Pia Inderbitzin ist die erste Obfrau des Fasnachts-Comités

Christoph Bürgin tritt nach acht Jahren an der Spitze des Organisationskomitees kürzer und wird sich künftig dem Drummeli widmen.

Erste Frau an der Spitze. Pia Inderbitzin tritt den Posten als Obfrau Anfang Juli an. Sie beerbt Christoph Bürgin (M.). Alexander Sarasin wird Statthalter.

Erste Frau an der Spitze. Pia Inderbitzin tritt den Posten als Obfrau Anfang Juli an. Sie beerbt Christoph Bürgin (M.). Alexander Sarasin wird Statthalter. Bild: Martin Regenass

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Es ist wie bei einem Regierungspräsidenten. Die Leute kennen die verschiedenen Ansprachen nach acht Jahren und wünschen sich neue Impulse», sagte der Obmann des Fasnachts Comités, Christoph Bürgin, gestern vor Medien. Diese Überlegung habe bei seinem Rücktritt eine Rolle gespielt. «Nach acht Jahren Blaggedde-Vernissage, Bilanz-Ziehen nach der Fasnacht und Interviews-Geben am Cortège ist es für mich nun gut, etwas kürzerzutreten.»

Zur Nachfolgerin von Bürgin hat das Comité vor gut zwei Wochen seine bisherige Statthalterin, Pia Inderbitzin gewählt. Sie tritt den Posten als Obfrau am 1. Juli an. Inderbitzin gehört dem Fasnachts-Comité seit dem Jahr 2000 an und war für den Nachwuchs verantwortlich. In den vergangenen Jahren hat die Lehrerin für die Binggisse Projekte wie die Fasnachtskiste, das Larvenkaschieren mit Schulklassen oder die grosse Schulfasnacht mit Tausenden von Kindern in der Basler Innenstadt ins Leben gerufen.

Eingeleitet habe den Wechsel an der Spitze des Organisationskomitees ein Interview mit der Basler Zeitung, sagte Bürgin. «Dominik Heitz hat mich 2017 gefragt, wie es mit meiner Nachfolge aussehe. Ich fragte danach bei den Comité-Mitgliedern nach, ob jemand bereit wäre, das Amt zu übernehmen.» Im Juli 2017 habe Inderbitzin Bürgin dann eröffnet, dass sie ab Juli 2018 in der Schule ihr Pensum reduzieren werde und den Posten als Obfrau des Fasnachts-Comités deshalb übernehmen könnte. «Wir haben im August 2017 im Comité darüber diskutiert und kamen zum Schluss, dass Inderbitzin als meine Nachfolgerin eine optimale Lösung ist.»

«Kontinuität gewährleistet»

Im gleichen Zug ist auch entschieden worden, dass Alexander Sarasin das Amt des Statthalters übernimmt. Sarasin gehört dem Comité seit 2010 an. Der Naturwissenschaftler und Galerist hat vor allem im Drummeliteam mitgearbeitet und dichtet Verse. Bereits legendär ist sein Plakettenvers an der jährlichen Blaggedde-Vernissage zwischen Weihnachten und Neujahr.

Christoph Bürgin ist überzeugt, seine Nachfolge und diejenige der Statthalterin in gute Hände gelegt zu haben. «Unter der Führung von Pia und Alexander ist die Kontinuität gewährleistet.»

Inderbitzin ihrerseits freut sich, die erste Frau zu sein seit Gründung des Fasnachts-Comités vor über 100 Jahren: «Es heisst ja ‹Frau Fasnacht›, schön, dass nach über 100 Jahren Comité auch einmal eine Frau übernimmt.» Was sie als künftige Obfrau des Comités an der Fasnacht verändern will, dazu gab sie sich zurückhaltend. Sie sprach von «administrativen Änderungen im Innenbereich» des Comités. «Fragen Sie nach 100 Tagen nochmals nach, wenn ich mich etwas eingearbeitet habe», antwortete Inderbitzin auf die Frage einer Journalistin, was das denn konkret bedeute. Sicher sei, dass Inderbitzin am Cortège die Cliquen, Guggen, Wagen und Chaisen mit einem roten – und nicht wie bei Obmännern üblich – mit einem schwarzen Hut grüssen werde. «Ich hatte immer schon einen roten Hut auf. Als Frau hat man da im Comité mehr Möglichkeiten.»

Ein Thema, das aktuell auf den Nägeln brenne, sei die Schallschutzverordnung des Bundes über die Lärmgrenzwerte. Demnach sieht sich das Comité möglicherweise gezwungen, an den Guggenkonzerten oder bei Ständchen in den Restaurants die Besucher mit Plakaten auf eine mögliche Schädigung des Gehörs aufmerksam zu machen oder Gehörschutzpfropfen zu verteilen.

Jeder weiss: Fasnacht ist laut

«Die Verordnung ist aktuell noch in der Vernehmlassung. Was die 93 Dezibel bedeuten, ist aber noch völlig unklar», sagt die Obfrau. «Geht es hier um eine Belastung von einer Sekunde oder von zwei Stunden», fragt sie. Dagegen gebe es nun auch Opposition. Und nicht zuletzt wüssten die Leute ja, worauf sie sich an der Fasnacht einliessen. «Eigentlich sollte es sich herumgesprochen haben, dass die Fasnacht nicht leise ist.»

Bürgin wird dem Comité noch bis 2020 erhalten bleiben und zusammen mit Alexander Sarasin, Roger Birrer und Robert Schärz das Drummeli-Team bilden. Letzterer steht diesem neu voran. Die Funktion der Nachwuchsförderung von Inderbitzin übernimmt neu Kathrin von Bidder Spichty. Sie wird dabei von Susanne Andreetti unterstützt, die neu dem Comité angehört.

Umfrage

In seiner über 100-jährigen Geschichte hat das Fasnachts-Comité erstmals eine Chefin: Pia Inderbitzin. Tut eine Frau an der Spitze dem Fasnachts-Comité gut?

Ja

 
67.1%

Nein

 
32.9%

423 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 06:52 Uhr

Artikel zum Thema

Pferde bleiben an Basler Fasnacht erlaubt

Jedem fünften Pferd wurde vor dem Cortège Beruhigungsmittel verabreicht. Dennoch will das Fasnachts-Comité mit dem Segen des Kantons auch in Zukunft an den Chaisen festhalten. Mehr...

Die Mehrweggeschirr-Pflicht gilt bald für alle

Alle Verkaufsstände im öffentlichen Raum sollen in Basel-Stadt künftig Mehrweggeschirr einsetzen müssen. Ausnahmen — für Anlässe wie die Fasnacht oder die Herbstmesse — sind möglich. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...