Wie das Internet den Wahlkampf aufmischt

Ob USA oder Basel-Stadt: Das Internet macht den Wahlkampf zum Dialog zwischen Kandidaten und Wählern. Die lokale Plattform für diesen Austausch sind die Parteienblogs auf baz.online, wo sich die Kandidierenden den Fragen und Kommentaren der Wählenden stellen.

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Noch nie hat das Internet eine derart zentrale Rolle im Wahlkampf gespielt wie im aktuellen Rennen um die US-Präsidentschaft. Und nie hat jemand die Register des Internet-Wahlkampfs so virtuos gezogen wie der demokratische Kandidat, Barack Obama. Seine emotionalen Reden sind Quotenrenner auf YouTube, der Clip zum Obama-Song «Yes, We Can» wurde 9 Millionen mal angeschaut.

Auch sein Konkurrent, John McCain, versucht sich in der Ausnutzung des Mediums YouTube, wenn auch viel halbherziger und sichtlich unbeholfener. Über 1000 YouTube-Videos von Obama stehen knapp 250 von McCain gegenüber. Während Obama die Möglichkeiten des Internet für eine aktive Strategie nutzt, tappt McCain von einem Fettnapf in den nächsten und befindet sich permanent in der Defensive.

Mindestens so interessant wie die Bemühungen der Kandidaten und ihrer Kampagnenteams ist die Rolle der User. Ende Juli konfrontierte der TV-Sender CNN Obama und McCain mit einer Auswahl von Fragen, die User auf Youtube eingestellt hatten. Diesmal wählten noch CNN-Redakteure die Fragen aus. Beim nächsten Wahlkampf werden die User die Auswahl vielleicht schon selbst treffen.

Und bei uns?

In der beschaulichen Schweiz geht diese Entwicklung ein bisschen gemächlicher vonstatten. Doch auch hier neigt sich die Zeit der stets von den gleichen fünf Rentnern besuchten Wahlveranstaltungen endlich dem Ende zu. Denn über das Internet lassen sich einfach mehr Menschen erreichen als im Säli des Alten Warteck. Zwei Drittel der über 14-Jährigen in der Deutschschweiz nutzen das Internet regelmässig. Von den 15- bis 24-jährigen Nutzern beschaffen sich 91 Prozent täglich Informationen im Internet, bei den 55- bis 64-Jährigen sind es bereits mehr als die Hälfte.

Immer mehr Politikerinnen und Politiker nutzen die Möglichkeit, mit den Wählenden in Dialog zu treten. Junge und Progressive haben längst ihr eigenes Blog. Aber auch wo die Versiertheit im Umgang mit dem neuen Medium noch fehlt, ist der Wille, sich der Auseinandersetzung zu stellen, doch vorhanden. Mit den Parteienblogs stellt baz.online Kandidierenden und Wählenden in Basel erstmals die Plattform für diesen Austausch zur Verfügung.

Jede und jeder wird gehört

Für die oft blog-unerfahrenen Politiker gilt es nicht nur technische Hürden zu überwinden. Der direkte Dialog mit dem Publikum verändert die politische Kommunikation von Grund auf. «Früher gab es nur einige wenige Medienkanäle, die man mit Einfluss und Inseratekampagnen bespielen konnte», erklärt Marie Jubin, die die Blog-Plattform von baz.online betreut. «Doch diese Zeiten sind vorbei. Im Internet kann sich jeder und jede Gehör verschaffen. Es ist schlicht unmöglich geworden, alle Kanäle zu kontrollieren.»

Das Internet bietet den Kandidierenden ungeahnte Möglichkeiten. Allerdings muss man auch damit rechnen, dass Dinge an die Öffentlichkeit kommen, die man lieber für sich behalten hätte. Und dann können sie eine Dynamik entwickeln, die sich nicht mehr beherrschen lässt. Diese Erfahrung musste John McCain machen: Ein Handyvideo, in dem er zur Melodie eines Beach Boys-Songs «Bomb-bomb Iran» sang, wurde bei YouTube weit über eine Million mal angeschaut.

Aber auch für die Wählenden endet die Kommunikation nicht mehr mit dem Ende der Podiumsveranstaltung oder mit dem Abdruck eines Leserbriefs. Eine unbefriedigende Antwort erhalten? Kein Problem, einfach nachhaken. Dafür ist die Kommentarfunktion schliesslich da. Wer gewählt werden will, wird sich kaum um die Antwort drücken. Und wer gewählt ist, kann leichter denn je mit seinem alten Versprechen konfrontiert werden, wenn er sich nicht mehr daran erinnern will. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.08.2008, 17:46 Uhr

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