SP nominiert ohne Nebengeräusch

Regula Meschberger und Adil Koller wurden glanzvoll ins Co-Präsidium der SP Baselland gewählt. Die Veranstaltung glich zeitweise einer Solidaritätskundgebung für Susanne Leutenegger Oberholzer.

Ungleiches Duo. Regula Meschberger und Adil Koller geben künftig bei der Baselbieter SP den Ton an.

Ungleiches Duo. Regula Meschberger und Adil Koller geben künftig bei der Baselbieter SP den Ton an. Bild: Nicole Pont

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die SP Baselland hat am Samstag an ihrer Geschäfts- und Wahl­delegiertenversammlung in Liestal Geschlossenheit demonstriert und unangenehme Themen wie die Zweitwohnung von Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer bewusst beiseitegelassen. Entsprechend ging die Nomination der Kandidatinnen und Kandidaten für die Nationalratswahlen vom 18. Oktober fast schon geräuschlos über die Bühne. Nominiert wurden die beiden Bisherigen Eric Nussbaumer (mit 123 Stimmen) und Susanne Leuten­egger Oberholzer (116) sowie Samira Marti (118), Kathrin Schweizer (95), Martin Rüegg (93), Daniel Münger (92) und Miriam Locher (86). Als überzählig auf der Strecke blieb Landrat und SP-Vizepräsident Christoph Hänggi, der mit 84 Stimmen auf Platz acht landete. Zuvor wurde Claude Janiak, der jedem Verdacht auf Amtsmüdigkeit eine Absage erteilt hatte, per Akklamation als Ständeratskandidat nominiert.

Hätte Susanne Leutenegger Oberholzer das Problemthema Eigentumswohnung nicht von sich aus angesprochen, es wäre wohl im Nominationsverfahren gar nicht angesprochen worden. Es handle sich dabei um «eine Wohnung für unsere Familie in unserer Heimat», erklärte Leutenegger vor den SP-Delegierten. Ein Teil derselben erklärte die Angelegenheit dann auch schlicht zur «Medienkampagne der an einen Zürcher verkauften Basler Tageszeitung», so der Sissacher Landrat Stefan Zemp. Überhaupt glich die Veranstaltung zeitweise einer Solidaritätskundgebung für Leutenegger. Diese erklärte ihrerseits, sie werde auch im AHV-Alter noch so frech, unbequem und laut in Bern auftreten wie im Falle einer Wahl die 21-jährige frühere Co-Präsidentin der Juso, Samira Marti.

Ein Hauch von Verjüngung

Für die einzige kritische Stimme im Konzert sorgte Landrat Hannes Schweizer, welcher der SP dringend zu einer Verjüngung riet. «Wir haben zu lange auf bewährte Kräfte gesetzt und die frühzeitige Einleitung eines Generationenwechsels verpasst. Er verzichtete aber auf eine konkrete Empfehlung im Nominationsverfahren. Und es war dann pikanterweise der 19-jährige Juso-Co-Präsident Joël Bühler, der dem altgedienten Politiker aus dem Waldenburgertal entgegnete, es gebe gute und schlechte Zeitpunkte für einen Generationenwechsel. «Jetzt wäre aber sicher ein schlechter», sagte Bühler.

Immerhin sorgte die Versammlung zumindest für einen Hauch von Verjüngung – und zwar gleich in doppelter Hinsicht: Zum einen erzielte Samira Marti ein um zwei Stimmen besseres Nominationsresultat als Susanne Leuten­egger. Zum andern wurde Marti auf der Liste gleich hinter des Bisherigen an dritter Stelle platziert.

Es waren denn auch die Listenplätze, welche für die intensivste Diskussion am Samstagnachmittag sorgten. Die Geschäftsleitung sah die ersten zwei Plätze für beiden Bisherigen vor. Ein Antrag aus der Sektion Liestal wollte hingegen die jüngste Kandidatin, Samira Marti, an die erste Stelle platzieren. Gutgeheissen wurde schliesslich der Kompromissantrag von Landrätin Christine Koch: erst die Bisherigen, dann die Jüngste und anschliessend dem Alter nach absteigend. Womit der Älteste, alt Präsident Martin Rüegg, auf dem siebten und letzten Platz landete. Zwecks Verbesserung der Wahlchancen des links-grünen Lagers beschloss die Delegiertenversammlung sodann eine Unterlistenverbindung mit den Juso und erteilte der Geschäftsleitung die Kompetenz zum Abschluss von Listenverbindungen mit den Grünen sowie weiteren Parteien.

Motion zur Oppositionsstrategie

Eine klare Sache war die Neubesetzung des Parteipräsidiums. Mit den Stimmen aller Anwesenden wurden Landrätin Regula Meschberger und der frühere Juso-Vizepräsident Adil Koller zu Co-Präsidenten der SP Baselland gewählt. «Ich habe genug von dieser bürgerlichen Dominanz», sagte Adil Koller in seiner Vorstellung. Die SP müsse die Inhalte ihrer Politik nicht neu erfinden, sondern nur besser verkaufen. Einen ersten diesbezüglichen Pflock eingeschlagen hat die Partei dann gleich damit, dass sie eine Juso-Motion «für eine pointierte Oppositionsstrategie» an die Geschäftsleitung überwies.

Zu Beginn hatte die Versammlung Rückschau auf die kantonalen Wahlen gehalten und Selbstkritik geübt. Man habe die Situation falsch eingeschätzt. Themensetzung und -besetzung seien ungenügend gewesen. «Und die SP ist nicht mit einem Kandidatenteam, sondern mit zwei Einzelkandidaten zur Regierungsratswahl angetreten», sagte alt Landrätin Nelly Dambach.

Für den Urnengang vom 14. Juni empfiehlt die SP je ein Ja zum revidierten Radio- und Fernsehgesetz und zur Stipendien-Initiative. Zur Präimplantationsdiagnostik wurde Stimmfreigabe beschlossen. Ja sagt die Partei zu den kantonalen Vorlagen, zur Regio-Kooperations-Initiative und zum E-Voting. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.04.2015, 07:13 Uhr

Umfrage

Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer wurde geräuschlos nominiert. Schadet ihre Kandidatur der SP?

Ja

 
80.6%

Nein

 
19.4%

991 Stimmen


Artikel zum Thema

Baselbieter SP setzt auf
Leutenegger Oberholzer

Trotz der Aufregung um ihre Zweitwohnung: Susanne Leutenegger Oberholzer kandidiert erneut für den Nationalrat. Auch ihren Ständeratskandidaten hat die Baselbieter SP bestimmt. Mehr...

Leutenegger Oberholzer rechtfertigt sich

Die Nationalrätin kandidiert erneut für die Wahlen im Herbst. Sie wirft der BaZ das Timing in der Berichterstattung vor, um ihre Wiederwahl zu gefährden. Mehr...

Leutenegger Oberholzer spaltet SP

Längst nicht alle Sozialdemokraten haben Verständnis für das Verhalten der Nationalrätin– nur die SP-Spitze bleibt zurückhaltend. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Paid Post

Casualdating ist besser als Tinder

Noëlle war acht Monate auf Tinder. Hier verrät sie, weshalb sie die Suche nach Sex-Dates jetzt lieber über The Casual Lounge angeht.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Sie bringen Licht ins Dunkel: Die Angestellten einer Werkstatt in Tuntou, China, fertigen Laternen in Handarbeit. Diese werden als Dekoration für das chinesische Neujahrsfest dienen, das Anfang Februar stattfindet. (Januar 2019)
(Bild: Roman Pilipey/EPA) Mehr...