Auf die Augen kommt es an

Mit Pinsel und Farbe gibt Elisabeth Gröflin der Fasnacht ein Gesicht.

Malen im Akkord. 400 bis 600 Larven stellt Elisabeth Gröflin in ihrem Atelier für jede Fasnacht her.

Malen im Akkord. 400 bis 600 Larven stellt Elisabeth Gröflin in ihrem Atelier für jede Fasnacht her. Bild: Nicole Pont

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Wenn der Endstreich die Fasnacht beschliesst und alle Bummelsonntage vorüber sind, wird Elisabeth Gröflin meist von einer grossen Traurigkeit übermannt. Obwohl sie selber nur als Zuschauerin am Strassenrand steht, bedeutet ihr die Basler Fasnacht alles. Denn in ihrem Larvenatelier «d’Frau Fasnacht» kann sie in den Monaten davor ihrer grossen Leidenschaft nachgehen, dem Larvenmalen.

Zwischen 400 und 600 Larven fertigt sie pro Jahr an, zieht sie tief an der Maschine, fassoniert oder kaschiert sie, bevor sie sich mit Farbe und Pinsel an die Arbeit macht. Am meisten Aufmerksamkeit schenkt Gröflin der Augenpartie: «Sie ist das Wichtigste, weil sie der Larve einen Ausdruck gibt.» Ob verschlafen, wütend, melancholisch oder heiter – jeder Waggis, jeder Harlekin hat bei Elisabeth Gröflin einen eigenen Charakter. «Am Cortège beobachte ich von Weitem ganz genau, wie die Larve wirkt – ob der Ausdruck so ist, wie ich mir das vorgestellt habe.»

Es sind etliche Stunden, die sie ab Spätsommer in ihrem Atelier an der Blotzheimerstrasse verbringt. Gerade jetzt, in den letzten Wochen vor dem Morgestraich, ist das Arbeitspensum riesig, fleissig wie ein Bienchen malt sie Larve um Larve. «Auch wenn es eine strenge Zeit ist, möchte ich sie nicht missen. Sorgen, Ängste, Ärgernisse, alles verfliegt im Nu, wenn ich am Malen bin. Dieses Gefühl gibt mir eine tiefe Zufriedenheit.»

Aus der Patsche geholfen

Zu ihrer Berufung gefunden hat die gebürtige Belgierin vor etwa 25 Jahren durch ihren Sohn Laurent. Als dieser mit Pfeifen anfing und sich im Alter von acht Jahren eine eigene Larve wünschte, ging die Mutter bei einem Larvenmaler vorbei. Dieser empfing sie mit hängenden Schultern. «Er erzählte mir, dass ihn seine Mitarbeiterin hängen liess und er die ganze Arbeit allein stemmen muss. Also bot ich ihm kurzerhand meine Hilfe an.»

Gröflin sprang ins kalte Wasser und lernte das Larvenmalen unter dem Motto «Learning by Doing» von Grund auf. Immer mehr fand sie den Zugang zur Fasnacht, die sie zuvor eher kritisch beobachtet hatte. «Ich hatte immer Respekt vor dieser Druggede. Nun bekam ich einen anderen Zugang zu diesem Kulturgut, nahm die vielen schönen Kostüme und bunt bemalten Larven wahr.» Seither hat sie das Fieber gepackt und nie mehr losgelassen.

Elisabeth Gröflin zählt quasi die Tage, die zwischen dem letzten Bummelsonntag und dem Saisonstart im Spätsommer liegen. Obwohl sie das Pensionsalter längst erreicht hat, möchte sie das Larvenatelier noch einige Jahre weiterführen. Derzeit denkt sie über einen Umzug nach und ist auf der Suche nach einem zentraleren und etwas kleineren Atelier. Näher an die Leute beziehungsweise an die Fasnächtler ranzukommen, ist also ihr nächstes grosses Projekt. Eines, das ihr womöglich über die fasnachtsfreie Zeit ein wenig hinweghelfen dürfte. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.01.2018, 13:39 Uhr

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