Die Bahn zum Euro Airport wird wohl nie fahren

Die Basler Ausbaupläne werden weder von Paris noch von Bern in genügendem Masse finanziert.

Die Pläne für einen Bahnanschluss zum Euro Airport haben in Bundesbern nicht den Stellenwert, den sich die regionalen Behörden wünschen.

Die Pläne für einen Bahnanschluss zum Euro Airport haben in Bundesbern nicht den Stellenwert, den sich die regionalen Behörden wünschen. Bild: Keystone

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Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der Bahnanschluss des Flughafens Basel-Mulhouse nicht realisiert werden kann – und damit auch ein Teil der geplanten Regio-S-Bahn Wunschtraum bleibt. Zwar haben sich die Region Grand-Est und die Kantone Basel-Stadt, Baselland und Solothurn inzwischen gar beim französischen Premierminister Edouard Philippe über den gemäss den französischen Plänen «nicht dringlichen Status» des Bahnprojekts beschwert. Doch es zeigt sich, dass es sich beim Protestbrief aus Strassburg und Basel nur um einen von zahlreichen Protestbriefen aus allen Teilen Frankreichs zu den verschiedenen übergangenen Ausbauwünschen handelt. Der Brief dürfte deshalb kaum grosse Wirkung entfalten. Dazu kommt, dass auch bei den Bundesbehörden in Bern die Pläne für einen Bahnanschluss zum Euro Airport nicht den Stellenwert haben, den sich die regionalen Behörden wünschen.

Die sechs Kilometer lange Neubaustrecke, welche die bestehende Bahnlinie Basel–Strassburg in paralleler Linienführung ergänzen soll, wird gemäss heutigen Stand 220 Millionen Euro kosten. Das Vorprojekt wird in Kürze fertiggestellt sein. An den Planungskosten hat sich die Schweiz bisher mit 38,1 Prozent beteiligt. Vorgesehen ist gemäss Angaben der Region Grand-Est eine Realisierung in den Jahren 2022 bis 2027, zwei Jahre später als vorgesehen.

Französische Szenarien

Gemäss den Plänen zum Ausbauschritt Step 2030/35 der Schweizer Bundesbehörden plant Bern jedoch nur einen bisher nicht fixierten zweistelligen Millionenbetrag für eine Realisierung mit dem noch späteren Planungshorizont 2035. Im französischen «Rapport Duron», dem politisch breit abgestützten Vorschlag für die französischen Infrastrukturbauten der nächsten zehn bis 20 Jahre, sind gemäss dem vom Präsidenten vorgegeben mittleren Finanz-Szenario keine Beiträge für die Linie zum Euro Airport vorgesehen. Lediglich das Maximal-Szenario enthält dafür einen Staatsbeitrag, der sich aber mit 50 Millionen Euro in einer ähnlich tiefen Dimension wie der Schweizer Beitrag bewegt.

In ihrem Brief an den französischen Premierminister werben die Region Grand-Est und die drei Schweizer Kantone vor allem mit der Bedeutung des Flughafens für den Bahnanschluss. Der Euro Airport sei mit 6400 Beschäftigten im Südelsass der zweitgrösste Arbeitgeber und werde das Passagieraufkommen bis 2025 von heute jährlich 7,9 Millionen auf zehn Millionen steigern. Werde die Bahnlinie realisiert, könne von Anfang an mit einem jährlichen Passagieraufkommen von sechs Millionen gerechnet werden. Vorgesehen sei zudem auch eine generelle Aufwertung der Bahnlinie Basel–Strassburg. Leiste der französische Staat keine verbindlichen Finanzierungszusagen, riskiere man auch, dass die Schweiz ihre Finanzierungsabsichten zurückziehe, heisst es in dem Brief weiter.

Umfrage

Paris und Bern haben wenig Interesse daran, den Bahnanschluss an den Euro Airport zu bezahlen. Wird das Projekt je zustande kommen?

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Mit einer ähnlichen Kritik haben sich die beiden Basel schon im vergangenen Dezember an Bundesbern gewandt. Die Vernehmlassungsantwort der beiden Kantone zu Step 2030/35 kritisiert die fehlende Verbindlichkeit für die insgesamt drei geplanten Ausbauten beim grenzüberschreitenden Verkehr sowie die Verschiebung auf 2035. Die Regierungen machen zudem darauf aufmerksam, dass die vom Bund vorgesehenen 100 Millionen Franken für drei Projekte nicht ausreichen, denn der Bahnanschluss des Euro Airports wäre nur eines von drei Projekten, neben der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke Basel–Erzingen und dem Ausbau der Linie Basel–Lörrach.

Keine durchgehende S-Bahn

Mit den bestenfalls 50 Millionen Euro aus Paris, einem ähnlichen Beitrag aus Bern und einer allfälligen EU-Subvention von 20 Prozent lässt sich die Bahnlinie kaum realisieren – auch nicht in einem weiter nach hinten verschobenen Zeithorizont.

Nicht förderlich ist zudem, dass heute kein durchgehender S-Bahn-Betrieb von der Schweiz nach Frankreich existiert, nachdem dieser 2008 eingestellt wurde und sich seither niemand darum bemüht hat, den durchgehenden Betrieb wieder aufzunehmen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.03.2018, 07:18 Uhr

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