Ringen um Bäche und Kläranlagen

Neben mehr Sommerhitze bringt der Klimawandel im Baselbiet auch hitziges Ringen um knapper werdendes Wasser.

Ist heute der Wasserstand der Ergolz an drei Tagen im Jahr kritisch tief, so werden es gemäss BAFU-Prognosen in einigen Jahren bis zu 109 Tage sein.

Ist heute der Wasserstand der Ergolz an drei Tagen im Jahr kritisch tief, so werden es gemäss BAFU-Prognosen in einigen Jahren bis zu 109 Tage sein. Bild: Elena Monti

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Der Klimawandel verursacht im Kanton Baselland hitziges Gerangel um immer knapper werdendes Wasser. Zwecks Effizienz wollen die einen Abwasserreinigungsanlagen (ARA) zusammenlegen, während die anderen mit dezentralen ARA die Bäche retten wollen.

Abwassertechnisch ist klar, dass grosse ARA das Wasser sauberer machen als kleine, und dies erst noch günstiger - verlockend für einen Kanton mit leeren Kassen wie Baselland. Zudem ist erst bei grösseren ARA die Ergänzung um eine Reinigungsstufe für heikle Mikroverunreinigungen sinnvoll; darunter sind diverse Chemikalien.

Seit kurzem übernimmt der Bund bei ARA-Sanierungen mit einer solchen Stufe nicht nur 75 Prozent der Sanierungskosten, sondern auch 45 Prozent der Leitungsbau-Kosten bei Zusammenlegungen. Deswegen hatte Baselland 2015 ein vom Landrat schon bewilligtes ARA-Projekt in Bubendorf auf Eis gelegt und plant nun eine erweiterte ARA-Fusion in Füllinsdorf.

Sparen vs. Lebensraum

Gemäss Pascal Hubmann, Leiter des kantonalen Amtes für Industrielle Betriebe, geht es bei diesem Projekt mit gut 110 Millionen Franken Investitionskosten um jährliche Einsparungen im Betrieb von rund zwei Millionen.

Hubmann verwies am Montag bei einer Medienkonferenz des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) in Liestal auf den Langzeit-Durchschnitt («Q347») der Wassermengen in der Ergolz, die das Projekt nur wenig verändere. Daniel Zopfi von der Fischereifachstelle des Amtes für Wald bangt derweil um die minimalen Abflussmengen an heissen Sommertagen.

Schon heute fallen manche Bäche bei Hitze trocken, und mit dem Klimawandel wird das zunehmen. Tiefe Pegel bringen zudem höhere Wassertemperaturen, was etwa Forellen schlecht vertragen. Zeitweise trockene Bachabschnitte stören auch die Vernetzung, die Fischen aus guten Habitaten im oberen Kantonsteil das abwärts Wandern ermöglicht.

Exemplarisches Dilemma

Zopfi will nicht den Freizeitspass von Fischern retten, sondern das Funktionieren des Gewässer-Ökosystems. Oberflächengewässer und Grundwassersysteme hingen zusammen, betonte er. Ist heute der Ergolz-Pegel an drei Tagen im Jahr kritisch tief, so werden es gemäss BAFU-Prognosen in einigen Jahren bis zu 109 Tage sein. Im Einzugsgebiet der Ergolz, die nur von Niederschlägen gespeist wird und etwa den halben Kanton Baselland umfasst, zeigt sich so exemplarisch ein teurer Nutzungskonflikt: Sauberes Wasser aus fusionierten ARA steht ausreichend Wasser für den Lebensraum gegenüber. Es gehe um eine politische Güterabwägung, sagte Hubmann.

Eine im Kantonsauftrag erstellte Studie von Ende 2016 hatte als erste Handlungsempfehlung die dezentrale Abwasserreinigung bei dezentraler Wasserversorgung notiert, neben Versickerungen, Grundwasseranreicherungen und der Vernetzung kleinerer Wasserversorgungen für den Bedarf an Hitze-Spitzentagen. Einlösbar wäre dies mit Wasser aus der grossen Aufbereitungsanlage im Muttenzer Haldwald, die Rheinwasser via Boden und Filter in Trinkwasser verwandelt. Bis nach Liestal besteht bereits eine Zuleitung, und weiter hoch ins Ergolzgebiet könnte man den Bau einer Zufuhrleitung günstig zusammen mit der Ableitung der geplanten ARA-Zusammenlegung bauen.

Laut Hubmann ist dies aber derzeit «keine Option». Die Parlamentsvorlage für die Gross-ARA in Füllinsdorf werde ohne solches Modul ausgearbeitet. Der Leiter des Amtes für Umweltschutz und Energie, Alberto Isenburg, betonte, bei Klimawandel-Folgen seien immer alle drei Faktoren Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft zu betrachten. (dou/sda)

Erstellt: 28.08.2017, 17:09 Uhr

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