Betroffenheit nach Elmex-Schliessung in Therwil

In Therwil gehen nach der Elmex-Werksschliessung 98 Stellen verloren. In der Baselbieter Gemeinde zeigen sich viele konsterniert über das Ende des Gaba-Produktionsstrandorts.

Die bekannte Schweizer Zahnpasta-Marke Elmex wurde vor acht Jahren vom amerikanischen Colgage-Palmolive-Konzern geschluckt. Nun wird rationalisiert.

Die bekannte Schweizer Zahnpasta-Marke Elmex wurde vor acht Jahren vom amerikanischen Colgage-Palmolive-Konzern geschluckt. Nun wird rationalisiert. Bild: Keystone

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Vor einigen Tagen ist bekannt geworden, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre bei Gaba in Therwil 98 und in Lörrach 140 Stellen abgebaut werden. Die Produktion wird nach Polen verlagert, während Forschung und Entwicklung in Therwil bleiben (die BaZ berichtete). Zu den bekanntesten Marken von Gaba gehören die Zahnpflegeprodukte Elmex, Meridol und Aronal.

«Irgendwie war das absehbar», sagt ein älterer Mann im Zentrum Therwils. Als das traditionsreiche Unternehmen vor acht Jahren an den US-amerikanischen Colgate-Palmolive-Konzern gegangen sei, habe er befürchtet, dass die Tage des Produktionsstandorts Therwil gezählt sein könnten. Das habe man ja auch schon bei andern Übernahmen durch Amerikaner festgestellt.

Eine Frau möchte nicht so gerne Auskunft geben. Sie wohne noch nicht so lange in Therwil, man solle doch jemanden fragen, «der sich besser auskennt». Für die Betroffenen sei es aber «sehr bedauerlich». Auch ein Mann, der mit seinem Enkel durch das Dorf bummelt, denkt an die Betroffenen. Er werde aber wohl trotzdem weiterhin mit Elmex, dem bekanntesten Produkt von Gaba, die Zähne putzen.

Schweizer sind markentreu

«Ich werde mir überlegen, ob ich nicht die Zahnpasta wechseln soll», überlegt sich dagegen ein junger Mann, der gerade vom Velo steigt. Andere Befragte wollen nicht so weit gehen, denn schliesslich sei Elmex «ein gutes Produkt». Eine Frau führt zur Begründung aus: «Wir Schweizer sind doch markentreu.» Es brauche viel, bis man eine lieb gewonnene Marke aufgebe, solange man mit dem Produkt zufrieden sei.

Ein Mann aus Bättwil schimpft über die früheren Eigentümer: «Sie haben einen hohen Millionenerlös gemacht und sich aus der sozialen Verantwortung gestohlen.» Dann hält er inne und sagt, man könne natürlich wenig dagegen unternehmen, wenn Eigentümer ihre Aktien verkauften, sobald ein sehr gutes Angebot vorliege.

Aus Ettingen stammt ein Mann, der bedauert, dass damit erneut ein Schlag gegen den Werkplatz Schweiz erfolge. Vielleicht müssten die Wirtschaftsförderer der Kantone über die Bücher, regt er an. Statt immer mehr auf Life Science zu setzen, sollte man besser dafür sorgen, dass auch Produktionsstandorte erhalten blieben.

«Aber offenbar ist der Werkplatz Schweiz zu teuer»; deshalb verschiebe Gaba wohl diese 240 Arbeitsplätze aus der Region Basel nach Polen. Es sei zwar gut, wenn die Schweiz, insbesondere die Region Basel, Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Biologen, Pharmazeuten, Chemiker und andere akademische naturwissenschaftliche Berufe anbiete. Es brauche aber einen «gesunden Mix», also Arbeitsplätze sowohl in der Produktion als auch in der Forschung und Entwicklung oder im Bereich der Dienstleistungen.

Gutes Angebot nimmt jeder an

Ein junger Mann zuckt mit den Schultern. Da lasse sich wenig dagegen unternehmen. Sobald Aktionäre ein gutes Angebot erhielten, verkauften sie ihre Aktien. Das sei wohl bei den früheren Gaba-Aktionären der Fall gewesen. Und er räumt ein: «Das würden die meisten so machen.»

«Ein Hohn ist das», ärgert sich eine junge Frau. Auf Nachfrage erzählt sie, dass sie sich die Mühe gemacht habe, auf der Website von Gaba im Internet nachzusehen. Dort stehe: «Die Gaba-Gruppe handelt verantwortungsvoll als Arbeitgeber, Marktpartner, Produzent, Teilnehmer in einem gesellschaftlichen und ökologischen System», liest sie aus dem Papier vor, dass sie sich ausgedruckt hat und seit Tagen mit sich herumträgt. Das seien nur «schöne Worte». (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.11.2012, 14:12 Uhr

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