So tickt Überraschungskandidat Vetter

Ein Quereinsteiger soll Nachfolger des Baselbieter Landschreibers Alex Achermann werden. Die Findungskommission des Landrats schlägt den Arlesheimer Juristen Peter Vetter vor.

«Politik hat mich immer interessiert.» Peter Vetter (51), Alleinkandidat für das Amt des Landschreibers, hat sich bisher in Arlesheim engagiert.

«Politik hat mich immer interessiert.» Peter Vetter (51), Alleinkandidat für das Amt des Landschreibers, hat sich bisher in Arlesheim engagiert. Bild: Moira Mangione

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Die Überraschung ist gross: Für die Nachfolge von Landschreiber Alex Achermann schlägt die Findungskommission des Landrats einen Kandidaten ohne jegliche Verwaltungserfahrung vor: Peter Vetter, 1962 in Paris geboren, wohnt zusammen mit seiner Frau und seinen fast erwachsenen Kindern in Arlesheim und ist seit seinen Studien in Basel, San Diego und Bern als Jurist in der Privatwirtschaft tätig. «Wir haben eine externe Lösung bevorzugt, um verwaltungsinterne Seilschaften zu verhindern», sagt Roman Klauser (SVP, Allschwil), der Präsident der Findungskommission.

Für Vetter wäre die Wahl zum Landschreiber ein Berufswechsel. Politik war für ihn bisher nur ein Hobby auf Gemeindeebene. In Arlesheim war er mehrere Jahre Präsident der sozialdemokratischen Ortspartei, sass während vier Jahren im Gemeinderat, und ist heute Mitglied der Rechnungsprüfungskommission der Gemeinde und Präsident des Schulrats der Sekundarschule Arlesheim-Münchenstein. Auch auf Gemeindeebene sei er nicht der klassische Politiker, der für politische Anliegen kämpfe, sagte Vetter gestern gegenüber der BaZ. Interessiert habe er sich dort engagiert, wo es darum ging, Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. Bei der SP sei er zwar «in der für mich richtigen Partei», sagt Vetter auf die entsprechende Frage. «Aber ich bin sicher nicht ein radikaler Linker.»

Einerkandidatur eigentlich unerwünscht

Vetter war nach dem Studium, das er 1996 mit dem Doktorat abschloss, zunächst im Rechtsdienst der Nationale Suisse tätig, später bei der nachmaligen Syngenta International, die damals noch zu Novartis gehörte. Heute ist er Unternehmensleiter beim Versicherungsverband Schweizerischer Transportunternehmungen. Sein heutiger Chef, Verbandspräsident Andreas Büttiker, lobt ihn in den höchsten Tönen: Vetter habe sein 30-köpfiges Team vorzüglich geführt, sei äusserst integer und dienstleistungsorientiert. «Seine Akzeptanz in der Branche ist ausgezeichnet», meint der BLT-Direktor.

Offen ist, ob Vetter in zwei Wochen vom Landrat auch gewählt wird. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, denn die Findungskommission präsentiert ihn als einzigen Kandidaten – und dies, obwohl der Antrag, dem Landrat eine Einerkandidatur zu präsentieren, seinerzeit im Plenum keine Mehrheit gefunden hat. Dass sich die Kommission darüber hinweggesetzt hat, begründet sie damit, dass eine Politisierung der Wahl zu vermeiden ist.

Reaktion auf unglückliche Wahl

Mit der Einerkandidatur reagiert die Kommission auch auf die letzte Landschreiber-Wahl, die heute von vielen als unglücklich bezeichnet wird. Landschreiber Alex Achermann hat sich vor zwei Jahren in einer Wahl durchgesetzt, die hauptsächlich politisch motiviert war. Dass er nach nur zwei Jahren das Handtuch geworfen hat, liegt jedoch daran, dass er innerhalb der Verwaltung und im Parlament breite Kritik einstecken musste. Vorgeworfen wurden dem Staatsrechtler und politischen Allrounder insbesondere Management-Defizite.

Vetter vermöge «einen abgerundeten Mix aus den hoch gewichteten Anforderungen Führungs- und Sozialkompetenz, Besonnenheit, Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit zu zeigen», heisst es im Bericht der Findungskommission. Das dürfte auch bitter nötig sein, denn in der Landeskanzlei steht heute vieles nicht zum Besten, wie Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand sagen. Um sicherzustellen, dass sich der Nachfolger von Achermann länger an der Spitze der Landeskanzlei behauptet, hat die Findungskommission für die Selektion und die Assessments das Basler Institut für Angewandte Psychologie beigezogen.

Besonnen und glaubwürdig

Dass es nicht leicht sei, die Landeskanzlei in der gegenwärtigen Situation zu übernehmen, ist sich Vetter bewusst. Er ist überzeugt, dass er auch bei der Organisation des Teams einiges beitragen kann. «Die Managementaufgabe, die sich stellt, finde ich sehr interessant», sagt er. Zwar habe er nie in einer Verwaltung gearbeitet. Doch er sei Generalist und auch heute in der Lage, ein Team dieser Grössenordnung zu führen. Und: «Der politische Betrieb hat mich immer interessiert». Als Baselbieter habe er die kantonale Politik auch stets mitverfolgt.

Inhaltlich wollte Vetter vor der Wahl noch keine Stellung nehmen. Die Baselbieter Landeskanzlei hat heute eine vergleichsweise veraltete Struktur. Ungelöst ist vor allem das Problem der doppelten Stabsstelle von Regierung und Parlament und der damit verbundene Interessenkonflikt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.11.2013, 11:18 Uhr

Für die meisten ein unbeschriebenes Blatt

Der Arlesheimer Freisinnige Balz Stückelberger ist einer der wenigen im Landrat, die Peter Vetter bereits kennen: «Er ist mir aufgrund seiner politischen Tätigkeit in der Gemeinde bekannt, ich wusste vorher aber nichts von seiner Bewerbung», sagt das Findungskommissionsmitglied. Vetter gelte im Dorf als absolut kompetente und integre Persönlichkeit. Er leiste zumeist unspektakuläre, aber effektive und sehr solide Arbeit und das sei genau das, was es auf der Landeskanzlei brauche. Vetter sei ein «blitzgescheiter Schaffer».

Noch wenig sagen kann SVP-Fraktionschef Dominik Straumann. Er hat Vetter bisher nicht gekannt. Gestern aber stellte sich der Kandidat den Fraktionen in ersten Hearings kurz vor. «Der erste Eindruck war durchaus positiv», sagt Straumann. Vetter wirke sehr sympatisch und kompetent. Er scheine eine Person zu sein, die führen will und kann.

Auch der FDP-Landratsfraktion hat Vetter gestern seine Aufwartung gemacht. «Der erste Eindruck war gut», sagt Fraktionschef Rolf Richterich. «Ein fundiertes Urteil aber ist natürlich noch nicht möglich.» Ganz wichtig aber werde sein, dass auch die Regierung mit der Empfehlung der Findungskommission zufrieden ist. Schliesslich sei der Landschreiber ein Diener zweier Herren.

Doch auch innerhalb der Regierung konnte man gestern Morgen zu Peter Vetter noch nicht viel sagen. «Ich kenne ihn nur sehr flüchtig. Er war vor vielen Jahren ein Studienkollege», sagt Finanzdirektor Anton Lauber (CVP). SVP-Regierungsrat Thomas Weber war Vetter bisher gar nicht bekannt. «Ich musste ihn googeln», sagt der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor. dab

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