Keine Chance für Express-Tram

Die Tramabkürzung am Margarethenstich erleidet Schiffbruch.

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Baudirektorin Sabine Pegoraro ist gestern erneut mit einer Verkehrsvorlage gescheitert. Überraschend haben die Baselbieter Stimmberechtigten den Verpflichtungskredit von 14 Millionen Franken für die Tramverbindung Margarethenstich abgelehnt. Mit 56,87 Prozent Nein-Stimmen fiel der Entscheid deutlich aus. Klar gegen das Projekt war dabei die Gemeinde Binningen, auf deren Gebiet die umstrittene Abzweigung Richtung Bahnhof Basel SBB realisiert worden wäre. 71,58 Prozent votierten in Binningen mit Nein.

Positiv überrascht war gestern der frühere Binninger FDP-Landrat Roger Moll, der das Referendum gegen die Tramverbindung initiiert und organisiert hatte. Das politische Establishment hatte seine Argumente lange nicht ernst genommen. Er und sein kleines Komitee seien im Abstimmungskampf stets aktiv gewesen, sagte Moll. Dies sei wohl vom Stimmvolk bemerkt und honoriert worden. «Wir haben immer gehofft, dass wir Erfolg haben», meinte Moll. Nach dem überaus deutlichen Entscheid zugunsten des Margarethenstichs im Landrat hatte zunächst niemand damit gerechnet, dass es überhaupt zu einem Volksentscheid kommen würde.

Mit der neuen Verbindung hätte die BLT die Linie 17 direkt zum Bahnhof Basel SBB und weiter ins Kleinbasel führen wollen. Heute verkehrt die Linie 17 in die Basler Innenstadt, die Linie 10 auf dem längeren Weg über den Theaterbogen zum Bahnhof SBB. Die Gegner einer Verbindung über den Margarethenstich hatten vor allem mit dem unnötigen 14-Millionen-Kredit für den kleinen Zeitgewinn und mit den befürchteten Verkehrsproblemen bei den Verzweigungen Dorenbach und Margarethen gegen das Projekt angekämpft. Von den etablierten Parteien hatte einzig die SVP die Nein-Parole beschlossen.

Leimental geschlossen dagegen

Gestern wurde die Kreditvorlage in den meisten Gemeinden verworfen. Ja-Mehrheiten gab es einzig in Arlesheim, Liestal, Duggingen, Hersberg, Seltisberg und Waldenburg. Deutlich gegen die Tramverbindung über den Margarethenstich stimmten die Gemeinden im Leimental, die von der schnelleren Tramverbindung an den Bahnhof Basel SBB profitiert hätten. Im Leimental waren neben Binningen auch Bottmingen (61,8 Prozent Nein), Therwil (58,65), Ettingen (59,64), Oberwil (56,78) und Biel-Benken (51,93) dagegen. Noch höhere Nein-Stimmen-Anteile gab es in einigen Oberbaselbieter Gemeinden, so in Liedertswil (82,26 Prozent Nein), Lauwil (78,22) und Lampenberg (71,88).

SVP-Landrat Hanspeter Weibel, der sich im Abstimmungskampf für ein Nein zur Kreditvorlage engagierte, meinte gestern, im Baselbiet sei man heute kritisch eingestellt, wenn es um Ausgaben für den öffentlichen Verkehr gehe, der ohnehin schon subventioniert sei. Seiner Meinung nach haben die Kosten und die absehbare Behinderung des Individualverkehrs an den neuralgischen Kreuzungen den Ausschlag gegeben. Die Nein-Mehrheiten im Leimental liessen nur einen Schluss zu: «Ein Bedürfnis für die Tramlinie gibt es nicht.»

Auf der Verliererseite zeigte sich die Regierung nach wie vor davon überzeugt, dass die beim Volk durchgefallene Tramverbindung «für das Leimental mit seinen 60'000 Einwohnerin nen und Einwohnern äusserst wichtig gewesen wäre». Der Regierungsrat nehme das Abstimmungsresultat «zur Kenntnis».

Zu wenig Engagement

Klartext sprach Ständerat Claude Janiak (SP), der für ein Ja gekämpft hatte: «Es ist nicht gelungen, den übergeordneten Nutzen der Verbindung aufzuzeigen.» Dies hänge auch mit dem geringen Engagement der Befürworter zusammen. «Es ist komisch, dass man es zwei national tätigen Politikern überlassen wollte, die Kohlen aus dem Feuer zu holen, während sich die meisten kantonalen Politiker vornehm zurückhielten.» Das Nein nicht erwartet hatte BLT-Direktor Andreas Bütiker – auch weil Kundenbefragungen nicht darauf schliessen liessen. Er akzeptiere jedoch das klare Ergebnis. Die BLT müsse jetzt nach einer anderen Lösung für ihre Linie 17 suchen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.09.2017, 12:09 Uhr

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