«Schneidet diesen alten Zopf ab!»

Tierschutz-Aktivisten demonstrieren gegen den Einsatz von Pferden an der Fasnacht.

Eine Kundgebung gegen die Pferde an der Fasnacht im De-Wette-Park.

Eine Kundgebung gegen die Pferde an der Fasnacht im De-Wette-Park. Bild: Alexander Müller

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Mittwoch, im De-Wette-Park beim Bahnhof, kurz nach zwölf Uhr: Der Tierrechtsaktivist Olivier Bieli stimmt die versammelten Demonstranten auf die anstehende Kundgebung ein: «Es geht darum, ruhig und friedlich zu demonstrieren». sagt Bieli. «Reagiert nicht auf Provokationen und nehmt Beleidgungen wortlos hin.»

Anschliessend reihen sich die Teilnehmer entlang der Route ein, die die Fasnächtler und Zuschauer nehmen, wenn sie vom Bahnhof in die Innenstadt gelangen wollen. Einige halten Transparente, andere Schilder mit Schriftzügen. «Nai zem Ressli blooge!», heisst es da. «Für eine Fasnacht ohne Tierleid», «Abekoo vom hoche Ross» und «Mir wände is ab» liest man. Zwei Männer haben sich ein Ross-Kostüm übergestülpt.

Etwas dreissig Aktivisten sind es, die die Passanten auf das Los der Pferde an diesem Fasnachtsumzug aufmerksam machen wollen. Die meisten der Tiere sind vor Chaisen, also Kutschen, eingespannt. Einige werden zudem von sogenannten Vorreitern eingesetzt. In den Augen der Demonstranten im De-Wette-Park handelt es sich bei diesem Einsatz von Pferden um Tierquälerei. Denn der grosse Lärm am Umzug bedeute für Pferde einen grossen Stress, da diese Fluchttiere sind. Es bestehe immer die Gefahr, dass ein Tier durchbrenne, was dann auch für die Zuschauer fatal enden könne.

«Es geht um das Tierwohl»

«Pferde sind letztlich Wildtiere, darum kann immer etwas passieren», sagt ein Mann, der an der Demo teilnimmt. Er appelliert an die Vernunft der Chaisen-Besitzer und des Fasnachts-Comités, dass sie in Zukunft auf den Einsatz von Pferden verzichten. «Es geht um das Tierwohl und um die Sicherheit von Menschen.»

«Ich bin lange geritten und weiss, dass ein Pferd immer erschrecken kann, wenn es rundum knallt und lärmt», meint eine Kundgebungs-Teilnehmerin. An Demonstrationen nehme sie sonst nie teil. «Aber in diesem Fall habe ich alles stehen und liegen gelassen und bin gekommen – ganz spontan.»

Ein Vorfall am Cortège vom Montag hat die Demonstranten in ihrer Überzeugung gestärkt, dass Pferde nicht an die Fasnacht gehören. Die Stute Divina, die vor eine Chaise gespannt war, ruschte am Steinenberg auf einer glitschigen Metallplatte aus und schaffte es erst nach eine Viertelstunde, wieder aufzustehen. Gemäss den Besitzern des Tieres geht es der Stute zwar gut, sie hat sich beim Sturz nur eine Schürfwunde am Unterleib zugezogen. Die Tierschützer sind aber überzeugt, dass Divina nicht wegen der glitschigen Unterlage lange nicht aufstehen konnte, sondern weil sie entweder sediert oder total erschöpft war.

«Das Pferd muss Medikamente gehabt haben», ist sich eine Teilnehmerin an der Demo sicher. Es sei Zeit, diesen «alten Zopf» – Pferde an der Fasnacht – nun abzuschneiden. In der Pflicht sei das Fasnachts-Comité, auf die Tradition mit den Tieren zu verzichten.

«Es sieht alles so aus, dass das Pferde sediert gewesen ist», pflichtet eine andere Demonstrantin bei. «Den Kindern gibt man Ohrenschutz ab, die Pferde aber lässt man vom Lärm ungeschützt – da stimmt doch etwas nicht.» Die Demo fand statt, noch bevor am Cotège am Mittwoch ein zweites Pferd vor einer Chaise stürzte.

Zustimmung und Ablehnung

Die Teilnehmer der Kundgebung sprechen die Passanten an und geben ihnen Flyer ab, auf denen ihre Forderungen aufgelistet sind. Viele der Angesprochenen reagieren positiv. «Das ist sicher ein gute Aktion, denn den Pferden ist es am Umzug nicht wohl», sagt eine Fasnächtlerin. «Super, sehr gut», lobt ein Mann. Vereinzelt sind kritische Töne oder unverhohlene Ablehnung zu vernehmen. «Überall Demo, Demo, Demo», ärgert sich ein Passant. Ein «übertriebenes ‹Gschiss› sei das», meint ein anderer. «Jetzt haben sie langsam eine Ecke ab», vernimmt man.

Olivier Bieli, der die Demo organisiert hat, ist dennoch zufrieden mit dem Erfolg der Kundgebung. «Es ist sehr gut, dass so viele teilgenommen haben.» Gerechnet habe er nur mit 15 bis 20 Demonstranten. «Aber der Unfall mit dem Pferd hat offenbar zusätzlich mobilisiert.» Gemäss Bielis Wahrnehmung reagierten die Passanten insgesamt positiver als letztes Jahr, als er und seine Verbündeten schon einmal gegen Pferde an der Fasnacht demonstriert haben. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.03.2019, 16:00 Uhr

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