Amors Pfeil für Behinderte

Die Studenten Silvia Meyer und Armando Meier wollen Menschen mit einer Behinderung zusammenbringen. Dafür haben sie am Valentinstag ein entsprechendes Online-Portal gestartet.

Neu im Partnervermittler-Geschäft: Armando Meier und Silvia Meyer liessen sich von einem blinden Pärchen zu ihrer Kontaktbörse inspirieren.

Neu im Partnervermittler-Geschäft: Armando Meier und Silvia Meyer liessen sich von einem blinden Pärchen zu ihrer Kontaktbörse inspirieren. Bild: Moira Mangione

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Es ist eine hektische Zeit für die beiden neuen «Amors» aus dem Baselbiet: Nachdem Silvia Meyer und Armando Meier am Valentinstag ihre Partner- und Freundschaftsvermittlung «liebe-ohne-behinderung.ch» online gehen liessen, eilen sie von einem Pressetermin zum nächsten. «Wir müssen den Startschuss nutzen, um bekannt zu werden», sagt Silvia Meyer.

Die Grellingerin und ihr Freund Armando Meier stehen hinter dem Projekt, dessen Ziel das Zusammenbringen von Menschen mit einer Behinderung ist. Nachdem sie im Urlaub einem ­blinden Pärchen begegnet sind, war die Idee für eine Online-Plattform geboren: «Uns fiel auf, wie wenige solcher ­Pärchen man antrifft, und dass es auch im Internet für diese Leute kaum ­Möglichkeiten gibt, sich zu vernetzen», erklärt Silvia Meyer ihre Idee.

Mitglieder gesucht

Seit vergangenem Herbst hat sich die 22-jährige Psychologiestudentin in die Arbeit gekniet und die Plattform für ihre Zwecke hergerichtet. Sowohl sie als auch Armando Meier betreiben die Internetseite als Hobby – zumindest vorläufig: «Sollte die Nachfrage steigen, werden wir auch entsprechend mehr Zeit in das Projekt investieren», meint der 24-jährige Wirtschaftsstudent. Wenn er euphorisch in die Zukunft blickt, sieht er bereits einen Angestellten, der sich um die Pflege der Home­page kümmert.

Der Glaube an den Erfolg ist da. «Ansonsten hätten wir es nicht angepackt», so Meier. Weil die beiden von null auf neu starten, ist im Moment auch das Wichtigste, schnell einen angemessenen Mitgliederstamm zu erhalten. «Wir haben kein festgelegtes Ziel über eine bestimmte Mitgliederzahl. Wir wünschen uns nur, dass genügend Leute mit dabei sind, damit die Plattform lebt», so Armando Meier.

Verzicht auf Werbung

In den Kriterien sind der Himmelrieder und die Grellingerin denn auch sehr moderat: Mündig müssen die Mitglieder von «liebe-ohne-behinderung.ch» sein und über 18 Jahre alt. Ansonsten sehen sie keine Einschränkungen vor. «Es dürfen sich auch gerne Leute ohne eine Behinderung anmelden», betont Armando Meier. Und auch Informationen über seine Behinderung darf, muss aber keiner preisgeben. Wie sich die Mitglieder im Netz verhalten, ist dann ihnen überlassen.

Finanziert werden soll die Plattform über Mitgliederbeiträge, ähnlich wie bei anderen Partnervermittlungsseiten. Mit dem grossen Unterschied, dass die Gründer von «liebe-ohne-behinderung.ch» auf Werbung verzichten möchten. «Die Leute bezahlen für einen Service ohne unnötige Unruhen», sagt Silvia Meyer.

Keine Sonderbehandlung

Es ist eine Gratwanderung, die Meyer und Meier vollführen, wenn sie Behinderten eine Plattform geben wollen, ohne sie dadurch zu bevormunden oder auf einen «Sondersockel» zu heben. Die beiden sehen darin allerdings kein Problem, ganz im Gegenteil: Gerade weil die Plattform im Internet ist, hätten auch Leute mit einer Behinderung keine Sonderbehandlung nötig, sind die beiden überzeugt. Mit dieser besonderen Plattform müssten die Behinderungen der Leute auch nicht immer explizit betont werden. «Durch meine Arbeit mit Querschnittgelähmten und Hirnverletzten weiss ich aber auch, wie wichtig den betroffenen Leuten der Austausch ist», erzählt Silvia Meyer.

«Gerade wenn die Behinderung neu ist, wollen die Leute darüber sprechen. Und das können sie oftmals besser mit ‹Gleichgesinnten› als mit ihren Partnern.» Auch deshalb soll «liebe-ohne-behinderung.ch» über eine übliche Partnervermittlung hinausgehen. Wichtig ist für die Plattform die Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Ob sich daraus eine Liebesbeziehung, eine Reisebegleitung oder eine Freundschaft entwickelt, sei sekundär. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.02.2014, 15:58 Uhr

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