Per Express durchs Leimental

Ein Schnelltram könnte die Pendler aus dem Leimental rascher nach Basel bringen. Das Interesse an der Verbindung ist gross.

«Entscheidender Vorteil». Mit einem Expresstram könnten Pendler aus dem Leimental rund vier Minuten einsparen.

«Entscheidender Vorteil». Mit einem Expresstram könnten Pendler aus dem Leimental rund vier Minuten einsparen. Bild: Kostas Maros

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Ein Grossteil der Fahrgäste, die im Leimental ins Tram steigen, will vor allem eines: möglichst schnell nach Basel kommen. Noch aber halten der 10er und der 17er an allen Stationen. Und das kostet Zeit. Deshalb wird im Baselbieter Landrat nun der Ruf nach einem Express­tram laut. Dieses würde nur einige wichtige Haltestellen bedienen und sonst bis Basel durchfahren. «Schnell­trams würden die Kapazi­täten erhöhen und in Stosszeiten das Lebensgefühl in den Trams auch ver­bessern», argumentiert der Bottminger Grünliberale Hans Furer. Mit einem Postulat fordert er die Regierung auf, die Einführung von Express­trams zu prüfen.

Landrat Furer schwebt vor, dass Expresstrams nur noch in Binningen, Bottmingen, Oberwil, Therwil und Ettingen halten würden. «Dies würde die Fahrzeit massiv verkürzen und die Pendlerströme würden noch besser aufgenommen werden», sagt Furer. Zürich macht mit ähnlichen S-Bahnlinien gute Erfahrungen. Bern kennt Busse, die ohne Halt nach Bümpliz fahren. Und auch in Lyon verkehren zwischen dem Flughafen und dem Stadtzentrum Expresstramzüge neben den normalen Trams.

«Näher an Basel heranrücken»

Bei Andreas Büttiker rennt Furer mit seinem Vorstoss offene Türen ein. «Das Leimental mit seinen 60'000 Einwohnern würde näher an Basel heranrücken», sagt der Direktor der Baselland Transport AG (BLT). Schon 2009 sei eine Machbarkeitsstudie durchgeführt worden. Fazit: Ein Expresstram wäre «grundsätzlich realisierbar».

Büttiker erinnert daran, dass es Schnellzüge schon zu Zeiten der Birsigtalbahn gab. Heute könnte das 17er-Tram eine Minute vor dem 10er abfahren und wie eine S-Bahn nur die wichtigsten Stationen bedienen. Bis Basel würde er beinahe den 10er einholen. Ein Überholen sei aus Platzgründen nicht möglich. Dennoch wären von Ettingen aus rund vier Minuten einzusparen. «Für Pendler wäre das ein entscheidender Vorteil.»

Zweite Spur erforderlich

«Die Umsetzung braucht noch Hirnschmalz», stellt Büttiker klar. Es gebe einige Hürden. Der BLT-Direktor nennt drei nötige Massnahmen: Die Haltestelle in Ettingen müsste für den Umstieg aufs Expresstram umgebaut werden. Zudem sei die Spur von der Bottminger Mühle bis Binningen mit einer zweiten zu ergänzen. Dazu wäre eine Häuserzeile abzureissen, was aber ohnehin bereits geplant ist. Der Kanton ist schon daran, Liegenschaften aufzukaufen. Hinzu kommen könnten zusätzliche Sicherheitsmassnahmen an den Haltestellen, wenn Trams mit Tempo durchfahren.

Schon vor fünf Jahren hatte der SP-Landrat Marc Joset unter anderem die Einführung eines Expresstrams angeregt – ohne Erfolg. Der Vorstoss wurde im Landrat abgeschrieben. Mit der Projektierung des Margarethenstichs erachtete die Regierung das Anliegen bereits als erfüllt. Die direkte Anbindung des Leimentals an den Bahnhof Basel SBB werde so weiter vorangetrieben. Für BLT-­Direktor Büttiker ist das kein schlechtes Vorzeichen: «Margarethenstich und Expresstram schliessen sich nicht gegenseitig aus.» Ergänzend könnten sie die Fahrzeit um rund acht Minuten verkürzen. «Vom Kanton spüre ich jedenfalls keinen Widerstand gegen die Idee eines Expresstrams», betont Büttiker.

Unterstützung erfuhr eine mögliche Einführung eines Expresstrams auch schon in der Vergangenheit durch die regionale Politik. Das Projekt wurde auch als mögliche Alternative zur Südum­fahrung angesehen. Damals aber standen die Pläne für den Margarethenstich dann doch noch im Weg.

Kostenpunkt offen

Heikel ist die Frage, welche Haltestellen das Schnelltram bedienen soll. Da sind noch einige politische Diskus­sionen zu erwarten. Als Grundlage geht Büttiker unter anderem von den Pas­sagierzahlen aus. Die BLT verfügt über exakte Benutzerzahlen für jede Haltestelle. Auch Umstiegsknoten seien zu berücksichtigen, sagt Büttiker. So würden Ettingen, Bottmingen und Therwil sicher zum Handkuss kommen.

Die Kosten eines Expresstrams kann noch niemand exakt beziffern. Dennoch glaubt Büttiker an ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Attraktivität des ÖV im Leimental würde auf jeden Fall gesteigert, ist Büttiker überzeugt. «Das wäre sicher ein positiver Aspekt und es wäre lohnenswert, ein solches Projekt genau zu prüfen.» Die BLT unterstütze daher dessen Vorantreiben und die politischen Vorstösse würden dieses Anliegen noch unterstreichen. «Das Expresstram wäre sehr attraktiv, aber auch sehr anspruchsvoll, was den Fahrplan angeht», bilanziert Büttiker. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.10.2012, 07:50 Uhr

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