ARLESHEIM

Polizei fängt Schatzsucher

Ein Mann suchte einen virtuellen Schatz im Villenviertel von Arlesheim. Gefunden wurde er hingegen selbst – von der alarmierten Baselbieter Polizei.

Spezielles Hobby. Geocacher machen sich, ausgerüstet mit einem GPS, auf moderne Schnitzeljagd.

Spezielles Hobby. Geocacher machen sich, ausgerüstet mit einem GPS, auf moderne Schnitzeljagd. Bild: pixelproducer / pixelio.de

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Plötzlich ist es vorbei mit der nächtlichen Ruhe am Arlesheimer Goldhügel. Vier Polizeiautos rasen den Rebberg hinauf, zwei normale Patrouillenfahrzeuge und zwei Kleinbusse des Wochendetachements. Gegen 20 Bewaffnete stürmen in Richtung des nahe gelegenen Walds und verhaften einen Verdächtigen, auf dem Kopf trägt er einen Helm und eine Stirnlampe, in der Hand hält er ein GPS-Gerät, ein elektronisches Navigationsgerät.

Ein Ehepaar kommt am Freitagabend gegen 20.30 Uhr nach Hause. Was es sieht, gefällt ihm gar nicht: Ein Mann mit einer Stirnlampe auf dem Kopf irrlichtert durchs Arlesheimer Villenviertel. Die Frau nimmt ihren Hund an die Leine und will nachschauen, was der Typ nachts in ihrem Quartier will. Sie sieht aber bloss noch, wie er im Wald verschwindet. Sie hat von Nachbarn gehört, dass oft eingebrochen wird in der Gegend. Sie tut das einzig Richtige und alarmiert die Polizei: Unbekannter, 50 bis 60 Jahre alt, verhält sich verdächtig, könnte ein Einbrecher sein. Rolf Wirz, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, bestätigt den Alarm vom Freitagabend. Nur: Ein Einbrecher sei nicht geschnappt worden. Der Verhaftete sei auf moderner Schatzsuche gewesen, ein harmloser Geocacher. Die Polizei habe ihn auf den Posten in Arlesheim gebracht, seine Personalien überprüft und ihn dann umgehend wieder freigelassen.

10'000 Schätze versteckt

Mit dem Mann sei alles in Ordnung gewesen, er sei nirgends registriert gewesen, sagt Rolf Wirz weiter. Und er hatte alles dabei, was ein Geocacher auf sich tragen muss; die Stirnlampe, ein GPS-Gerät und die Cache-Anleitung. Dass gleich vier Polizeiautos auf den Goldhügel gebraust sind, sei normal, sagt Wirz. Niemand konnte wissen, was dort oben los war, vielleicht sei es ja nur ein einzelner Einbrecher, vielleicht aber auch eine ganze Bande.

Geocaching wird zum trendigen Freizeitvergnügen. Allein in der Schweiz sind schon über 10'000 Schätze versteckt (Stand Ende 2010), weltweit wird die Zahl der Geocacher auf rund fünf Millionen geschätzt. Im Grunde ist Geocaching die elektronische Variante der uralten Schnitzeljagd. Irgendjemand versteckt einen wasserdichten Behälter mit einem Logbuch und allerlei Krimskrams an einem bestimmten Ort und veröffentlicht die Koordinaten im Internet. Mithilfe eines GPS-Empfängers machen sich jetzt die Geocacher auf die Suche nach diesem Schatz, eben dem Cache. Wer einen Cache findet, tauscht einen Gegenstand aus dem Behälter aus, trägt sich in das Logbuch ein und versteckt den Behälter wieder an derselben Stelle.

Ein Blick ins Internet zeigt, dass Arlesheim beliebt ist bei den Geocachern. Unter dem Namen Favela (Armensiedlungen auf den Hügeln über Rio de Janeiro) Arlesheim etwa schickt einer die Geocacher Richtung Burg Reichenstein. «Ein Spaziergang durch die Arlesheimer Steillagen. Geniesst das Ambiente», schreibt er und warnt gleich: «Um den Cache zu heben, braucht ihr keines der Grundstücke zu betreten (das wäre eh äusserst ungesund…).» Ungesund ist es manchmal auch, ohne dass man Grundstücke betritt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.11.2011, 14:02 Uhr

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