«Balicha wollte mich eigenhändig umbringen»

Thaiboxer Shemsi Beqiri spricht erstmals über den Überfall seines Kontrahenten Paulo Balicha. Beqiri glaubt, dass Balicha auf ihn eifersüchtig ist.

Erhebliche Verletzungen: Shemsi Beqiri wurde unter anderem die Nase gebrochen.

Erhebliche Verletzungen: Shemsi Beqiri wurde unter anderem die Nase gebrochen. Bild: Pierre Stoffel

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BaZ: Herr Beqiri, wie schwer wurden Sie letzte Woche beim Überfall auf Ihren Kampfsportclub verletzt?
So schwer, dass ich meinen Kampf am 8. März absagen musste. Die maskierten Schläger haben mich mit Baseballschlägern an der Hand und an den Beinen verletzt. Dann ist Paulo Balicha mit Schlagringen auf mich losgegangen und hat mir die Nase gebrochen.

Dass es zwischen Ihnen und Paulo Balicha Spannungen gibt, ist schon länger bekannt. Hat Sie dieser Überfall wirklich überrascht?
Sehr, ich habe zuerst gedacht, das seien Räuber. Aber der Überfall war zu exakt geplant. Jeder wusste genau, was er zu tun hatte. Und als Paulo Balicha zwischen den Maskierten auftauchte, wusste ich, worum es ging.

Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?
Das kann ich nur schwer beschreiben. Vor allem hatte ich Angst um die Kinder, die gerade trainiert haben. Am Anfang dachte ich, wenn es nur gegen mich geht, lasse ich mich halt schlagen. Aber irgendwann habe ich realisiert, der will mich umbringen. Als ich mich dann gewehrt und Balicha niedergeschlagen habe, ist die Situation endgültig eskaliert. Einer der Schläger hat mich gewürgt und ein zweiter hat mit einem Baseballschläger auf mich eingeschlagen. Danach weiss ich nichts mehr. Einer meiner Schüler hat mir wohl das Leben gerettet. Ich bin immer noch geschockt vom ganzen Vorfall. Ich hab abends Probleme beim Einschlafen.

Offenbar gab es bereits seit Längerem Anzeichen, das so was passieren könnte.
Balicha hat schon vor zwei Jahren gesagt, den Kampf gegen mich gebe es sowieso – entweder im Ring oder auf der Strasse. Als wir hörten, dass er einen Überfall auf den Club plant, sind wir zur Polizei und haben eine Verfügung erwirkt. Wir haben auch schon mehrfach die Schule vorübergehend geschlossen, weil wir Hinweise hatten, dass es zu einem Überfall kommen soll. Wir haben gemacht, was wir konnten, aber es hat nichts gebracht.

Dieses Mal waren Sie unvorbereitet?
Ja, es gab keine Anzeichen oder Drohungen. Im Nachhinein ist aber klar: Der Angriff war geplant und der Zeitpunkt wurde gezielt ausgewählt. Man konnte mir jetzt am meisten schaden. Man hat mir meinen Kampf kaputt gemacht und den Namen meines Trainingscenters negativ in die Schlagzeilen gebracht.

Was ist eigentlich das Problem zwischen Ihnen und Balicha?
Ich war früher sein Schüler. Mittlerweile bin ich sein Konkurrent. Ich bin elffacher Weltmeister und habe Sachen erreicht, die er nie geschafft hat. Darauf ist er eifersüchtig.

Ihr beide habt euch auch immer wieder gegenseitig provoziert, vor allem auch im Internet.
Das hab ich auch gehört. Ich habe allerdings keine Ahnung, was damit gemeint ist. Vor allem kann ich mir nicht vorstellen, was das für eine Provokation gewesen sein muss, dass er dafür meine Schule stürmt und uns mit Base­ballschlägern verprügelt.

Im Nachhinein: Hätte man die Situation entschärfen können?
Ich habe immer gesagt, wenn du ein Problem hast, können wir das besprechen. Aber das war nie ein Thema. Es ging nur darum, mir zu schaden.

Der Vorfall wurde von den Angreifern gefilmt. Können Sie sich das erklären?
Ich glaube, Balicha wollte mich eigenhändig umbringen und das festhalten. Die haben das gefilmt und Spass daran gehabt.

Wie haben Ihre Kunden reagiert?
Unterschiedlich. Vereinzelte haben nach dem Vorfall gekündigt. Von der überwiegenden Mehrheit erhalte ich viel Unterstützung – gerade von den Kindern, die bei mir trainieren. Das berührt mich sehr.

Der Schaden ist riesig. Können Sie noch weitermachen?
Es wird sicher nicht einfach und wir müssen uns sicher etwas einfallen lassen. Wir werden uns sicher Überwachungskameras anschaffen. Im Nachhinein gesehen hätten wir das schon längst tun sollen. Nächsten Montag wollen wir das Sportcenter wieder aufmachen.

Heisst das, Sie gehen davon aus, dass die Angelegenheit nun erledigt ist?
Das hoffe ich. Ich hoffe, Balicha erhält seine gerechte Strafe. Nun ist auch klar, dass er gefährlich ist und mit Mafia-Methoden operiert.

Immerhin sind die maskierten Schläger noch immer auf freiem Fuss.
Klar ist die Angst immer noch da. Aber ich habe 15 Jahre hart und ehrlich für das gearbeitet und lasse mir das von niemandem kaputtmachen. Solange ich lebe, werde ich weitermachen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.03.2014, 12:54 Uhr

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