Neue Harmos-Abstimmung in Sicht

Das Komitee Starke Schule Baselland lanciert eine Volksinitiative für den Austritt aus dem Konkordat. Damit müsse der Lehrplan 21 im Baselbiet nicht eingeführt werden.

Hurra, die Schule brennt: Die Baselbieter Schullandschaft wird ordentlich durchgeschüttelt.

Hurra, die Schule brennt: Die Baselbieter Schullandschaft wird ordentlich durchgeschüttelt. Bild: Keystone

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Steht Harmos im Baselbiet vor dem Aus? Gestern hat das Komitee Starke Schule Baselland eine Volksinitiative lanciert, die den Austritt des Kantons Baselland aus dem Harmos-Konkordat vorsieht. Hinter dem Volksbegehren steht ein heterogenes Initiativkomitee. Mit einem zweiten Begehren soll zudem gleichzeitig auch die Sekundarlehrer-Ausbildung neu organisiert werden.

«Die Schule hat sich in den letzten Jahren deutlich in die falsche Richtung entwickelt», sagte gestern Saskia Olsson vor den Medien in Liestal. Olsson ist Geschäftsleiterin des Komitees Starke Schule Baselland. «Harmos ist gescheitert», hielt sie fest. Die interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule habe die kantonalen Unterschiede nicht ausgemerzt. Im Gegenteil: «Sie sind grösser als vorher.» Olsson zählte als Belege dafür die neu geschaffenen Unterschiede beim Fremdsprachenunterricht, die von Kanton zu Kanton verschieden zusammengesetzten Sammelfächer wie Physik-­Chemie-Biologie sowie die nach wie vor uneinheitlichen Stundentafeln auf. Identisch seien die Stundentafeln nicht einmal in den beiden Basel.

Widerstand gegen Lehrplan 21

Mit der Initiative wolle das Komitee die bereits beschlossenen und vollzogenen Harmonisierungsschritte zwar nicht rückgängig machen, sagte Olsson. Nach einem Harmos-Austritt müsse jedoch der Lehrplan 21 im Baselbiet nicht eingeführt werden. Dieser setze statt auf Lerninhalte und Fachwissen auf eine Vielzahl von Kompetenzen – eine Philosophie, die ihr Komitee ablehne. Zudem müssten nach einem Harmos-Austritt nicht mehr alle Schüler zwingend zwei Fremdsprachen lernen. Für das Sekundarschulniveau A könne es für fakultativ erklärt werden.

Hinter dem Initiativkomitee stehen Politikerinnen und Politiker aus fast allen Parteien. Dennoch trat an der Medienkonferenz in Liestal allein Geschäftsleiterin Olsson auf. Fragen nach den eigenen Vorstellungen für eine Schulharmonisierung und nach Alternativen zur Umsetzung des vom Volk auf Bundesebene beschlossenen Verfassungsartikels konnte niemand beantworten. Weitere Komiteemitglieder waren zwar im Saal anwesend, sagten aber nichts. Michael Weiss, Interimspräsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland, sagte, man könne sich erst Mitte März dazu äussern.

Grüne distanzieren sich

Am prominentesten im Initiativkomitee vertreten sind die Grünen und die SVP. Mit dabei sind auch Mitglieder der Bildungskommission des Landrats: Paul Wenger, Caroline Mall, Georges Thüring (alle SVP), Michael Herrmann (FDP), Sabrina Corvini (CVP) und Jürg Wiedemann (Grüne).

Die Grünen distanzierten sich nach Abschluss der Medienkonferenz von der Initiative. In einem von Parteipräsidentin Florence Brenzikofer und Marie-­Theres Beeler unterzeichneten Communiqué teilen die Grünen mit, die Initiative verunsichere die Bevölkerung und fördere die Bürokratie.

Initiative zur Lehrerausbildung

Die nötigen Unterschriften für die Initiative für den Harmos-Austritt will das Komitee bis Anfang Mai zusammentragen. Gleichzeitig hat das Komitee gestern auch eine zusätzliche Initiative «Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen» lanciert. Dieses Begehren richtet sich indirekt gegen die Sekundarlehrer-Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule. Die Initiative verlangt, dass der Kanton nur noch Lehrkräfte anstellt, die ihr Fachstudium an einer Universität absolviert haben. Diesen sogenannten konsekutiven Studiengang gibt es bereits. Dem Komitee schwebt eine dreijährige Fachausbildung in drei Fächern an der Universität vor, gefolgt von einem neu ein Jahr langen Lehrer-Ausbildungsgang an der Pädagogischen Hochschule. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.02.2014, 16:55 Uhr

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