Der Harassenlauf wird nicht mehr verboten

Beim Harassenlauf werden die Zügel ein bisschen gelockert: Die Baselbieter Regierung erlässt dieses Jahr keine Verbote – dies ist allerdings kein Freipass zum Besäufnis am 1. Mai.

Nicht immer so friedlich: Der Harassenlauf von Reinach zum Park im Grünen ist seit Jahren ein Politikum (Bild vom 1. Mai 2011).

Nicht immer so friedlich: Der Harassenlauf von Reinach zum Park im Grünen ist seit Jahren ein Politikum (Bild vom 1. Mai 2011). Bild: Dominik Plu?ss

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Der Sprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion wählt seine Worte mit Bedacht: «Wir werden dieses Jahr von Verboten absehen. Wir versuchen, für eine bessere Lösung Hand zu bieten und hoffen, dass die Gegenseite die Hand nimmt», sagt Adrian Baumgartner. Nachdem der Harassenlauf in den letzten Jahren jeweils strikt verboten und rigoros überwacht wurde, setzen die Verantwortlichen nun auf Deeskalation. Das Alkohol- und Fahrverbot an der Route der Birs entlang, das seit 2010 jeweils am 1. Mai galt, wird heuer nicht erlassen. Auch verzichtet die Migros auf die Sperrung des Parks im Grünen, wo der Harassenlauf traditionell endet und wo immer die grössten Sachschäden zu verzeichnen waren.

«Es ist einen Versuch wert, zum Normalzustand zurückzukehren. Es geht nicht an, dass viele unter ein paar wenigen zu leiden haben», fasst Baumgartner die Überlegungen zusammen. Die Verantwortlichen betrachten die neue Handhabe als Pilotprojekt und spielen den Ball den Harassenläufern zu: «Die, welche so was durchführen wollen, haben es in der Hand, wies läuft», sagt Baumgartner. «Wenn unser Vertrauen enttäuscht wird, stehen wir erstens bereit und zweitens werden wir über die Bücher gehen müssen. Dann liesse man uns keine Wahl. Die nächsten Jahre würden wir möglicherweise wieder einen restriktiven Kurs fahren müssen.»

Die Polizei kann eingreifen

Die neue Deeskalationspolitik soll keinesfalls als Freipass zum Massenbesäufnis verstanden werden. Denn die Polizei hat weiterhin eine Handhabe. Ein Teil der Lex Harassenlauf, welche die Gemeinden Reinach und Münchenstein vor vier Jahren erlassen haben, ist im Reglement der jeweiligen Gemeindepolizeien verankert und somit andauernd gültig. Demzufolge sind «Versammlungen von mehr als 200 Personen für den gemeinsamen Alkoholkonsum» bewilligungspflichtig.

Und auch bei einer geringeren Anzahl Teilnehmer könnte die Polizei den Harassenlauf falls nötig unter dem Begriff «Strassenumzug» oder «Demonstration» verbuchen und einschreiten. Die Frist für die Einreichung einer Bewilligung läuft am Montag ab. «Bisher hat sich kein Veranstalter gemeldet», so Baumgartner. Und es ist auch nicht anzunehmen, dass sich jemand dem Risiko aussetzt, schlussendlich den Kopf hinhalten zu müssen. In den letzten Jahren hiess das jeweils automatisch, dass die Veranstaltung verboten wurde.

2009 eskalierte die Situation

Die dafür notwendigen gesetzlichen Bestimmungen wurden erlassen, nachdem 2009 ein Mann bei einer Gruppenschlägerei ein Auge verloren hatte und ein Sachschaden im sechsstelligen Bereich zurückblieb. Rund 2000 Bierselige hatten damals am Massenbesäufnis teilgenommen. Geschäftstüchtige fuhren mit dem Lieferwagen vor, um möglichst viel Pfandflaschen zu sammeln. Innert weniger Jahre war der Harassenlauf von einem spielerischen Wettkampf einer Handvoll Kollegen, bei dem es darum ging, die knapp fünf Kilometer vom Reinacher Schwimmbad bis zum Park im Grünen möglichst schnell zu absolvieren und dabei zu zweit eine Harasse Bier zu trinken, zu einem Massenbesäufnis gewachsen.

Vor drei Jahren griff die damalige Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro rigoros durch: 420 Polizisten und ein Armeehelikopter waren im Einsatz, um die knapp 300 übriggebliebenen Teilnehmer zu überwachen. In den Folgejahren sank die Zahl der Harassenläufer weiter. Letztes Jahr absolvierten gerade noch 40 Unbeirrbare den Bier-Parcours. «Wir müssen schauen, wie sich das Ganze entwickelt. Möglicherweise hat sich das Phänomen auch überlebt», sagt Adrian Baumgartner. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.03.2013, 07:57 Uhr

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