Der Spagat der Waldbesitzer

Die Wälder der Region werden überrannt von Sportlern und Spaziergängern. Derweil rotieren viele Waldbesitzer bei deren Unterhalt im roten Bereich. Neue Investitionen in die Holzverarbeitung sollen nun Besserung bringen.

Im Spannungsfeld zwischen Holzwirtschaft und Waldpflege: Daniel Wenk, Vorstandsmitglied des Waldwirtschaftsverbands beider Basel und Revierförster von Liestal über den Spagat der Waldbesitzer. (Video: Joël Gernet)

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Die Nutzung des Waldes ist so vielfältig wie dessen Flora und Fauna. Weil Waldholz aber seit Jahrzehnten weniger Geld einbringt, beschert der Spagat zwischen Holzwirtschaft und Waldpflege den Landbesitzern nicht selten ein Defizit. Dass der Wald gleichzeitig grosser Beliebtheit erfreut bei Freizeitsportlern und Spaziergängern, macht die Sache auch nicht einfacher. «Viele Leute erwarten Wege, auf denen man problemlos mit einem Kinderwagen spazieren kann», sagt Clive Spichty, Präsident der Bürgergemeinde und Waldchef von Münchenstein. Wir befinden uns im Auwald neben Fussballplatz und Schiessstand, in der Ferne rauscht die kantonale Autobahn.

Wie in den meisten Baselbieter Gemeinden gehört auch in Münchenstein ein Grossteil des Waldes der Bürgergemeinde. Diese finanziert sich weitgehend durch die Waldwirtschaft und erhält keine Steuergelder. Was machen also mit dem 40'000-Franken-Defizit, das die Waldwirtschaft in Münchenstein Jahr für Jahr einfährt? Die Forstleistungen reduzieren zum Beispiel: Spichty erinnert sich an den Vita Parcours, den man vor ein paar Jahren aus dem Auwald entfernen liess und stattdessen hunderte Jungbäume setzte. «Wir konnten die Sicherheitsholzung nicht mehr bezahlen», erinnert sich der Waldchef. Die sportlichen Waldnutzer waren wenig begeistert – und rissen die Pflanzungen wieder aus.

Gebühren für die Waldnutzung?

Die Waldnutzung im Spannungsfeld von Holzwirtschaft, Pflege und Freizeit birgt also durchaus Konfliktpotenzial. Dass man aber gewisse Waldstücke wegen Übernutzung komplett sperrt, wie dies etwa in Allschwil geschah, ist nicht wünschenswert in den Augen von Andreas Klein, Präsident des Waldwirtschaftsverbands beider Basel (WbB). Auch von einer gebührenpflichtigen Wald-Vignette, wie sie der WbB vor einem Jahr andeutete, möchte man vorerst absehen, wie Daniel Wenk, Vorstandsmitglied und Revierförster von Liestal, sagt.

Natürlich könnte man gewisse Waldstücke sich selber überlassen – dann sei jedoch deren Nutzung als kostenloser «Freizeitpark» gefährdet. Wie weiter also? Nachdem sich der Waldwirtschaftsverband in den vergangenen beiden Jahren bei seinem Medienspaziergang die finanzielle Zwickmühle der Waldbesitzer bereits aufgegriffen hat, zeigt er nun, wie man künftig Holz zu Geld machen will – schliesslich hat nicht jede Bürgergemeinde Baulandreserven, mit deren Verkauf man die Waldpflege quersubventionieren kann.

Einnahmen dank Holzenergie

Es wäre ja zu schön, wenn man die gefällten Bäume auf direktem Weg zu Geldscheinen verarbeiten könnte. So einfach ist es selbstverständlich nicht. Damit die Waldwirtschaft wieder rentiert, setzt man verstärkt auf Holzenergie: So hat sich die Raurica Wald AG – das Unternehmen der WbB-Mitglieder – an einer Altholzfirma beteiligt, von der man zur Holzlagerung Landreserven zukaufen will. Dank verbesserter Infrastruktur soll ausreichend Material für ein weiteres Holzkraftwerk in der Region sichergestellt werden. Schon heute produzieren die Waldbesitzer jährlich über 120'000 Kubikmeter Hackholz, welches teilweise im eigenen Holzkraftwerk in Basel verheizt wird. Das bringt immerhin einen Zusatzertrag von eineinhalb Millionen Franken.

In einem zweiten Projekt setzt der Waldwirtschaftsverband auf Qualität und Innovation und besinnt sich dabei auf die Stärken der Buche, die wegen ihrer Verbreitung im Baselbiet auch «Brotbaum» genannt wird. Gemäss WbB-Präsident Andreas Klein wird in der Schweiz fast kein Laubholz mehr verarbeitet. Das will man nun durch den Kauf eines Sägewerkes ändern. In diesem soll das eigene Holz weiterverarbeitet und veredelt werden. Die Machbarkeit des 20-Millionen-Projekts steht gemäss Klein kurz vor dem Realisierungsentscheid. «Es ist allerdings nur mit Investoren finanzierbar», sagt Klein. Über beide Projektideen werden die Aktionäre der Raurica Wald AG im Herbst entscheiden.

Bis Holzenergie und Buchenbretter eines Tages tatsächlich Geld abwerfen, dürfte es noch etwas dauern. Und die Bewirtschaftung der rege genutzten Wälder bleibt eine Herausforderung – nicht nur finanziell. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.08.2013, 17:24 Uhr

Im Dienst des Waldes: WbB-Präsident Andreas Klein, der Münchensteiner Waldchef Clive Spitchy und Daniel Wenk, Vorstandsmitglied und Revierförster. (Bild: Joël Gernet)

Zerfall des Holzpreises

Vor 40 Jahren finanzierte der Erlös eines Kubikmeters Holz den Wochenlohn eines Försters. Heute reichts für knapp eine Stunde.
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