«Wir rechnen mit einem positiven Entscheid»

In Basel herrscht grosse Zuversicht, dass die Fasnacht immaterielles Weltkulturerbe der Unesco wird.

Internationale Aufmerksamkeit. Touristiker und Fasnächtler versprechen sich eine höhere Beachtung für die Stadt und ihre Traditionen.

Internationale Aufmerksamkeit. Touristiker und Fasnächtler versprechen sich eine höhere Beachtung für die Stadt und ihre Traditionen. Bild: Keystone

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Im April 2016 wurde es offiziell und die Begeisterung am Rheinknie war gross: Das Bundesamt für Kultur hatte einen Aufnahmeantrag bei der Unesco gestellt. Die Basler Fasnacht soll in die Liste der immateriellen Weltkulturerbe aufgenommen werden. Nun soll es endlich geschehen. Dieser Tage sitzen auf der Insel Jeju südlich der südkoreanischen Halbinsel 24 Mitglieder der Kommission für das immaterielle Kulturerbe der Unesco zusammen und beraten, ob sie die Basler Fasnacht in das Verzeichnis aufnehmen werden.

Bis am Freitag ist mit einem offiziellen Entschied zu rechnen. Und für die Basler scheint der Entscheid bereits klar: Die «drey scheenschte Dääg» werden nach dem Winzerfest von Vevey das zweite immaterielle Schweizer Kulturerbe. Jedenfalls ist bereits alles dafür aufgegleist. Vor zwei Monaten gab der Regierungrat an, dass man dem Comité 55'000 Franken zusprechen werde, um eine Wanderausstellung zur Fasnacht durchzuführen. Der Swisslos-Fonds-Betrag ist jedoch an die Bedingung geknüpft, dass die Fasnacht in die Unesco-Liste aufgenommen wird.

Ebenfalls vorbereitet ist eine offizielle Feier am Freitagabend in der Schalterhalle der UBS am Bankenplatz. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann lud die Medienvertreter vergangene Woche bereits zum Fest ein, an dem auch Bundesrat Alain Berset, Chef des Departements des Innern (EDI), teilnehmen wird. «Gespannt, aber auch sehr zuversichtlich erwarten wir den hoffentlich positiven Entscheid des Gremiums», schreibt Ackermann in der Einladung. Von Stimmen aus dem EDI hat die BaZ vernommen, dass man sich auch dort sicher ist, dass es sich bei der Entscheidung der Unesco lediglich um eine Formalität handle.

Dieselbe Zuversicht herrscht in Basel: Für Felix Rudolf von Rohr, der an der Basler Kandidatur mitgearbeitet hat, ist der Entscheid reine Formsache. «Die Fasnacht ist mit fast 100 Prozent immaterielles Kulturgut. Die vorberatende Kommission hat grünes Licht gegeben und geschrieben, dass die Kandidatur tipptopp sei», sagt der ehemalige Obmann des Fasnachts-Comités.

Hoffnung auf mehr Touristen

Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing beim Präsidialdepartement, teilt seine Meinung. «Wir rechnen mit einem positiven Entscheid. Sobald der Beschluss gefallen ist, wird ihn das Bundesamt für Kultur kommunizieren.»

Für Basel und die Fasnacht würde die Aufnahme in die Unesco-Liste der immateriellen Kulturgüter internationale Aufmerksamkeit bedeuten. Das generiere auf der einen Seite eine bestimmte Bekanntheit der Stadt und ihrer Tradition. «Auf der anderen Seite wird sich aber nicht genau beziffern lassen, um wie viele Prozentpunkte dies Basel bekannter machen werde oder wie viel mehr Touristen deshalb Basel aufsuchen würden», sagt Horvath.

Felix Rudolf von Rohr spricht von einer einmaligen Sache für den Ruf von Basel. «Wir werden dann auf einer internationalen Liste der Unesco aufzufinden sein. Dazu haben wir sonst kaum Chancen. Denn bei den materiellen Kulturerben wird Basel dieses Kunststück nicht schaffen.» Aus der Schweiz befinden sich auf dieser Liste beispielsweise die Altstadt von Bern, das Weinanbaugebiet der Lavaux oder die Rhätische Bahn.

Vorbild für andere Fasnachten

Rudolf von Rohr erhofft sich durch die Aufnahme auf die Liste, dass sich auch andere Fasnachten an derjenigen in Basel orientieren und sie sich zum Vorbild nehmen und auflockern werden. «Die Reaktionen auf eine Basler Beteiligung am grossen Humorfestival in Montreal 2010 sowie die Teilnahme der ‹Opti-Mischte› aus Basel an einer ganz neuen Fasnacht in Prag vor einem Monat haben gezeigt, dass Basel mit seiner spitzen Kritik an Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kirche als Vorbild Erfolg haben kann.»

Freude über den höchst wahrscheinlichen Zuschlag herrscht auch bei Daniel Egloff. Der Direktor von Basel Tourismus spricht im Zusammenhang mit dem Prädikat immaterielles Weltkulturerbe von einem Qualitätssiegel für Basel. «Das ist eine Prämierung, die wir im Tourismusbereich in der Kommunikation gerne einsetzen werden und die uns in der touristischen Vermarktung Basels natürlich einiges einbringt.»

Umfrage

Die Basler strotzen nur so vor Zuversicht, dass die Fasnacht zum Weltkulturerbe erklärt wird. Wird die Basler Fasnacht Unesco-Weltkulturerbe?

Ja

 
60.1%

Nein

 
39.9%

827 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 06.12.2017, 07:13 Uhr

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