Dittingen

Ist der Flugplatz zu gefährlich?

Am Samstag ist in Dittingen ein Flugzeug im Landeanflug verunglückt. In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Unfällen auf dem Flugplatz gekommen.

Ins Gras gesetzt. Das Kunstflugzeug des Typs «Extra 300».

Ins Gras gesetzt. Das Kunstflugzeug des Typs «Extra 300». Bild: Polizei BL

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Samstagnachmittag, kurz nach halb vier. Auch in Dittingen setzten die Temperaturen zu Höchstleistungen an. Über dem Flugplatz flimmerte die Luft und da, nein, es war kein Trugbild der Hitze, da fiel plötzlich ein Flugzeug vom Himmel. Wie ein rot-blauer Ball prallte das Kunstflugzeug vom Typ «Extra 300» auf die Landepiste.

So abgestürzt, riss die «Extra 300» Rasenstücke aus dem Boden und liess im Tausch eigene Teile auf ihrer Schlitterbahn über das Rollfeld zurück. Der 52-jährige Pilot hatte Glück: Sein Malheur hat nur im Boden eine dicke Spur und Kratzer am Flugzeug hinterlassen. Er selber wurde von der Sanität Paramedic zwar ins Krankenhaus gebracht, konnte dieses aber ohne gravierende Verletzungen oder Schäden wieder verlassen. Auch Schaulustige oder andere Drittpersonen wurden keine verletzt. Der am Flugzeug entstandene Sachschaden dagegen ist sehr gross.

Abgestürzt, statt gelandet

«Das Flugzeug befand sich gemäss bisherigen Erkenntnissen im Landeanflug auf den Flugplatz Dittingen. Kurz vor der Landung sackte es einige Meter ab und prallte auf der Landepiste auf», fasst Nico Buschauer, Mediensprecher Polizei Basel-Landschaft, den Absturz zusammen. Weitere Abklärungen sind im Gange. Marx Mamie, in jüngeren Jahren Inhaber eines Berufspiloten-­Flugscheins, nun Besitzer einer Privat­lizenz, erklärt, wie es zum Vorfall hat kommen können: «Es ist typisch, dass der Absturz zum wärmsten Zeitpunkt des Tages stattfand. Denn je heisser die Luft ist, desto dünner wird sie. Man muss schneller fliegen, sonst reisst die Strömung» – und man fällt aus der Luft.

Ist der Flughafen mit seiner kurzen Landepiste und dem angrenzenden Wald, der längeres Rollen unmöglich macht, ein Problem? Besteht hier, wo alle zwei Jahre die Dittinger Flugtage – Showfliegen mit zahreichem Publikum – durchgeführt werden, ein erhöhtes Absturzrisiko? Fünf schwere Unfälle in den letzten 35 Jahren scheinen darauf hinzuweisen. Mamie schüttelt aber den Kopf: «Der Flughafen ist anspruchsvoll, aber kein Risiko. Ich habe ihn mehrere Male angeflogen.» Der Pilot hätte durchstarten müssen, als er merkte, dass die Piste zu kurz war: «Er fliegt ein sehr schnelles Modell, ich denke, er hat Angst bekommen und an Leistung zurückgenommen, weil er nicht im Wald landen wollte. Damit wurde er für die heisse Luft aber zu langsam.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.07.2015, 09:30 Uhr

Fünf schwere Unfälle in 35 Jahren

In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Unfällen auf dem Flugplatz Dittingen gekommen. Am 15. Juni 1980 stürzte ein Segelflugzeug ab. Der Pilot wird dabei schwer verletzt. Er hatte beim Windenstart die Mindestfluggeschwindigkeit unterschritten. Am 16. August 1986 wird einem Piloten eine Landeerlaubnis erteilt, obwohl er den Flugplatz noch nie angeflogen hat. Er touchiert Baumwipfel und stürzt ab. Die beiden Insassen bleiben unverletzt, das Flugzeug wird aber stark beschädigt. Am 11. April 2003 prallt ein Segelflugzeug in die Baumwipfel des angrenzenden Waldstücks. Er wird verletzt. Nach einem missglückten Landeanfang am 19. Juni 2005 sterben der Pilot einer Cessna 172 RG und eine Passagierin bei starkem Rückenwind. Der Pilot hat eine Sonderbewilligung für die Landung erhalten. Am 20. August des gleichen Jahres stirbt der Pilot einer nachgebauten Spitfire während der Flugtage bei schlechtem Wetter. Ende Augst 2013 crasht der Pilot eines 100 Jahre alten Flugzeuges. Er bleibt unverletzt. kt

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