«Ich habe wieder Lust auf ein Goschdym»

Heinz Margot hört als Fasnachtsmoderator des Schweizer Fernsehens auf. Mit ein bisschen Wehmut blickt er auf die letzten 16 Jahre zurück.

Die Fasnacht am Bildschirm ohne Heinz Margot konnte man sich fast nicht mehr vorstellen.

Die Fasnacht am Bildschirm ohne Heinz Margot konnte man sich fast nicht mehr vorstellen. Bild: Roland Schmid

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Heinz Margot (52) ist ein Basler, Fasnächtler obendrein, und weil er auch ein gewandter Medienmann, Schauspieler und es gewohnt ist, in ein Mikrofon zu reden sowie vor einer Kamera zu stehen, hat er in den letzten Jahren am Schweizer Fernsehen die Basler Fasnacht kommentiert. Das heisst, er hat am Montagnachmittag die Live-Sendung vom Cortège kommentiert und dann am Samstag- oder Sonntagabend den Querschnitt durch die Basler Fasnacht präsentiert. Er stand dabei immer inmitten des Geschehens, er reportierte direkt aus der Fasnachtszone, er war mitten drin, seit ewigen Zeiten – die Fasnacht am Bildschirm ohne Heinz Margot konnte man sich fast nicht mehr vorstellen. Dabei macht er die Fernsehfasnacht erst seit 16 Jahren. Jetzt hört er auf und blickt auf diese Zeit zurück, mit ein bisschen Wehmut, aber auch mit berechtigtem Stolz.

Herr Margot, Sie haben seit über zehn Jahren für das Fernsehen die Fasnacht kommentiert. Jetzt hören Sie auf. Nach so langer Zeit …
Vor 16 Jahren habe ich erstmals über die Fasnacht berichtet, jetzt präsentiere ich zum 14. Mal den Cortège und den Querschnitt. Das ist in der Tat eine sehr lange Zeit.

Kann man einfach so aufhören, nach dieser langen Zeit?
Ja. Denn es ist kein spontaner Entscheid. Gedanken darüber machte ich mir schon seit zwei, drei Jahren. Wenn man eine Sendung über so lange Zeit macht, dann fragt man sich automatisch, wie lange noch? Noch zehn Jahre, noch fünf, noch drei? Ganz allmählich bin ich dann zum Schluss gekommen, dass es jetzt langsam gut ist.

Ist es nun gut? Oder ist es genug?
Von der Fasnacht kann man ja nicht genug bekommen … (Lacht.) Aber ich habe gespürt, dass ich Lust habe, vielleicht wieder einmal selber aktiv Fasnacht zu machen. Auch wiederholt sich bei der Arbeit natürlich vieles mit den Jahren. Es war zum Beispiel immer unser Bestreben, an besonderen Orten zu drehen. Und irgendwann merkt man, dass man praktisch schon überall gewesen ist und die Gefahr besteht, sich zu wiederholen.

Der Spass an der Sache war also durchaus noch vorhanden.
Ja, natürlich, und genau deswegen ist es auch der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. Wenn es keinen Spass mehr macht, ist es meiner Meinung nach zu spät.

Hatten Sie Einfluss auf die Themenauswahl?
Die Themen haben wir in einem Redaktionsteam festgelegt. Die Moderationstexte, der Kommentar und die Verse dazu stammten dann jeweils von mir alleine.

War es ein strenger Job?
Vor allem ein schöner Job und auf eine Art wohl auch streng. Ich sagte immer, dass ich wahrscheinlich einer der wenigen bin, die jeden einzelnen Zeedel lesen. Gut, ein paar überfliege ich nur, doch die meisten lese ich von A bis Z. Was übrigens nicht nur ein Vergnügen ist. Hinzu kommen einige Tage mit Recherchen und anderen Vorbereitungen. Dann ist man an der Fasnacht selber natürlich praktisch permanent unterwegs – vom Morge­straich bis zum Ändstraich. Mein Anspruch lautete immer, wirklich in Echtzeit dabei zu sein. Man könnte ja auch «bschysse» und zum Beispiel den Schlussvers irgendwann früher einmal aufnehmen. Nach der Fasnacht bleiben dann nur gerade zwei Tage Zeit, um den ganzen Kommentar zu schreiben und die Sendung zu vertonen.

Wie erleben Sie die Fasnacht heute?
Die Welt hat sich verändert und die Fasnacht entsprechend auch. Das liegt in der Natur der Sache. Ich war immer ein Traditionalist, bin jedoch mit den Jahren toleranter geworden. Zumal es Neues, Bissiges und Kreatives gibt, das man sich vor zehn, zwanzig Jahren noch nicht vorstellen konnte. Strömungen, welche die Fasnacht heute beleben und bei denen man damals gesagt hätte, «das geht nicht, das ist nicht fasnächtlich». Man muss offen sein für Neues, sollte dabei aber die Tradition und gewisse Regeln nicht ausser Acht lassen.

Wie wünschen Sie sich die Fasnacht?
Ich wünsche mir die Fasnacht nicht anders, als sie ist. Einzig vielleicht, dass mehr gute «Gags» inszeniert werden. So wie vor ein paar Jahren, als ein Haufen Omaner am Dienstagmorgen die Stadt in Beschlag nahm und dann im Rathaus empfangen wurde. Etwas, was im Vorfeld auch medial für Aufsehen sorgte und wo am Ende Fasnächtler dahintersteckten. Ich mag solche Aktionen, die durchaus auch anarchisch sein ­können, aber immer noch im fasnächtlichen Geist.

Und jetzt, machen Sie wieder Fasnacht?
Vielleicht werde ich wieder trommeln, vielleicht versuche ich mich als Schnitzelbänkler, und vielleicht gehe ich auch Ski fahren. Wobei: Ski fahren wohl eher nicht – ich habe wieder Lust auf ein Goschdym. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.02.2015, 13:28 Uhr

Artikel zum Thema

Wetterglück für die Kinderfasnacht

Tausende Eltern werden aufgeatmet haben: Kein Regen am Dienstagnachmittag, die Pellerinen konnten zu Hause bleiben. Umso mehr wirbelten die Räppli an der Kinderfasnacht. Mehr...

Die schönste Blechlawine Europas

Mehr Gugge-Verkehr in der Stadt geht nicht: Zehntausende Zuschauer erfreuen sich an coolem Sound. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...