Pratteln

Der Chuenimatt-Deal

Statt produktiver Hightech-Firmen soll die Wirtschaftskammer in Pratteln angesiedelt werden.

Keine Nachverhandlungen. Der Besitzer des Buss- und Wasa-Areals (gelb), Hermann Beyeler, wurde beim Verkauf der Chuenimatt (rot) vom Kanton aussen vor gelassen, trotz der Bereitschaft, eine Million Franken mehr zu zahlen.<br /> Grafik Nino Angiuli

Keine Nachverhandlungen. Der Besitzer des Buss- und Wasa-Areals (gelb), Hermann Beyeler, wurde beim Verkauf der Chuenimatt (rot) vom Kanton aussen vor gelassen, trotz der Bereitschaft, eine Million Franken mehr zu zahlen.
Grafik Nino Angiuli

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Es gibt einen Grund, weshalb der Prattler Grossinvestor und Kunstliebhaber Hermann Alexander Beyeler die auf den 20. März 2019 angekündigte Künstlerschau «Biennale Pratteln» abgesagt und das Baselbieter Aushängeschild der Förderung des regionalen Kunstschaffens still und leise abgehängt hat. Beyeler ist sauer auf den Kanton. Stocksauer. Denn die Baselbieter Regierung hat ihn beim Verkauf des Nachbar-Grossgrundstücks Chuenimatt in Pratteln nahe beim Aquabasilea aussen vor gelassen. Und das, obschon Beyeler mit der Basler Firma Burckhardt & Partner zur Ansiedlung von Firmen für 100'000 Franken ein Projekt fürs Chuenimatt-Areal entwickelt hatte und für die Parzelle locker über eine Million Franken mehr geboten hätte. Es war Geld, das der Kanton Baselland hätte brauchen können und auf das er nun offenbar verzichtet, denn es gab keine Nachverhandlungen.

Heute ahnt Beyeler, weshalb er geschnitten worden ist: Die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) verkaufte das Land unter «vertraulich gehaltenen Gründen» der Immobilien- und Grundstückplanerin Bricks Group AG. Und diese hat als Ankermieterin die Wirtschaftskammer vorgesehen. Das Architekturbüro, das auf dem Gelände mit der Planung des Projekts «Tri innova» betraut ist, verweist in dieser Frage an den Bauherrn Bricks Group AG. Bei Bricks gibt es personelle Verflechtungen zur Totalunternehmerin Losinger Marazzi, welche vom Kanton bei der Entwicklung des Salina-Raurica-Areals in Pratteln auf das Wartegleis gestellt ist.

Verhaltene Bestätigung

Andreas Schneider, Präsident der Wirtschaftskammer, gibt sich trotz zahlreichen Verhandlungen mit Betroffenen und mit den Planern – etwa Sitzungen zu Ausbauwünschen und zusätzlichen Parkplatzflächen – unverbindlich: «Es ist noch offen, wo die Wirtschaftskammer hingeht. Die Chuenimatt ist nur eine Option. Richtig ist, dass die Wirtschaftskammer in Liestal zu wenig Platz hat.» Entschieden werde bis Weihnachten.

Nur zu gerne hätte Hermann Alexander Beyeler die Chuenimatt selber zu seinen Arealen hinzugekauft. Denn der Grossinvestor realisiert auf seinem angrenzenden Wasa-Areal 465 Wohnungen und investiert dafür 300 bis 360 Millionen Franken. Für die dort ansässigen Firmen, wie die Maschinenbaufabrik Buss AG oder die Rohrbogen AG braucht es Anschlusslösungen; solche hätte Beyeler auf dem Chuenimatt-Areal anbieten können und deswegen auch einen höheren Kaufpreis zu bieten locker in Kauf genommen. Ebenso bot er eine Lösung für das 130 Jahre alte Familienunternehmen Gärtnerei Hug, das nun durch die Pläne der Wirtschaftskammer als «vertrieben worden» bezeichnet werden darf.

In den unter Verschluss gehaltenen Erwägungen der BUD hat Grossinvestor Beyeler, der im Baselbiet bereits eine Viertelmilliarde investierte und auf seinen beiden angrenzenden Arealen rund 70 Firmen beherbergt, offenbar zu wenig Gewicht. Viel lieber blieb die BUD beim suspekt tiefen Quadratmeterpreis von 650 Franken für Industrieland an bester Lage in Pratteln, auf dem fünf Stock hoch gebaut werden kann, und vergab das Land im Oktober an Bricks. Derzeit werden für solche Grundstücke Preise ab 1100 Franken pro Quadratmeter realisiert.

Gegenüber der Öffentlichkeit kommunzierte der Kanton, man wolle auf dem Chuenimatt-Areal Hightech-Firmen – Pharma- und IT-Unternehmen – ansiedeln. «Co-working Space sowie Start-up-Flächen im Edelrohbau runden das Angebot ab», bewarb er es mit grossen Worten. Nun ist eine Ansiedelung von Verbandssekretären auf dem Gelände im Gespräch.

Es verwundert auch nicht: An den 4. Baselbieter Investorengesprächen, am 23. Oktober, an denen die Standortförderung Baselland vier entwicklungsreife Areale vorgestellt hatte, konnte das Projekt «Tri innova» mit keinem «Unique Selling Point» (USP) glänzen, während Up-Town Arlesheim beispielsweise mit Industrie 4.0 lockt oder BaseLink am Bachgraben in Allschwil sich als Cluster im Bio-Valley positioniert. Bricks sprach dort von einem Ankermieter, ohne dessen Namen zu nennen und hatte den schwächsten Auftritt. Darin war man sich einig. An dieses Investorengespräch hat die Standortförderung Grossinvestor Beyeler nicht eingeladen, obschon dieser nun bald eine halbe Milliarde Franken in Immobilien im Baselbiet angelegt hat.

Gärtnerei in Existenznot geraten

Am härtesten getroffen hat der Verkauf der Chuenimatt bisher die Gärtnerei Hug im 130. Jahr. Das Familienunternehmen mit 15 Angestellten konnte in ihren Liegenschaften unter Pacht auf dem Gelände wirtschaften und Pflanzen verkaufen: «Uns wurden von der Bau- und Umweltschutzdirektion Hoffnungen gemacht, wir könnten beim neuen Besitzer unter Dach kommen», sagt CEO Markus Hug. Dann sei man nur noch hingehalten und nicht mehr orientiert worden.

Auf Anfrage der Basler Zeitung stritt die Bau- und Umweltschutzdirektion zunächst ab, mit der Gärtnerei Hug in Kontakt gestanden zu haben: «Die BUD hat keine Kenntnis. Wir waren diesbezüglich nicht involviert», schrieb sie, um später kleinlaut einzuräumen, dass man Sitzungen gehabt, aber gegenüber der Gärtnerei keine Zugeständnisse gemacht habe.

Gemäss Recherchen der BaZ waren für die Vertreibung der Gärtnerei Hug die Ausbauwünsche der Wirtschaftskammer ausschlaggebend. Es soll beim ersten Baukörper in der ersten Bauphase zwei Untergeschosse mit etwa 500 Parkplätzen geben, bestätigen Planer von «Tri innova». Dies hätte die alten Liegenschaften der Gärtnerei Hug einsturzgefährdet.

Markus Hug mit seinen 15 Angestellten hat kurzfristig eine neue Bleibe erhalten: Ironischerweise bei Hermann Beyeler im Gebäude der angrenzenden BP-Tankstelle. Gegenüber seinem Retter ist er voll des Lobes. «Beyeler hat mir die Existenz gesichert. Er ist verlässlich.»

Hinter vorgehaltener Hand heisst es in der Baubranche, der Kanton wollte die Chuenimatt Grossinvestor Beyeler darum nicht gegeben, weil dessen «Imperium» mit dem angrenzenden Wasa- und Buss-Areal zu gross geworden wäre. Neid oder nur Angst vor einem Klumpenrisiko?

Der Prattler Alt-Gemeindepräsident Beat Stingelin vermutete zunächst Seilschaften zwischen Losinger-Marazzi und der Regierung. Aber nachdem er mit den Recherchen der Basler Zeitung konfrontiert worden war – dass die Wirtschaftskammer als Ankermieterin vorgesehen sei –, sagt er baff: «Jetzt ist der Groschen gefallen.»

Umfrage

Die Chuenimatt wurde an die Bricks Group AG verkauft. Diese hat die Wirtschaftskammer als Ankermieterin vorgesehen. Ist es gut, dass die Wirtschaftskammer nach Pratteln zieht?

Ja

 
27.5%

Nein

 
72.5%

553 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 08.12.2018, 07:32 Uhr

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