Urs Hintermann tritt zurück

Reinachs Gemeindepräsident Urs Hintermann zieht die Konsequenzen aus der Affäre um die Betreuerin des Asylheims und tritt zurück. Auch Gemeinderat Silvio Tondi geht diesen Weg.

Urs Hintermann fühlt sich ungerecht behandelt.

Urs Hintermann fühlt sich ungerecht behandelt. Bild: Christian Merz

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Reinach hat seit Dientagabend keinen Gemeindepräsidenten mehr. Gemeindepräsident Urs Hintermann (SP) und Gemeinderat Silvio Tondi (SP) haben ihren sofortigen Rücktritt eingereicht. Dies teilte die Gemeinde am Mittwochmorgen mit.

Bis zu den Wahlen und der Neubesetzung der vakanten Positionen übernimmt die Vize-Gemeindepräsidentin Béatrix von Sury die Amtsgeschäfte von Urs Hintermann.

Der Sozialdemokrat Hintermann ist über die Affäre um die freigestellte Mitarbeiterin des Asylheims gestolpert. Hintermann gibt in seinem Rücktrittschreiben allerdings den Medien, insbesondere der BaZ, die Schuld für seinen Rücktritt. Er spricht von einer «beispiellosen Hetzkampagne». Die BaZ hatte die Affäre publik gemacht und regelmässig darüber berichtet.

Als zweiten Grund für seinen Rücktritt nennt Hintermann das «politische Klima in der Gemeinde». Er habe zusammen mit dem Gemeinderat versucht, den Konflikt in konstruktive Bahnen zu lenken. Das sei aber nicht gelungen, nicht zuletzt deshalb, weil Mitglieder der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK), welche die Affäre aufarbeiten sollten, «bereits öffentlich über Schuld und Unschuld richten, bevor die Kommission ihre Prüfungstätigkeit auch nur aufgenommen hat.» So sei eine unvoreingenommene und faire Aufarbeitung nicht zu erwarten.

Von der eigenen Partei fallen gelassen

Hintermann sieht sich als Opfer einer «Informationsfalle». Aus Datenschutzgründen habe der Gemeinderat nicht transparent informieren können. Er sei enttäuscht darüber, «dass einzelne Mitglieder des Parlaments dieses Prinzip der Rechtstaatlichkeit nicht verstehen oder aber ganz bewusst ausnutzen, um den Gemeinderat in der Öffentlichkeit schlecht zu machen». Er schäme sich für das «respektlose Verhalten meiner Fraktion gegenüber der Gemeinderats-Vizepräsidentin».

Und dann holt Hintermann noch zu einem Schlag gegen die entlassene Mitarbeiterin aus. Er schaue mit Freude und Genugtuung auf die ersten zwölf Jahre seiner Amtszeit als Gemeindepräsident zurück. Es mache ihn darum traurig zu sehen, «wie es einer einzelnen Mitarbeiterin und einer Zeitung gelungen ist, diese gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb eines Jahres zu zerstören».

Hintermanns Parteikollege Tondi tritt aus dem Gemeinderat aus Solidarität zurück und macht in seiner Rücktrittserklärung deutlich, dass die beiden Sozialdemokraten auch den Rückhalt der eigenen Partei verloren haben. Entscheidend für seinen Rücktritt sei, «dass ich mein Vertrauen in einen Grossteil der SP-/Grünen-Fraktion verloren habe und keine ausreichende Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit mehr sehe», schreibt Tondi. (amu)

Erstellt: 06.09.2017, 10:06 Uhr

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