Radar misst die Durchschnittsgeschwindigkeit im Arisdorftunnel

Der Bund hat im Baselbiet ein neues Tempo-Messsystem aufgestellt. Die Anlage misst die Geschwindigkeit von Rasern über 1,5 Kilometer.

Eine Radaranlage misst künftig die Durchschnittsgeschwindigkeit der Autofahrer im Arisdorftunnel.

Eine Radaranlage misst künftig die Durchschnittsgeschwindigkeit der Autofahrer im Arisdorftunnel. Bild: Henry Muchenberger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) testet ein neues Tempo-Messsystem gegen Raser auf der A2 im Baselbiet. Die Anlage misst das Durchschnittstempo über mehrere Kilometer. Bussen sollen aber frühestens ab November ausgesprochen werden.

Die Anlage im Arisdorftunnel ist seit Mitte September im Testbetrieb. Sie erfasst die Fahrzeuge vor der Tunneleinfahrt und nach der Ausfahrt und berechnet in weniger als einer halben Sekunde die Durchschnittsgeschwindigkeit über rund 1,5 Kilometer, wie es an einer Medienkonferenz vom Donnerstag hiess.

Eine weitere Anlage auf 8 Kilometern der A9 zwischen Aigle und Bex VD soll gegen Ende 2010 in den Testbetrieb gehen. Zudem will das ASTRA eine mobile Anlage testen, die etwa auf Baustellen eingesetzt werden kann. «Scharf» geschaltet - samt Blitz und Bussen - werden die Systeme indes erst ein bis zwei Monate nach Testbeginn.

Beim Arisdorftunnel, wo die Anlage in Fahrtrichtung Süd installiert ist, ist dies frühestens im November oder Dezember der Fall, auf der A9 in der Waadt entsprechend später. Der «Ernstfall» soll aber nochmals über die Medien und mit Schildern vorangekündigt werden, ebenso Blitztests, die zuvor nötig sind.

Gegen Unfälle wegen zu hohem Tempo

Die sogenannten Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen (AGK) sollen laut ASTRA die Unfallzahlen senken. Erfahrungen in Holland, Italien oder Österreich seien positiv, sagte Projektleiter Volker Fröse. Dort sei auch der Verkehrsfluss gleichmässiger geworden. Erfasst würden zudem auch Lastwagen und Autos mit Anhänger, für die abweichende Tempolimiten gelten.

Dass Kontrollen nötig sind, zeigen bisherige Messungen auf den Testabschnitten. Dabei fuhren auf der A9 zwischen Aigle und Bex-Nord im Monat Mai rund 40 Prozent der Personenwagen schneller als 125 und etwa 6 Prozent schneller als 140 Kilometer pro Stunde; erlaubt sind 120 Kilometer.

Über 50 Autos fuhren zudem schneller als 200, das schnellste gar mit 246 Kilometer. Bei den Lastwagen, für die Tempo 80 gilt, war etwa die Hälfte mit über 100 unterwegs; rund 90 Prozent fuhren mehr als 85. Im Arisdorftunnel waren die Quoten niedriger, stiegen aber auf dem Teil nach der schon bestehenden Punkt-Radaranlage an.

Keine Fahndung oder Überwachung

Im Normalfall nicht verwendet werden können die neuen Systeme zur Vignettenkontrolle oder Fahndung, wie weiter verlautete. Zwar werden zur Tempoermittlung die Autos an Anfang und Ende der Strecke mit Fotos erfasst; doch die Bilder würden nach 100 Sekunden automatisch wieder gelöscht, und die Vignette sei nicht erkennbar.

Anders ist dies nur dann, wenn der Computer einen Tempoverstoss ermittelt hat: Dann macht eine besondere Kamera ein Beweisfoto, auf dem - wie auch heute schon - Fahrer oder Vignette erkennbar sind. Im Weiteren könne das System nicht von aussen abgefragt werden, ohne dass Soft- und Hardware und damit die Anlage ersetzt würden.

Ein Schlussbericht über die samt den Installationen auf 1,6 Millionen Franken veranschlagten Tests soll im Sommer 2011 vorliegen. Danach sollen weitere Anlagen nur bei begründeten Anträgen der jeweiligen Kantonspolizeien geprüft werden. (amu/sda)

Erstellt: 30.09.2010, 13:56 Uhr

Umfrage

Im Arisdorftunnel auf der A2 wird nicht mehr geblitzt. Das Tempo wird auf einer längeren Strecke überprüft. Finden Sie solche Tempoabschnittskontrollen richtig?

Ja

 
56%

Nein

 
44%

600 Stimmen


Artikel zum Thema

Raserunfall Schönenwerd: Zwei Angeklagte erneut in U-Haft

Zwei der drei Angeklagten im Prozess wegen des Raserunfalls von Schönenwerd SO sitzen in Untersuchungshaft – wegen neuerlicher Vergehen im Strassenverkehr. Mehr...

Raser-Prozess: «Ich schäme mich»

Im Prozess gegen die drei mutmasslichen Raser von Schönenwerd (SO) fordert die Staatsanwaltschaft Freiheitsstrafen von bis zu acht Jahren. Die Verteidiger verlangen Freisprüche vom Tötungsvorwurf. baz.ch/Newsnet berichtete live aus dem Amtsgericht Olten-Gösgen. Mehr...

«Solche Leute muss man wegsperren»

Bei den mutmasslichen Rasern von Schönenwerd bringe eine Psychotherapie höchstwahrscheinlich nichts, meint eine erfahrene Verkehrspsychologin. Und sie sagt, was gegen das Raserproblem getan werden kann. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nur die Wendeltreppe ist übrig geblieben: Die anhaltenden Flächenbrände in Kalifornien haben auch zahlreiche Häuser in der Villen-Ortschaft Malibu zerstört. (10. November 2018)
(Bild: Ringo H.W. Chiu/AP) Mehr...