschiedliche Set-ups gewählt werden, um das Fahrzeug auf unterschiedliche Fahrsituationen einzustellen.

Auf einer abgesperrten Strasse im katalanischen Hinterland durfte der Cupra Ateca zeigen, was er draufhat. Den perfekten Kavalierstart übernimmt die Elektronik (Launch Control), das funktioniert eindrücklich: Der Kompakt-SUV schiesst davon wie vom Katapult geschossen. Der Turbobenziner dreht willig, der Motorensound ist kernig und nicht durch Software-Spielereien verfälscht – gut so. In engen Kurven schiebt der 1,6 Tonnen schwere und 1,6 Meter hohe SUV bald einmal über die Vorderräder. Die Brembo-Bremsen packen dafür vehement zu, sie gibt es aber leider nur gegen Aufpreis. Im alltäglichen Fahrbetrieb ganz ohne Sportallüren fährt sich der Cupra Ateca genauso unspektakulär und tadellos, wie sich auch der Seat Ateca fährt.

Und was wird die Zukunft bringen? «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir neue Kunden gewinnen können, die auf der Suche sind nach einem Fahrzeug zwischen Massenmarkt und Premiumsegment», sagt Seat-Vorstand Wayne Griffiths. UndCupra-Marketingleiter Khaled Soussi kündigt an: «Wir werden sieben neue Modelle bis 2020 lancieren.» Da ist allerdings der bereits seit Jahren erhältliche Seat Leon Cupra in allen Modellvarianten eingerechnet. Die wirklich neuen Cupra-Modelle werden der nächste Leon sein, ein kleiner SUV sowie ein «Special Model». Fahrzeuge hoffentlich, die für sich allein sprechen werden, ganz ohne übertriebene Marketingfloskeln.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 23.01.2019, 20:02 Uhr

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