Neuer Lebensraum für bedrohte Arten

Von der Birs-Revitalisierung haben diverse Kleinfische sowie Nasen und Aeschen profitiert. Doch es gibt auch klare Verlierer.

Kein Platz für Bachforellen: Die renaturierte Birs beim Basler Breite Qurtier.

Kein Platz für Bachforellen: Die renaturierte Birs beim Basler Breite Qurtier. Bild: Juri Weiss

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Die Renaturierung des untersten Abschnittes der Birs von St. Jakob zur Rheinmündung hat den Fluss belebt, wie der Evaluationsbericht externer Experten belegt. Die 2002 bis 2004 erfolgte Renaturierung mit dem Projektnamen «BirsVital» könne «aus fischökologischer Sicht als grosser Erfolg gewertet werden», bilanziert in dem Bericht das Büro «WFN Wasser Fisch Natur» in Gümmenen BE. Beteiligt waren auch die Ämter für Umwelt und Energie der beiden Basel und die Baselbieter Fischereiaufsicht.

Das früher öde gerade Betonkorsett der Birs mit Querschwellen ist vielfältigen Lebensraumtypen mit unterschiedlichen Wassergeschwindigkeiten und -tiefen sowie Verstecken gewichen. Markant besser sei die so genannte «Längsvernetzung»: Heute könnten Fische aus dem Rhein wieder gut zuwandern.

Bedrohte Nase zurückgekehrt

Vor allem die Nase steigt nun wieder zahlreich (bis 400 Tiere) und gross (bis 65 cm) zum Laichen in die Birs auf. Auch Aeschen fühlen sich wohl, wie zahlreiche geschlüpfte Larven belegen; sie sind aber meist kleiner als früher. Sogar ein einzelner Lachs aus dem Zuchtprogramm wurde 2010 beim Abfischen für den Bericht erwischt.

Die Artenvielfalt ist mit «BirsVital» zwar von früher 15 Fischarten auf 13 gesunken. Weil aber die als wertvoller taxierten Bachneunauge (landesweit stark gefährdet) und Nase (vom Aussterben bedroht) neu aufgetaucht sind, sei das Verschwinden kleinerer Weissfischarten qualitativ zu verschmerzen.

Grosse Verliererin ist die Bachforelle, die früher dank Besatz in Fronarbeit zahlreich vorkam: 2010 wurde bei den Testfischen noch ein einziges erwachsenes Exemplar registriert - neben einigen «Sömmerlingen» unter 13 Zentimetern Länge. Immerhin pflanzen sich Forellen gemäss dem Bericht in der Birsfelder Birs natürlich fort.

Abschied von der Bachforelle

Erklärt wird das Verschwinden der Forellen im Bericht mit zu hohen Wassertemperaturen im Sommer, die auch die tödliche Fischkrankheit PKD fördern. Zudem wurden die meisten tieferen Stellen im Bach, wo sich grössere Fische gern aufgehalten hatten, wegrevitalisiert. An den Fischern liegt es kaum: Deren Fangstatistiken werden immer leerer.

Die Birsfelder Birs sei halt eher «kein optimaler Lebensraum für die Bachforelle», lautet das Fazit des Berichts. Die Autoren wollen nun stattdessen die bedrohte Nase unterstützen: Dazu solle man wenig Raubfische einsetzen, fischfressenden Vögeln «soweit möglich Einhalt gebieten» und zur Laichzeit «Betretungsverbote» durchsetzen.

Ernüchternd ist der Befund des Berichts zu einer bereits 1997 renaturierten Vergleichsstrecke in Münchenstein. Dort wurde 2010 zum Beispiel keine einzige Aesche mehr gefangen. Mögliche Gründe seien Strukturdefizite und die schlecht funktionierende Fischtreppe in der Neuen Welt; so fänden Fische von unten her kaum dorthin. (amu/sda)

Erstellt: 03.08.2011, 11:54 Uhr

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