PRATTELN

WC-Halt und Shopping seit 1978

Fast 3 Millionen Autos pro Jahr machen an der Autobahnraststätte in Pratteln halt. Die BaZ hat das geschäftige Treiben über der A2 einen Morgen lang beobachtet.

Millionen von Durchreisenden benutzen jährlich die Raststätte Pratteln für eine kurze Erholung. (Foto: Mischa Christen)

Millionen von Durchreisenden benutzen jährlich die Raststätte Pratteln für eine kurze Erholung. (Foto: Mischa Christen)

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Ein 85 Meter langer, schmaler Gang, links und rechts davon Geschäfte – vom Blumenladen bis zum Zigarrenshop – und mittendrin die «Hauptdarsteller», die zahlreichen Besucher: hier ein älterer Mann, der sich in aller Ruhe die neuen Uhren von Tissot genauer anschaut, da eine Frau, die schnellen Schrittes durch den Gang zur Toilette eilt. Und dort ein junger Mann in Anzug und Krawatte, stehend an einem Tisch im Café mit einem Stapel Akten vor sich. Das ist die Autobahnraststätte in Pratteln, die vom Schweizer Unternehmen Autogrill geführt wird. Seit 30 Jahren machen Auto- und Carreisende hier ihren Halt. Denn so alt ist die Raststätte inzwischen.

Am 26. Oktober 1978 wurde das Einkaufs- und Verpflegungszentrum über der damaligen N2, der heutigen A2, eröffnet. Später als eigentlich geplant; denn sechs Jahre zuvor schon hatte der Bund dem Bau zugestimmt. Die Baselbieter Regierung liess daraufhin ein Konzept erarbeiten. Die Ölkrise im Jahr 1974 verzögerte jedoch den Baubeginn, sodass erst 1976 damit angefangen wurde, wie Franka Palmi, Medienverantwortliche bei Autogrill, erklärt. Am Samstag vor 30 Jahren öffnete die Shopping-Brücke dann schliesslich doch noch ihre Türen für die Durchreisenden.

Blumen besorgen

Jährlich legen knapp drei Millionen Autos einen Zwischenstopp in Pratteln ein. Die Gründe für die Auszeit sind verschiedener Natur: WC-Halt oder Kaffeepause. Oder Ferienrückkehrer ergreifen die Möglichkeit, um der Nachbarin, die netterweise zu Hause die Pflanzen gegossen hat, einen kleinen Blumenstrauss mitzubringen. Oder Mann bringt Frau eine kleine Aufmerksamkeit von der Geschäftsreise mit. So wie das Giuseppe Cirillo an jenem Morgen gemacht hat. «Ich möchte in unserer Beziehung ein Zeichen setzen und habe dafür Karten gekauft», sagt der Verliebte.

Unter der Woche kämen täglich 80, an den Wochenenden 300 Käufer, sagt Karin Schilling, die Verkäuferin im Blumenladen. Damit – vorwiegend – Männer sich in der Raststätte auch selber etwas gönnen können, dafür sorgt der Tabakladen in der Shopping-Brücke, der für sein grosses Sortiment bekannt ist. Der deutsche Fernsehmoderator Johannes B. Kerner habe bei ihr schon Zigarren gekauft, erzählt Margrit Fluri, die Verkäuferin im Zigarrenladen.

Über 200 Mitarbeitende – zu Beginn 1978 waren es 100 – in 15 Geschäften sind in der Prattler Autobahnraststätte um das Wohl der Gäste besorgt. Damit ist sie «für Pratteln von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung», sagt Gemeindepräsident Beat Stingelin.

Doch neben der wirtschaftlichen Bedeutung ist die Raststätte mit ihrer speziellen Architektur auch ein besonderes Bauwerk. Dafür verantwortlich ist das Basler Architekturbüro Casoni & Casoni, das mit der Shopping-Brücke einen eigentlichen Blickfang geschaffen hat. Seit dem Jahr 2000 präsentiert sich die Autobahnraststätte nicht mehr in den für die Siebzigerjahre typischen Farben Orange und Braun, sondern in einem Knallgelb. Ihre auffällige Erscheinung löst bei vielen Baselbietern nach einer langen Reise Heimatgefühle aus. Denn kommt die gelbe Brücke in Sicht, ist es nicht mehr weit bis nach Hause. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.10.2008, 14:33 Uhr

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