Der König der Wälder kehrt zurück

Der Rothirsch drängt wieder in die Nordwestschweiz – erstmals konnte er im Fricktal fotografiert werden.

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Es war ein ganz gewöhnlicher Montagabend vor knapp drei Wochen, als bei Jäger Reto Deiss in Hornussen das Telefon klingelte. «Ich glaube, ich habe Rothirsche gesehen», erzählte ihm ein Jagdkollege, der auf der Höhe Richtung Frickberg einen Hof bewirtschaftet. Hastig packte Reto Deiss, Jagdleiter und -aufseher des Jagdvereins Hornussen Hund Crixus in den Wagen, setzte sich ans Steuer und fuhr durch das fallende Laub Richtung Frickberg. Vor einem Maisacker parkte er das Auto, stieg aus und was er sah, bewegte ihn zutiefst: Zwei kapitale Rothirsche standen in der Dunkelheit und sahen ihm gespannt entgegen, den Kopf mit dem stolzen Geweih hoch erhoben, der Körper gespannt, bereit zur Flucht.

«Wir wussten, dass er langsam einwandert, doch noch niemand sah ihn so richtig beziehungsweise konnte ihn fotografieren», sagt Deiss, derweil Crixus unruhig in den Herbstwald blickt. Der grosse stolze Münsterländer ist ein ausgebildeter Jagdhund. Reto Deiss setzt ihn ein, um verletzte Tiere aufzuspüren.

Gämse und Waschbär

Natürlich schlägt das Jägerherz höher, wenn er den König der Wälder in der Nordwestschweiz trifft, wo das stolze Tier als nahezu ausgestorben galt. Und doch schlagen zwei Herzen in seiner Brust. «Zum Anschauen ist er super, doch es wird wieder einiges auf uns zukommen», sagt Reto Deiss.

Schon jetzt siedeln sich in den Fricktaler Wäldern vermehrt als verdrängt geltende Tierarten an. Von den Gämsen gibt es auf dem Frickberg und im Mettauertal zurzeit ganze Rudel. Auch der Luchs, der Waschbär und der Marderhund tasten sich vor, und seit Jahrzehnten fühlen sich Wildschweine in den Wäldern der Nordwestschweiz wieder heimisch. Gerade diese machen jedoch den Landwirten grosse Probleme, da sie ihnen auf der Suche nach den eiweisshaltigen Würmern und Insektenlarven die Wiesen und Felder umpflügen.

Hirsch in der Fotofalle

Die Förster hingegen bangen bei der Wiederkehr des stolzen, bis zu 130 Kilogramm schweren Hirsches um ihre Bäume. Denn ausgewachsene Tiere fegen ihr Geweih an Zweigen oder Sträuchern, um die Basthaut abzustreifen, und dadurch können schwächere Bäume Schaden nehmen.

Dass der stolze Hirsch in die Wälder der Nordwestschweiz zurückzukehren scheint, zeigt auch das Bild einer Fotofalle, die die Jagdgesellschaft Kästhal-Brugg aufgestellt hat. Im Kästhal bei Effingen konnte ein Tier, nicht identisch mit den Hirschen auf dem Ausläufer des Frickbergs, fotografiert werden.

Erfreut über den Zuwachs in den Fricktaler Wäldern ist Erwin Osterwalder, Jagdverwalter-Stellvertreter im Kanton Aargau. «Wir haben zwar schon früher einzelne Tiere bemerkt, doch dass gerade drei Stiere gesehen wurden, ist besonders», sagt er. Klar sei, dass der Rothirsch wieder ins Fricktal dränge. «Er erobert sich seinen Lebensraum zurück.» Schon früher sei er im Fricktal zu Hause gewesen.

Den Jagdverwalter-Stellvertreter freut die Flexibilität dieses Tieres, er ist sich jedoch bewusst, dass es auch bangere Stimmen gibt. «Bezüglich Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen haben wir noch wenig Erfahrung. Die müssen wir zuerst sammeln», sagt er. Die Bejagung ist im Massnahmenplan Rotwild geregelt und im Fricktal vorläufig noch tabu: «Damit beginnen wir, wenn ganze Rudel, das heisst Kuh, Kalb und der vorjährige Nachwuchs, da sind», sagt Osterwalder.

Noch kein Abschuss

«Es ist wichtig, dass die Jagdverwaltung bald ein Management für den Abschuss macht, damit wir gewappnet sind, falls der Andrang grösser wird», sagt Jäger Deiss. Doch im Moment ist man sich einig: Ein Abschuss kommt noch nicht in Frage.

Auch im Magazin Schweizer Jäger sind lediglich positive Stimmen vertreten: Jagd Aargau fordert, dass bis zur vollständigen Wiederbesiedlung jagdliche Reduktionsmassnahmen zurückhaltend angeordnet werden. Dem König der Wälder solle ausreichend Gelegenheit geboten werden, im neuen Lebensraum heimisch zu werden. Und Thomas Laube, Präsident der Stiftung Wildtiere Schweiz, wird folgendermassen zitiert: «Wir sprechen uns dezidiert für die Wiedereinwanderung des Rotwildes aus.» Der Hirsch solle nicht schon bejagt werden, wenn sich erst kleine Rudel gebildet haben. Er warnt auch vor einer Panikmache über Schäden durch das Einwandern des Rotwildes. «Lasst den Hirsch kommen. Er ist im Aargau verwurzelt.»

Umfrage

Zwei kapitale Rothirsche hat Jäger Reto Deiss im Fricktal gesehen. Jetzt bangen Förster um die Bäume. Soll der Rothirsch das Gebiet zurückerobern?

Ja

 
88.6%

Nein

 
11.4%

780 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 13.10.2018, 10:09 Uhr

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