Reinach

Eine Südumfahrung Reinach, damit Tramverbindung entstehen kann?

An der Infoveranstaltung zur Verkehrsidee war Widerstand kaum erwünscht. Während der Debatte wurden der Individualverkehr und der ÖV immer wieder gegeneinander ausgespielt.

Eine Umfahrung soll Reinach entlasten.

Eine Umfahrung soll Reinach entlasten. Bild: Heinz Dürrenberger

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Die lokalen Mitteparteien CVP, BDP und GLP hatten am Donnerstagabend im Gemeindezentrum zur Informationsveranstaltung in Sachen umstrittene Südumfahrung Reinach geladen. Die Umfahrung soll die Bruggstrasse in Reinach entlasten, die als Verbindungsachse zwischen dem Leimental und der Autobahn H18 regelmässig verstopft ist.

Die rund zwei Kilometer lange Umfahrungsstrasse, die bereits Teil der vom Volk abgelehnten 37 Massnahmen der Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba) war, ist aktuell vom Käppeli, dem Grenzpunkt zwischen Reinach und Therwil, durch das Fiechtenquartier nach Aesch in den Durchstich angedacht und soll so den Verkehr aus dem Leimental via den geplanten Vollanschluss in Aesch auf die Autobahn H18 leiten. Gegen die Pläne gibt es Kritik. Der Fiechtenacker ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und würde durch den Strassenbau zerstört, warnten vor allem linksgrüne Kreise und Natur- und Umweltschützer.

Besserer ÖV-Anschluss

Die kritischen Stimmen kamen am Donnerstagabend zu kurz, auch wenn auf dem Podium intensiv über das Projekt diskutiert wurde. Kritik kam vor allem aus dem Publikum.

Für Umweltschützer Marco Agostini (Grüne) wäre es wichtiger, wenn die Dörfer, die «wirklich vom Verkehr belastet sind», wie Dornach oder Aesch, entlastet würden. Die Südumfahrung bedeute für die Autofahrer einen Umweg, was auch nicht sinnvoll sei. Mehrere Personen, darunter auch Jean-Jacques Welz (GL) auf dem Podium, warnten davor, dass sich der Stau nur verlagern würde. Der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr glaubt, dass auch bei einer Tunnellösung das Naherholungsgebiet leiden würde. Er zeigte seinerseits eine Alternative zur Südumfahrung auf: «Man könnte den Verkehr aus dem Leimental durch eine klare Beschilderung schon heute via Kreisel Bruggstrasse/Hauptstrasse in Reinach nach Aesch und so auf die Autobahn leiten.» Die Bruggstrasse müsste dafür für Autofahrer weniger attraktiv gemacht werden, wie es auch der Kanton vorsieht.

Jan Kirchmayr wurde ursprünglich von der GLP Reinach-Aesch-Pfeffingen eingeladen, um auf dem Podium direkt mit Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) und Kantonsingenieur Drangu Sehu über die Südumfahrung zu diskutieren. Doch der nicht vor klaren Aussagen zurückschreckende SP-Landrat wurde wieder ausgeladen. «Es hiess, es sei eine Informationsveranstaltung und sie wollen keine politische Diskussion», verrät Kirchmayr.

Für die Südumfahrung sprachen sich neben Sabine Pegoraro und Drangu Sehu auch Reinachs Gemeindepräsident Melchior Buchs (FDP) und der für Verkehr zuständige Gemeinderat Stefan Brugger (CVP) aus. Die Siedlungsentwicklung, die für Reinach bis 2035 rund 2400 und für die Birsstadt über 12'000 Einwohner mehr vorsieht, mache einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nötig, so Buchs.

Das Ziel des Gemeinderats ist seit Jahren klar: Therwil und Reinach sollen mit dem öffentlichen Verkehr besser an den Bahnhof Dornach-Arlesheim angebunden werden. Die heutigen Busverbindungen seien wegen der Stausituation zu wenig zuverlässig. Die gewünschte Tramverbindung ist aber mit dem derzeitigen Verkehrsaufkommen auf der Bruggstrasse nicht vereinbar, mahnten auch Baudirektorin Pegoraro und Kantonsingenieur Sehu.

Tunnellösung scheint fix

Noch sei die Südumfahrung erst eine Idee, versicherten die Kantonsverantwortlichen. Die Tunnellösung scheint aber sicher. Die Oberfläche soll geschont werden. Oberirdische Lüftungsschächte seien heute bei Tunnelbauten auch nicht mehr nötig, erklärte Drangu Sehu. «Autos sind heute sauber und werden es in zehn Jahren noch mehr sein.»

Während der Debatte wurden der motorisierte Individualverkehr und der öffentliche Verkehr immer wieder gegeneinander ausgespielt, obwohl Pegoraro klar machte, dass es für eine funktionierende Mobilität beides brauche. Für die scheidende Baudirektorin ist aber klar: «Strassen sind für uns lebenswichtig.» Davon profitiere auch der ÖV, Velofahrer und Fussgänger.

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Mit dem Projekt drohe die Verlagerung von Verkehrsproblemen des Leimentals ins Birseck, sagen Kritiker. Befürworten Sie den Bau des Teilstücks der Südumfahrung Reinach?

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 08.09.2018, 07:38 Uhr

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