Oberster Jäger im Visier der Ermittler

Der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch steht im Verdacht, illegale Jagden bewilligt zu haben. Die über ein Dutzend Vorwürfe werfen kein gutes Licht auf den obersten Jäger.

Vorwurf der Vetterliwirtschaft: Ignaz Bloch steht in der Kritik.

Vorwurf der Vetterliwirtschaft: Ignaz Bloch steht in der Kritik. Bild: Tino Briner

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Gegen den Baselbieter Kantons­tierarzt und obersten Jäger Ignaz Bloch läuft ein internes Verfahren. Dies zeigen Recherchen der BaZ. Ausgelöst wurde dieses, als die Polizei im Frühjahr 2012 im Baselbiet eine illegale Jagd stoppte. Die Jäger beriefen sich auf eine Sondergenehmigung von Bloch, was dieser ­vehement abstritt. Im Laufe der Er­mittlungen stiess die Polizei jedoch auf weitere Ungereimtheiten im Umfeld des Kantonstierarztes.

Zuletzt kamen über ein Dutzend Vorwürfe gegen Bloch zusammen, die kein gutes Licht auf den obersten Baselbieter Jäger werfen: Offenbar konnte der langjährige Chefbeamte in seiner Abteilung Veterinär-, Jagd- und Fischereiwesen, die nicht in Liestal, sondern in Sissach beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain untergebracht ist, nach Gutdünken und ohne grosse ­Kontrolle schalten und walten. Dabei soll der 58-Jährige mehrfach gegen das Jagdgesetz verstossen haben.

So wird Bloch etwa vorgeworfen, Jagdpässe an ausserkantonale Jäger ­abgegeben zu haben, ohne dass er sich um entsprechende Einschränkungen im Jagdgesetz gekümmert habe. Die an­fallenden Gebühren von 500 Franken habe er teilweise grosszügig «ver­gessen». Bei Jagdvergehen entschied laut den Vorwürfen die persönliche Beziehung zu Bloch darüber, ob man seine Lizenz behalten durfte oder nicht. Anzeigen seiner Mitarbeiter, die alle über seinen Tisch mussten, soll er willkürlich nicht weitergeleitet haben. Daneben werden dem Chefbeamten diverse Mängel in der Amtsführung angekreidet, unter anderem habe er bewusst mit Falschangaben Statistiken verfälscht.

Fall zuerst abgeschlossen

Die gesammelten Ermittlungsergebnisse der Polizei gingen an die Staats­anwaltschaft. Diese beschloss allerdings, kein Verfahren einzuleiten, weil die Vorwürfe strafrechtlich nicht relevant seien. Offenbar hatte auch der mittlerweile verstorbene Regierungsrat Peter Zwick (CVP), der als Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) Blochs Vorgesetzter war, Kenntnis von den Vorwürfen. Diese wurden und werden in der VGD aber allem Anschein nach nicht als allzu ­gravierend betrachtet. Das zeigt etwa die Tatsache, dass die Untersuchung keinerlei interne Massnahmen zur ­Folge hatte. Freistellung war nie ein Thema.

Damit wäre der Fall eigentlich erledigt gewesen. Doch die Geschichte kam Mitgliedern der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Landrates zu Ohren. Diese hatte damals gerade einen vernichtenden Bericht über die Zustände in der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion verfasst. Unklar ist, wer die GPK über die Vorwürfe informierte. Gerüchteweise hatte die Tatsache, dass Regierungsrat Peter Zwick selber ­aktiver Jäger war, einige Leute an der Unabhängigkeit seiner Einschätzung zweifeln lassen. Die GPK konfrontierte daraufhin die Regierung mit den Vorwürfen gegen Bloch. In der Folge wurde der Fall neu aufgerollt. Mit der Unter­suchung wurde ein Anwaltsbüro be­auftragt, das ausserhalb des Kantons domiziliert ist. Dieses klärt nun ab, ob strafrechtlich und verwaltungsrechtlich alles seine Richtigkeit hatte.

Bei der Verwaltung gibt man sich wortkarg. Rolf Wirz, Pressesprecher der VGD, bestätigt lediglich, dass eine ­administrative Untersuchung läuft: «Zu den Inhalten können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Stellung ­nehmen», sagte Wirz. Der Bericht soll bis zum Herbst vorliegen. Auch Bloch verzichtete gestern auf Anfrage der BaZ auf eine persönliche Stellungnahme. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.07.2013, 16:00 Uhr

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