Guten Tag, liebes neues Jahr

2019 wird ein Jahr voller Veränderungen. Tamedia übernimmt die BaZ und zudem bekommt die Zeitung einen neuen Chefredaktor.

Das neue Jahr bringt neue Veränderungen mit sich: Die BaZ wird von Tamedia übernommen.

Das neue Jahr bringt neue Veränderungen mit sich: Die BaZ wird von Tamedia übernommen. Bild: Keystone

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Das Jahr 2019 ist da. Was es uns allen bringen wird, kann man nicht wissen. Nur das: Dieser Zeitung bringt das neue Jahr einen neuen Chefredaktor.

Einige Kollegen haben vom bisherigen Chef Markus Somm schweren Herzens Abschied genommen, weil er ihnen viel Freiheit liess. Tatsächlich: Ich durfte schreiben, was ich wollte. Das machte den Kopf frei und Mut. War gut für eine altgediente Redaktorin. Zensur von oben gab es nicht.

Andererseits: Ist es in unseren Breiten nicht selbstverständlich, dass es keine Zensur gibt? Allein die Tatsache, dass die BaZ unter Verdacht geriet, ist schlimm genug. Und weiter: Warum soll ein Chef seine Leute zusammendonnern, solange er den Laden durch Personalpolitik steuern kann? Wie in jeder Firma und wie in jeder kulturellen Institution ist die Besetzung der Top-Positionen mit den passenden Leuten ausschlaggebend. Abweichler sind Zugabe, nice to have.

Neues Jahr, neues Glück

Liebes neues Jahr, ich weiss nicht, was du mit unserer Zeitung vorhast. Sicher Grossartiges, Zukunftsweisendes, die besten Kräfte aus Zürich, Basel und Bern bündelnd zum Allerbesten unserer Leserinnen und Leser, oder? Vielleicht bist du selber gespannt, du winziges neues Jahr, und wartest wie wir auf den grossen Aufbruch.

Ich bin seit 1988 dabei und weiss nur, was die dreissig alten Jahre gebracht haben. Sie brachten vier Chefredaktoren und Umstellung auf den PC; sie brachten eine unschlagbare Konkurrenz durch das Internet, Gratiszeitungen, Online-Produkte; sie brachten einbrechende Leserzahlen und auseinanderbrechende Ressorts, weil viele Kollegen entlassen wurden oder von sich aus die Flucht antraten, zu anderen Zeitungen, in andere Berufe.

«Basler Magazin»

Was wegbrach, sieht man nicht. Liebes neues Jahr, du bist noch sehr jung. Denk bitte kurz an die 30 Jahre, die vor deiner Zeit waren. Wir hatten einmal ein stolzes Medienhaus an der Grenze; mit grosser eigenständiger Redaktion, mit eigener Druckerei, Buchverlag, diversen anderen Zeitungen, mit Parkhaus und Restaurant.

Wir hatten früher ein «Basler Magazin». Das war die «politisch-kulturelle Wochenend-Beilage der Basler Zeitung», klug, unterhaltsam, gediegen aufgemacht, gute Fotos, gutes Papier.Wir hatten als Beilage eine zweisprachige Dreiland-Zeitung, auf Deutsch und Französisch, um die Brücke zu den Nachbarländern zu schlagen. Die Dreiland-Zeitung: Ein Schritt in die «Zukunft der Regionen», von der heute alle sprechen, die dem Zentralismus Paroli bieten wollen.

Wir hatten einmal ein tägliches Kultur-Magazin im damals angesagten Tabloid-Format. Mit immer neuen Serien und Serviceangeboten, mit pfiffigen Kolumnen und Kritiken von ausgewiesenen Fachleuten wollten wir mehr Leserinnen und Leser. Es gelang. Das belegt eine Studie.

Damals machte die BaZ Umfragen unter den Lesern und Werbeaktionen, erst recht, als ein neuer Chefredaktor mit neuem Konzept kam. Die BaZ wusste, was sie der Kulturstadt Basel schuldig ist. 1988 kümmerten sich vier Redaktoren und zwei feste Vollzeit-Mitarbeiter um Kultur. Das Kultur-Magazin danach hatte zeitweise zehn Redaktoren (700 Stellenprozente). Hinzu kamen viele freie Mitarbeiter.

Liebes neues Jahr 2019, du musst jetzt mit 240 Stellenprozenten in der Kultur rechnen. Andere BaZ-Ressorts sind geradezu ausgerottet. Dafür kann die BaZ fixfertige Artikel vom Zücher Tages-Anzeiger gratis übernehmen.

Machs gut, neues Jahr. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.01.2019, 09:27 Uhr

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