Die Renaissance der Jungparteien

Nebst den Juso und den jungen Grünen wollen nun auch die Bürgerlichen aktiv werden. Die junge SVP kann einiges von den Jungsozialisten lernen.

Uniformierte Truppe: Für die Junge SVP ist die Politik eine höchst ernsthafte Angelegenheit.

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Im einheitlich schwarzen Poloshirt, allesamt die Hände hinter dem Rücken verschränkt, sodass die Arme beinahe einen rechten Winkel bilden, präsentiert sich der achtköpfige Vorstand der Jungen SVP (JSVP) Baselland auf ihrer neu gestalteten Homepage. Der Fotograf habe ihnen empfohlen so zu posieren, sagt Präsident Gabriel Bieli. In den Einzelporträts zeigen sich die jungen Männer – Frauen sucht man vergeblich – hingegen in Hemd, Jacke und Krawatte. Schliesslich sei Politik etwas Seriöses.

Seit Monaten arbeiten die acht 19- bis 22-Jährigen, die alle aus dem Laufental stammen, am Wiederaufbau der Jungpartei. Der neue Internetauftritt ist nur ein Teil davon; am 26. März fand zudem die erste Mitgliederversammlung statt seit der neuen Zusammensetzung des Vorstands. Bald soll auch das Parteiprogramm, das vor allem auf das Baselbiet zugeschnitten sein wird, aufgeschaltet werden.

Jahrelang hat man von der JSVP weder gehört noch gelesen. «Wenn man kein passendes Team hat, ist es schwierig, etwas auf die Beine zu stellen, geschweige denn neue Mitglieder zu gewinnen», sagt Gabriel Bieli. Dies soll sich nun aber ändern. Der Vorstand, der seit einem Jahr in der aktuellen Zusammensetzung wirkt, hat sich zum Ziel gesetzt, die in der Versenkung verschwundene Partei wieder auf Vordermann zu bringen. Dies brauche aber Zeit, weshalb eine Teilnahme an den kommenden Nationalratswahlen im Herbst kein Thema sei. Jetzt gehe es vor allem darum, einen Mitgliederstamm aufzubauen, so Bieli. Die Mutterpartei soll dafür als Vorbild dienen.

Juso zählen 106 Mitglieder

Doch auch von den Baselbieter Jungsozialisten (Juso) könnte die JSVP einiges lernen. 2003 konnte die Partei dank der Mithilfe von SP-Regierungsrat Urs Wüthrich ihr Comeback feiern. Den Durchbruch schafften die Juso aber erst nach langer Aufbauarbeit im Jahr 2011 mit der Lancierung der Transparenz-­Initiative. Seither ist die bunte, engagierte Truppe nicht mehr von der politischen Bühne wegzudenken. Es gibt kaum ein Thema im Baselbiet, zu dem sich die jungen Linken nicht verlauten lassen – manchmal schiessen sie auch übers Ziel hinaus.

Bunte Truppe: Die Baselbieter Juso sind von der politischen Bühne kaum mehr wegzudenken.

Inzwischen zählt die Partei 106 Mitglieder, und sie wächst kontinuierlich weiter. Linke Jungparteien seien in der Regel gut vernetzt – auch an Schulen, sagt Juso-Co-Präsidentin Julia Baumgartner. «Wir sind zudem eine sehr gemischte Partei und haben dadurch die Möglichkeit, verschiedene Jugendliche anzusprechen.» Im Vergleich wirke etwa der äusserst männerlastige Vorstand der JSVP gerade bei jungen Frauen wohl eher abschreckend. Hinzu komme, dass die Juso viele Jugendthemen abdecke, sagt Baumgartner. Für bürgerliche Jungparteien sei es indes schwierig, mit Themen zu punkten, die ausschliesslich Jugendliche betreffen.

In der Tat sei es nicht ganz einfach, junge Leute für bürgerliche Themen zu gewinnen, bestätigt denn auch Florian Sennhauser, Vizepräsident der Jungfreisinnigen Baselland (JFBL). Wie die JSVP arbeitet auch die JFBL an ihrem Wiederaufbau. «Wir waren lange nicht mehr aktiv, auch, weil viele von uns an diversen Standorten in der Schweiz studiert haben», sagt Sennhauser. Mit einem starken Auftritt bei den Wahlen und einer von der Mutterpartei losgelösten Kampagne hofft die Partei, neue Mitglieder anzusprechen. Zu diesem Anlass soll auch die neue Homepage aufgeschaltet werden. Ob sich der Vorstand in Hemd und Krawatte oder eher im Freizeittenü präsentieren wird, sei noch offen.

Unter den Jungparteien im Kanton gewinnt auch das Junge Grüne Bündnis Nordwest immer mehr an Bedeutung. Zusammen mit den Juso haben die jungen Grünen kürzlich die Demokratie-­Initiativen lanciert. Für ihr Engagement kassierte die Partei an der letzten Versammlung der Grünen Baselland viel Lob. Kaum wahrnehmbar ist im Baselbiet hingegen die Junge CVP (JCVP). Als Grund nennt Parteipräsidentin Géraldine Häring in erster Linie das berufliche Engagement der Vorstandsmitglieder. «Uns gibts aber noch», ­versichert sie. Die JCVP wird mit einer eigenen Liste zu den Wahlen antreten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.04.2015, 08:41 Uhr

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