Der Niedergang der F. Gaugler AG

Ein wütender Ex-Mitarbeiter wirft der Baselbieter Landratspräsidentin und KMU-Inhaberin Daniela Gaugler Geldgier und Misswirtschaft vor.

Sieht sich Vorwürfen augesetzt: Daniela Gaugler im Landrats­saal.

Sieht sich Vorwürfen augesetzt: Daniela Gaugler im Landrats­saal. Bild: Moira Mangione

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38 Jahre lang hat Gipser Franz Sälinger für die Firma F. Gaugler AG seine Knochen hingehalten. Hat geschwitzt und gekrampft, bis sein Körper kurz vor der Pensionierung nicht mehr mitspielte. Spricht der Rentner aus dem deutschen Rheinfelden über Ferdinand Gaugler, den Gründer und langjährigen Inhaber der Lausner Firma, mit dem er auch privat befreundet war, glänzen seine Augen. «Ein Patron erster Güte, der wusste und schätzte, was wir auf dem Bau leisten». Doch dann kam Schwiegertochter Daniela Gaugler.

Der heute 79-jährige ehemalige Büezer hat auf die Landratspräsidentin eine riesige Wut. Er macht der Verwaltungsrätin der F. Gaugler AG den Vorwurf, ein florierendes Kleinunternehmen mit 18 Angestellten an die Wand gefahren zu haben. «Als sie und ihr Mann Christoph den Laden von Vater Gaugler übernahmen, ging es steil bergab.» Tatsächlich besteht das Gipsergeschäft heute nur noch auf dem Papier. Die Website funktioniert nicht mehr. Die Angestellten sind fort. Geblieben sind die Inhaber: Daniela Gaugler (VR) und ihr Ehemann Christoph (VR-Präsident).

Krankengeld nicht ausbezahlt

In der Samstagausgabe hatte die BaZ aufgedeckt, dass gegen das Ehepaar Gaugler Betreibungen von rund 173'000 Franken eingereicht worden sind. Der Termin beim Friedensrichter steht bereits. Bei den Gläubigern handelt es sich um die Brüder von Christoph Gaugler, die sich im Zusammenhang mit dem Umbau eines Ferienhauses übervorteilt sehen. Franz Sälinger überrascht diese Nachricht nicht. Auch er sei von der höchsten Baselbieterin über den Tisch gezogen worden. Sälinger spricht beim Treffen in seinem Garten explizit von Daniela Gaugler. «Sie ist die treibende Figur.»

Als Sälinger in den Jahren vor seiner Pensionierung wegen körperlicher Beschwerden arbeitsunfähig geschrieben wurde, zahlte nach seiner Darstellung die Krankenkasse 2000 Franken Krankengeld an die Firma Gaugler. Dieses Geld, das eigentlich ihm zustand, habe er bis heute nicht erhalten, sagt er. Trotz mehrfachen Nachfragens und eingeschriebenen Briefs. Einen Anwalt engagierte er nicht. «Das war mir zu blöd.» Doch er hält fest: «Daniela Gaugler ist geldgierig und eigennützig.»

Unwissen ausgenutzt

Auch italienische Handlanger, die für die Firma wertvolle Dienste erbracht hätten, seien nicht korrekt entschädigt worden. Man habe ihnen nicht die Stundenzahl vergütet, die sie tatsächlich geleistet hatten. «Das Unwissen der Italiener wurde ausgenutzt. Unter Firmengründer Ferdinand Gaugler wäre dies niemals vorgekommen», sagt Sälinger. Er spricht von einem Wandel der Betriebskultur, der Einzug gehalten habe, als die Gauglers in der Firma das Zepter übernahmen.

Gemäss Handelsregisterauszug gehört ihnen die F. Gaugler AG seit dem Jahr 2003. Mit der Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern sei es vorbei gewesen. Betriebsausflüge und Weihnachtsessen wurden aufs Minimum reduziert. «Am Ende habe ich die Anlässe boykottiert. Die Stimmung war zu traurig.» Auch Boni wie unter der alten Führung gabs keine mehr. Auch der Dienstwagen hätte ihm entzogen werden sollen. Sälinger wehrte sich.

Keine öffentlichen Aufträge

Verliessen Angestellte das Unternehmen, wurden sie nicht ersetzt. Das KMU sei regelrecht ausgeblutet. «Kunden sind abgesprungen, weil ihnen plötzlich pingelig Rechnungen gestellt wurden.» Während die Aufträge ausblieben, wurde das Büropersonal um zwei Vollzeitstellen aufgestockt. «Begriffen hat das niemand.»

Sälinger spricht von Misswirtschaft und dem raschen Geld, das man vor Augen gehabt habe. Derweil habe die Qualität auf dem Bau nachgelassen. Das führte letztlich offenbar so weit, dass die F. Gaugler AG in Lausen von der öffentlichen Hand keine Aufträge mehr erhält. Dies hat ein Mitarbeiter der Lausner Bauverwaltung gegenüber Drittpersonen bestätigt.

Daniela Gaugler wollte sich zu den neuen Anschuldigungen nicht äussern. Interviews will die Landratspräsidentin bis auf Weiteres keine mehr geben. Ihr Mann Christoph Gaugler weist die Vorwürfe gegen die Firma als «haltlos» zurück. Als ehemaliger Präsident des Gipserverbands Baselland hätte er sich ein solches Verhalten nie leisten können. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.08.2014, 07:47 Uhr

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Ist wütend auf Gaugler: Franz Sälinger kritisiert die Landratspräsidentin. (Bild: Christian Keller)

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