Forsche Bieler, reservierte Benkemer

Vor 40 Jahren wurde aus den beiden Gemeinden Biel und Benken das neue Gemeinwesen Biel-Benken. Seither hat diesen Schritt niemand mehr im Baselbiet gewagt.

Gepunktete Grenze. Auf der Schülerkartedes Kantons Baselland von 1958 ist die von Norden nach Süden verlaufende Grenze zwischen Biel und Benken noch eingezeichnet.

Gepunktete Grenze. Auf der Schülerkartedes Kantons Baselland von 1958 ist die von Norden nach Süden verlaufende Grenze zwischen Biel und Benken noch eingezeichnet.

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Am 1. Januar 1972 wurde die jüngste Gemeinde im Kanton Baselland geboren: Auf dieses Datum hin fusionierten Biel und Benken. Die Stimmberechtigten der beiden zuvor eigenständigen Dörfer im hinteren Leimental hatten der Zusammenlegung am 15. November 1970 an der Urne zugestimmt. Die Benkemer, so zeigte das Resultat, standen der Heirat mit den Bielern aber viel skeptischer gegenüber als umgekehrt.

«Erwartungsgemäss», so schrieben die «Basler Nachrichten», «ergab sich in Biel ein überwältigendes Mehr von 210 Ja gegenüber 35 Nein, während in Benken das Verhältnis mit 168 Ja gegenüber 127 Nein weitaus weniger extrem ausfiel.» In Benken aber, wo die Fusionsfrage «doch stärker als existenziell empfunden» wurde, gingen 90 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne, in Biel hingegen bloss 65 Prozent. 1350 Einwohner zählte die neue Gemeinde damals, heute sind es 3150.

Wie in der Jurafrage

Die Fusionszeit muss für die damals Beteiligten prägend gewesen sein, denn die Erinnerungen sind noch sehr lebendig und in vielen Details präsent. «Das ging im Wahlkampf zu wie bei der Jurafrage», sagt Kurt Stiegeler, 77-jähriger Landwirt, Fusionsbefürworter aus dem damaligen Biel und Mitglied des ersten Gemeinderats von Biel-Benken unter dem Preesi Paul Dill. «Die Benkemer sind noch eigensinniger als die Bieler», sagt er zu den Gründen, warum man westlich der Friedrich-Oser-Strasse, die in etwa der alten Grenze entspricht, der Fusion teilweise sehr reserviert gegenüberstand. Als man dann die alte Benkemer Schule zur neuen gemeinsamen Gemeindeverwaltung gemacht hatte, sei wieder etwas Ruhe eingekehrt, so Stiegeler. Dass die Zusammenlegung zustande kam, habe man nicht zuletzt den Frauen zu verdanken, glaubt Stiegeler: Bei ihrer erstmaligen Teilnahme an einer Gemeindesabstimmung hätten sie den Ausschlag für das Ja gegeben.

Das Thema sollte aber über den 1. Januar 1972 hinaus die Gemüter bewegen. Es habe Fusionsgegner gegeben, die sich nicht mit den neuen Verhältnissen hätten abfinden wollen. Stiegeler erwähnt beispielsweise einen Benkemer Bürger, der eine Art Rückkommensantrag auf die Fusionsabstimmung gestellt habe, damit aber beim Baselbieter Regierungsrat abgeblitzt sei. Und bis heute, so Stiegeler, gebe es Benkemer, die Wert darauf legten, dass sie nicht etwa Bieler seien. «Die Gegner waren noch lange unzufrieden, aber sie mussten sich eben anpassen», sagt auch Hans Vogt (89). Für den ersten Gemeindeverwalter von Biel-Benken ging der Zusammenschluss aber «reibungslos» über die Bühne.

Progressive und Behäbige

Viktor Zihlmann (71), Kenner der Dorfgeschichte und damals gegen die Fusion, begründet die unterschiedliche Haltung der beiden Dörfer mit den «politisch verschiedenen Charakteren» von Biel und Benken: «Biel war aus Benkemer Sicht sehr links-progressiv, während Benken ein behäbiges, aber selbstbewusstes Bauerndorf war.» Dass Biel, der Weiler, das Hauptdorf quasi «überfahren» konnte, habe auch mit einer Benkemer Eigenheit zu tun gehabt, einem zumindest anfänglich «beobachtenden Stillhalten», wie Zihlmann es nennt. Erst mit der Erarbeitung eines Leitbilds für Biel-Benken, wie es der spätere Basler Nationalrat Paul Wyss vorgeschlagen hatte, hätten die Benkemer ihre Vorstellungen in das neue Gemeinwesen eingebracht und so aus einer gewissen Resignation herausgefunden. Auch hier zeigt sich: Ein blosser Verwaltungsakt war die Fusion ganz sicher nicht.

Unmittelbarer Auslöser für die Zusammenlegung war die fast zeitgleiche Pensionierung der beiden nebenamtlichen Gemeindeschreiber. Der Gemeinderat von Biel habe das Anliegen eines Zusammenschlusses an die Kollegen aus Benken herangetragen, die aber, so Stiegeler, wenig begeistert reagiert hätten. Dies trotz der Tatsache, dass die Vereine keinen Unterschied zwischen Biel und Benken machten und die beiden Gemeinden bei vielen kommunalen Aufgaben, zum Beispiel Feuerwehr und Schule, ganz selbstverständlich zusammenarbeiteten. Auch was die Bürger- und die Kirchgemeinde sowie die Armenfürsorge anging, bestand längst Einheit.

Zwei Rechnungen

Die enge Zusammenarbeit hatte aber auch ihre Tücken, wie Stiegeler sagt: «Als Kommandant der gemeinsamen Feuerwehr musste ich vor der Fusion immer zwei Rechnungen schreiben, weil Biel und Benken für neue Anschaffungen einen bestimmten Kostenschlüssel kannten.» Auch die Entscheide gemeinsam abgehaltener Gemeindeversammlungen mussten vor dem Jahr 1972 an getrennten Abstimmungen bestätigt werden.

In einer Frage mindestens konnten sich die skeptischen Benkemer durchsetzen, beim gemeinsamen Wappen nämlich. Es zeigt eine weisse Rhombenreihe auf rotem Grund. Das Beispiel zeigt aber auch, wie nahe sich Biel und Benken vor dem Zusammenschluss schon waren: Biel hatte dasselbe Wappen wie Benken – mit umgekehrten Farben allerdings. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.01.2012, 07:32 Uhr

Elisabeth Schneiders Vorbild für Fusionen

«Man kann die politischen Grenzen aufheben, ohne dass man deswegen gleich seine Identität verliert» – das sagt Elisabeth Schneider, die in den Jahren 2000 bis 2010 als Biel-Benkemer Gemeindeverwalterin wirkte. Schneider hat sich denn auch in ihrer Zeit als CVP-Landrätin mit Vorstössen für die «Förderung von Gemeindezusammenschlüssen», für «Strukturreformen im Baselbiet» oder für die «Simulation eines Kantons Basel» einen Namen, aber auch einige Feinde gemacht. Just das Beispiel ihrer Wohngemeinde Biel-Benken zeige doch, dass man solche Zusammenschlüsse mit Zuversicht angehen könne, sagt Schneider, die inzwischen Nationalrätin ist. Und sie fügt an: «Wir haben aber auch heute noch zwei Fasnachtsreedli – eines in Biel und eines in Benken.»

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