«Die Bevölkerung denkt nicht schwarz-weiss»

Der Grünliberale Hans Furer kandidiert als Vertreter der politischen Mitte für den Ständerat. Er hofft auf einen zweiten Wahlgang.

Hans Furer will sowohl das soziale als auch das liberale Spektrum abdecken.

Hans Furer will sowohl das soziale als auch das liberale Spektrum abdecken. Bild: Florian Bärtschiger

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Herr Furer, die Grünliberalen haben am Mittwochabend Ihre Kandidatur bei den Ständeratswahlen im Oktober beschlossen. Ist damit Ihre Partei auch vom Entscheid entbunden, sich für die linke oder die bürgerliche Seite entscheiden zu müssen?
Nein, darum geht es uns nicht. Das Manko bei der Ständeratswahl liegt bei der bisherigen Ausgangslage in der Mitte. Wir haben als Grünliberale er­kannt, dass es eine Alternative in der politischen Mitte geben muss.

Gegen wen treten Sie jetzt an, gegen Claude Janiak von der SP oder gegen Christoph Buser von der FDP?
Ich trete nicht gegen jemanden an, sondern für ein eigenes Mandat im Ständerat. Die Ständeratswahl ist eine Persönlichkeitswahl, und dafür stelle ich mich als Person zur Verfügung. Es ist bekannt, dass ich kein Freund der Wirtschaftskammer bin, nicht etwa weil die Wirtschaftskammer schlecht arbeitet, sondern weil zu viel Macht bei ihr konzentriert ist und sie diese auch noch dauernd ausbauen will.

Schaden Sie mit Ihrer Kandidatur nicht vor allem dem wieder kandidierenden Ständerat Claude Janiak?
Wenn es drei Kandidierende gibt, ist es möglich, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommt. Dies wäre ein Erfolg. Denn in einem zweiten Wahlgang zu einem separaten Termin können die Wählerinnen und Wähler bewusster überlegen, wen sie für den Kanton Baselland in den Ständerat schicken. Damit könnte eine Wahl herausschauen, die reflektierter ist.

Sie waren während vier Jahren als kantonaler Politiker im Landrat tätig. Reicht das aus, um sich für den Ständerat zu empfehlen?
Während 14 Jahren war ich regelmässig als Lobbyist in Bern tätig. Dabei befasste ich mich mit Themen aus den Bereichen Angestellte, Sozialversicherungen und Kultur. Den politischen Betrieb im Bundeshaus kenne ich deshalb bereits bestens, sodass ich mich nicht zuerst während vier Jahren einarbeiten müsste.

Welches sind inhaltlich Ihre politischen Ziele?
Generell braucht der Kanton Baselland einen Ständerat, der die Bevölkerung in einer möglichst grossen Bandbreite vertreten kann. Ich könnte sowohl das soziale als auch das liberale Spektrum abdecken. Inhaltlich habe ich über 20 Jahre Erfahrung im Bereich der Sozialversicherungen. Dazu kommt mein kulturelles Engagement. Wichtig ist auch, dass unsere Nordwestschweizer Interessen in Bern besser gegen das Lobbying auf der Achse Zürich–Bern vertreten werden. Nehmen Sie nur mal einen Augenschein im modern ausgebauten Bahnhof Zürich. Im Basel SBB sieht es noch gleich aus wie vor 100 Jahren. Ähnliches gilt für die Universitätspolitik, wo unsere Region auch schlecht wahrgenommen wird.

Was sagen Sie zum Argument der Bürgerlichen, ein bürgerlicher Kanton müsse in Bern auch durch einen bürgerlichen Ständerat vertreten werden?
Die Bevölkerung muss selber wissen, ob es jemanden braucht, der schwarz-weiss denkt, oder jemanden, der auch in Zwischentönen überlegt. Auch eine Minderheit darf nicht dauernd übergangen werden. Ein Ständerat muss alle vertreten. Ich bin überzeugt, dass die Bevölkerung nicht schwarz-weiss denkt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.05.2015, 15:15 Uhr

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